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oder bei der sich ihm durch Missernten in Nachbarländern
eröffnenden Aussicht, seine Waare theuer an Mann zu bringen,
dieselben bis zur grösstmöglichen Steigeruug des Preises auf
hebt, wodurch natürlich das Angebot von Waare verringert und
folgegemäss bei gesteigerter Nachfrage der Preis in die Höhe
geschraubt wird, während bei reichlicher Ernte und bei gerin
gerer Aussicht auf Nachfrage von aussen her der Producent
seinen Ueberfluss an Waare leichter und billiger verkauft.
An, im hiesigen Consularbezirke noch vorkommenden Nah
rungs- und Medicinalpflanzen sind namentlich Mohn zur Erzeu
gung des Opiums, Adragant und Scamonia zu erwähnen.
2. Mohn.
Die Hauptdistricte für die Mohncultur und Opium-Erzeugung
in diesem Bezirke sind im nordwestlichen und mittleren Klein
asien ; doch hat dieses Product für Constantinopel weniger Be
deutung, da der Haupthandel für Opium sich in Smyrna concen-
trirt, wo die Agenten der grossen holländischen Compagnien,
sowie englische und deutsche Häuser eigens für diesen Zweck
etablirt sind,und wohin selbst jene Districte, welche mit Smyrna
nicht in directer Verbindung stehen, Uber Constantinopel ihre
Producte bringen.
Uebrigens siehe über diesen Artikel die betreffende Sepa-
rat-Abhandlung.
3. Adragant.
Adragant wird hauptsächlich in Kaisserich, Angora und
Tsangri gewonnen. Der Ertrag im ersten Districte beläuft sich
jährlich auf circa 35.000 Oka, in Angora auf circa 12.000 Oka
und in Tsangri auf 8000 Oka.
Der Preis variirt je nach der Qualität. Dieses Harz wird
nämlich durch das Anschneiden der in den dortigen Bergen vor
kommenden Pflanzen gewonnen, und da diese Manipulation im
Jahre gewöhnlich dreimal vorgenommen wird, und das Harz bei
dem ersten Anschneiden besser ist, als bei den späteren, ist
namentlich der erste Ausfluss geschätzt, und die dabei gewonnene
Qualität kostet durchschnittlich 30 Piaster per Oka, während
die Producte des zweiten Ausflusses mit 22 Piastern und jene
des dritten Ausflusses mit 15 Piastern per Oka gezahlt werden.