MAK

Full text: Volkswirthschaftliche Studien über Constantinopel und das anliegende Gebiet: Beiträge des k. u. k. Consulates und der österreichisch-ungarischen Handelskammer in Constantinopel zur Darstellung des Welthandels und der Geschichte der Preise auf der internationalen Ausstellung in Wien 1873

392 
Holzanpflanzungen), Pferde, Schweine, Geflügel gezüchtet; doch 
werden dieselben, mit alleiniger Ausnahme der Schafe und der 
Angora-Ziegen, in den betreffenden Districten sehr sorglos behan 
delt. — Eine Mästung oder Stallfütterung ist fast ganz unbekannt, 
das Vieh bringt fast das ganze Jahr auf der Weide zu, und es ist 
daher auch die Fütterung sehr unregelmässig. Das Rindvieh ist 
entweder eine Mischung von podolischer mit Gebirgsragen oder 
Büffelvieh. Die Kühe sind ziemlich milchreich, doch hat die 
Milch einen hohen Preis (gewöhnlich 2 Piaster per Oka = 
1 Wiener Maass im Stalle). Die Ochsen werden fast ausschliess 
lich als Zugthiere verwendet, und es sind daher die seltenen 
Mastochsen sehr hoch im Preise (circa 16 Lira Ottom.), während 
ein magerer höchstens 8 Lira Ottom. kostet. Wenn die Zug 
ochsen, welche gewöhnlich beschlagen sind, sowie die Büffel 
und Kühe zu alt sind, um zum Zuge verwendet zu werden, resp. 
genug Milch zu geben, werden sie geschlachtet, und das Fleisch 
wird dann von der Landbevölkerung an der Luft getrocknet und 
als Wintervorrath verbraucht. Kälber werden fast gar nicht zum 
Verkaufe gezogen. Ueberhaupt ist der Consum an Rind- und 
Kalbfleisch am Lande äusserst unbedeutend und auch in Con- 
stantinopel unverhältnissmässig geringer als bei uns, da hier 
namentlich für die ärmere Bevölkerung, für die Griechen etc. 
das Hammel-, Schaf- und Ziegenfleisch als Hauptnahrung gilt. 
Desshalb ist auch die Gewinnung von Rindvieh häuten 
sehr gering und dürfte kaum den hiesigen Verbrauch an 
Leder, für dessen Bereitung in Beikos eine Fabrik besteht, 
decken. 
Um so bedeutender ist hingegen die Gewinnung von Schaf-, 
Lamm- und Ziegenhäuten, und könnte für den Handel 
noch viel höher sein, wenn das innere Kleinasiens durch Strassen 
mit den Hafenplätzen in besserer Verbindung und die Bevölke 
rung so in die Möglichkeit gesetzt wäre, die nicht zum eigenen 
Gebrauche dienenden Felle zu Markte zu bringen. Leider war 
es nicht möglich, auch nur die geringsten Anhaltspuncte über 
die Anzahl der im hiesigen Bezirke gewonnenen und zum Export 
gebrachten Felle zu erhalten, da es nicht einmal möglich ist, die 
Zahl der jährlich in Constantinopel für den Consum geschlachteten 
Schafe, Lämmer, Hammel und Ziegen zu constatiren.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.