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Ausdehnung der Seidenzucht überhaupt entgegenhalten
könnte.
Die Seidenproduction dürfte daher heute noch bei einiger -
massen guten Ernten ebensoviel sein in quantitativer Hinsicht
als in der früheren Zeit. Dagegen ist sie in Betreff der Werth
verhältnisse bedeutend mehr, verursacht sowol durch den Mehr
werth der bessern Qualitäten als Gespinnst, als durch die Ver-
theuerung des Artikels überhaupt. Aus einer in der Anlage I
folgenden Preisliste vom 15. August 1857 des Geschäftshauses
H. Schwaab lassen sich sowol die verschiedenen Gattungen
und Qualitäten der im Besestan verkauften Seiden und deren Preis
verschiedenheiten unter sich ersehen, als auch ihr Werthver-
hältniss zu den sich immer mehr ausbreitenden Filanden-
seiden.
Je mehr sich nun der Seiden-Export entwickelte und aus
dehnte, lag es auch in der Natur der Sache, die Qualität des
Gespinnstes zu verbessern und anstatt die Abhaspelung der
Cocons auch ferner dem unvollkommenen Verfahren der Züchter
zu überlassen, sie wie in Frankreich und Italien zu einem spe-
ciellen Industriezweig zu erheben.
Erstehung der ersten Seidenspinnerei (Filand).
Es war daher im Jahre 1845 auf 1846, dass das Züricher
Haus H ch D* de Mur alt, vertreten durch Herrn E. Falk eisen,
nachmaligen russischen und österreichischen Viceconsul, die erste
Seidenspinnerei (Filanda) hier errichtete und einige Arbeiter
und Arbeiterinen hiefür aus Italien und Frankreich bringen
liess.
Die inländischen Kaufleute, namentlich Armenier, bald von
der Wichtigkeit dieses neuen Industriezweiges ergriffen, ver
säumten nicht, dieses Vorbild nachzuahmen, und so sah Brussa
im Verlaufe von wenigen Jahren eine Reihe von Spinnereien
erstehen.
Bald folgten auch einige Orte im Innern der Provinz dem
Beispiele nach. Auch die Regierung erbaute eigens eine Spinnerei
hier, die sie für ihre Stoffabrik in Hereke beschäftigt.