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Full text: Volkswirthschaftliche Studien über Constantinopel und das anliegende Gebiet: Beiträge des k. u. k. Consulates und der österreichisch-ungarischen Handelskammer in Constantinopel zur Darstellung des Welthandels und der Geschichte der Preise auf der internationalen Ausstellung in Wien 1873

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Eine Hauptursache der Verminderung der Baumwollen- 
cultur im Constantinopeler Bezirke ist der Mangel an Communi- 
cationen, da die für die Baumwollcultur geeigneten Districte 
(Angora, Gewe und Beybazar) so sehr der Strassen und andern 
Communicationsmittel entbehren, oder mit so schlechten Stras 
sen versehen sind, dass der Transport der Baumwolle zu 
einem Hafen oder Handelsplätze (namentlich Smyrna) nur auf 
dem Rücken vonKameelen oder Maulthieren erfolgen kann, was 
natürlich bedeutende Kosten verursacht, so dass man z. B. von 
Angora nach dem nächsten Hafen 1—1 y 2 Piaster per Oka zahlen 
musste. Natürlich konnte der Baumwollpflanzer bei solchen 
Verhältnissen, nachdem einmal dieser Artikel die aussergewöbn- 
lich hohen Preise nach dem Jahre 1865 verlor, in dem Anbau 
für den Export seine Rechnung nicht mehr finden, und musste 
sich daher auf den blossen einheimischen Verbrauch beschränken. 
— Bei einer Anlegung eines guten Strassennetzes im Innern des 
Landes, und nach der Vollendung der bereits projectirten Eisen 
bahn durch das Innere von Kleinasien ist wol mit Bestimmtheit 
zu erwarten, dass dort die Baumwollcultur einen bedeutenden 
Aufschwung und ausserordentliche Ausdehnung nehmen werde, 
da baufähiges Land imUeberflusse vorhanden, Klima und Boden 
beschaffenheit vollkommen entsprechend und der Arbeitslohn 
billig ist. Wenn dann auch noch, was wol von Wichtigkeit wäre, 
beim Einsammeln der reifen Kapseln und beim Aushülsen der 
selben mehr Sorgfalt verwendet und guten Maschinen grössere 
Verbreitung verschafft würde, dann würde ohne Zweifel Klein 
asien im Baumwollenhandel einen der ersten Plätze einnehmen. 
Die Ernte von 1871—1872 in Kleinasien hat quantitativ 
nicht den Erwartungen entsprochen, zu welchen sie berechtigt 
hatte. Die ausserordentliche Hitze und anhaltende Trockenheit 
während der letzten Sommermonate hat einen grossen Theil der 
Kapseln vor der Reife zerstört, nichtsdestoweniger wird nach 
den verlässlichsten Schätzungen der Ertrag der diessjährigen 
Ernte um 20% höher veranschlagt, als der vorjährige. An 
Qualität lässt die heurige Ernte wenig zu wünschen übrig, 
besonders da die die hiesige Baumwolle charakterisirende Eigen 
schaft der ausserordentlichen Weisse und Reinheit, diessmal zur 
vollen Geltung kam, indem durch den Mangel an Regen die
	        
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