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Full text: Volkswirthschaftliche Studien über Constantinopel und das anliegende Gebiet: Beiträge des k. u. k. Consulates und der österreichisch-ungarischen Handelskammer in Constantinopel zur Darstellung des Welthandels und der Geschichte der Preise auf der internationalen Ausstellung in Wien 1873

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Der Kaufmann ist blos gebunden, beim Versandt der Seide 
«der Zebntenbehörde anzuzeigen, von welcher Spinnerei er sie 
gekauft hat, weil diese dann aus den jährlichen Seidenversen 
dungen jeder Spinnerei vermittelst Grundlegung der muthmass- 
lichen Eendita auf die Quantität der gekauften Cocons zurück 
rechnet, um so zu controliren, ob keine auf den Coconszehnten 
bezügliche Contrebande stattgefunden habe. Ausserdem ertheilt 
die Zehntenbehörde dem Versender auf seine Declaration den 
zum Versandt nöthigen Mauthschein, auf Grund dessen er in 
Gemlek oder Mudania, den zwei Stapelplätzen, den Zoll an die 
Regierung entrichtet. 
Ueber Seidenzucht und Raupenkrankheit. 
In jenen Zeiten, d. h. bis zum Jahre 1858, wusste man 
von Raupenkrankheiten noch nichts , und kannte durchschnitt 
lich nur gute Ernten, wie denn auch die Witterungsverhältnisse 
damals während der Zucht meist regelmässig günstige waren. 
Die Raupenkrankheit in Frankreich und Italien hatte daselbst 
die Gewinnung der zur Zucht benöthigten Eier aus den eigenen 
einheimischen Racen immer mehr in Frage gestellt und zuletzt 
ganz unmöglich gemacht, so dass man sich gedrungen sah, sich 
solche aus dem Auslande zu verschaffen. 
Die guten Ernten hier lenkten bald die Aufmerksamkeit 
von Europa auf sich, und es war im Jahre 1853 in der Ernte 
als Franzosen und Italiener hieherkamen, Cocons einkauften 
und Eier daraus zogen. Gleichzeitig veranlassten sie auch Ein 
geborene dazu , denen sie die Eier abkauften. Hiebei führten 
sie das in Frankreich und Italien übliche System ein. 
In den nächsten Jahren kamen sie wieder. Auf diese Weise 
entstand eine förmliche Fabrication von Raupeneiern und zwar 
auf Unkosten der Rohseidenerzeugung, denn da für die zur 
Eiergewinnung tauglichen Cocons viel höhere Preise gezahlt 
werden konnten, als für die Spinnerei und bedeutende Quanti 
täten aufgekauft wurden für die Eiergewinnung, auch Uberdiess 
dieser Handel einen ordentlichen Nutzen abwarf; so betheiligten 
sich die Spinner um so mehr daran, als sie in ihren Spinnereien 
über die ausgedehntesten Räumlichkeiten zu verfügen hätten.
	        
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