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Der Kaufmann ist blos gebunden, beim Versandt der Seide
«der Zebntenbehörde anzuzeigen, von welcher Spinnerei er sie
gekauft hat, weil diese dann aus den jährlichen Seidenversen
dungen jeder Spinnerei vermittelst Grundlegung der muthmass-
lichen Eendita auf die Quantität der gekauften Cocons zurück
rechnet, um so zu controliren, ob keine auf den Coconszehnten
bezügliche Contrebande stattgefunden habe. Ausserdem ertheilt
die Zehntenbehörde dem Versender auf seine Declaration den
zum Versandt nöthigen Mauthschein, auf Grund dessen er in
Gemlek oder Mudania, den zwei Stapelplätzen, den Zoll an die
Regierung entrichtet.
Ueber Seidenzucht und Raupenkrankheit.
In jenen Zeiten, d. h. bis zum Jahre 1858, wusste man
von Raupenkrankheiten noch nichts , und kannte durchschnitt
lich nur gute Ernten, wie denn auch die Witterungsverhältnisse
damals während der Zucht meist regelmässig günstige waren.
Die Raupenkrankheit in Frankreich und Italien hatte daselbst
die Gewinnung der zur Zucht benöthigten Eier aus den eigenen
einheimischen Racen immer mehr in Frage gestellt und zuletzt
ganz unmöglich gemacht, so dass man sich gedrungen sah, sich
solche aus dem Auslande zu verschaffen.
Die guten Ernten hier lenkten bald die Aufmerksamkeit
von Europa auf sich, und es war im Jahre 1853 in der Ernte
als Franzosen und Italiener hieherkamen, Cocons einkauften
und Eier daraus zogen. Gleichzeitig veranlassten sie auch Ein
geborene dazu , denen sie die Eier abkauften. Hiebei führten
sie das in Frankreich und Italien übliche System ein.
In den nächsten Jahren kamen sie wieder. Auf diese Weise
entstand eine förmliche Fabrication von Raupeneiern und zwar
auf Unkosten der Rohseidenerzeugung, denn da für die zur
Eiergewinnung tauglichen Cocons viel höhere Preise gezahlt
werden konnten, als für die Spinnerei und bedeutende Quanti
täten aufgekauft wurden für die Eiergewinnung, auch Uberdiess
dieser Handel einen ordentlichen Nutzen abwarf; so betheiligten
sich die Spinner um so mehr daran, als sie in ihren Spinnereien
über die ausgedehntesten Räumlichkeiten zu verfügen hätten.