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Nur so viel kann angegeben werden, dass die anatolischen
Eisenbahnen ihren Bedarf an Eichenschwellen fast ausschliess
lich aus den türkischen Staatsforsten Kleinasiens erhalten,
was wol theilweise auch bei der rumelischen Eisenbahn der
Fall sein wird, welche die Schwellen in demselben Maass und
Verhältniss anbringt, wie die österreichische Südbahn, und
dass eine Schwelle auf circa 4‘/* bis 6 y ä Francs zu stehen
kömmt.
Dass der Verbrauch an Hölzern in Constantinopel eine bedeu
tende Steigerung erfahren sollte, ist wol kaum anzunehmen,
vielmehr könnte man fast eine Verminderung des hiesigen Holz
verbrauches Voraussagen, da die Regierung endlich wol doch
einmal mit ihrem Verbote, in der Stadt Holzhäuser zu bauen,
durchdringen, und dieses Verbot vielleicht auch auf hievon bis
her noch ausgeschlossene Stadttheile ausdehnen wird, da mit
dem Anwachsen von Steinhäusern sich nach und nach auch die
Anzahl und Grösse der bisher namentlich den bedeutenden
Holzconsum hervorrufenden, oft ausserordentlich verheerenden
Feuersbrünste, welche nicht selten ganze Stadttheile verwüste
ten, verringern dürften, und da endlich in Constantinopel kein
Industriezweig existirt und auch noch lange nicht sich aus
bilden dürfte, welcher grössere Quantitäten von Werk- und Con-
structionshölzern consumiren und dadurch den etwaigen Aus
fall an dem Verbrauche von Bauhölzern ersetzen würde.
So ist namentlich, obwol Constantinopel als einer der
grössten Seehandelsplätze betrachtet werden kann, der Schiffs
bau geradezu null.
Die einzige grössere Schiffswerfte, welche in Constantino
pel existirt, ist jene des Marine-Arsenales der türkischen Regie
rung und diese wird kaum zu etwas Anderem, als zum Ausbes
sern der Kriegschiffe verwendet und hat gewiss nicht viele
neue Schiffe in ihr enstehen gesehen, da alle neueren Kriegs
schiffe der Türken in England Toulon oder Triest angefertigt
sind.
Von Privaten haben, soviel dem Consulate bekannt ist,
nur zwei österreichisch-ungarische Staats-Angehörige kleine
Schiffswerften in Bujukdere, welche höchstens für zweimastige
Segelschiffe hinreichend gross sind, und wo auch fast aus-