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benöthigten Eier bekümmerten, und sie dann aut lieu und
Glauben hier kauften, wo sie sie am billigsten fanden.
Die vieljährigen Misseriolge haben indessen nun doch
manchen Züchter zu dem früheren gebräuchlichen Verfahren
zurückgeführt, und zwar nicht ohne Erfolg; wie es denn noch
Dörfer gibt, wo man nie davon abgekommen war.
Seit im Jahre 1864 die Japanrace hier eingeführt wurde,
ist sie auch jedes Jahr mit bestem Erfolg und unter Verbesserung
der Qualität aus sich selbst reproducirt worden.
Ueber die Natur der Krankheitserscheinungen selbst, wie
sie sich hier äusserten und äussern, ist festzustellen, dass sie
unter den verschiedenerlei Formen Vorkommen, jedoch mit dem
grossen Unterschiede, dass sie bis jetzt hier nie wirklich
epidemisch, sondern immer nur sporadisch aufgetreten sind,
meist durch abnorme Witterungseinflüsse hervorgeruten. So hat
es oft Nebel im Mai, der den Maulbeerblättern sehr nachtheilig
ist und sie fleckig macht. Es ist constatirt worden, dass Raupen,
die von solchen, frisch unter dem Einflüsse dieser Nebel ge
pflückten Blättern frassen, sofort erkrankten.
Verfasser dieses hat es selbst zu beobachten Gelegenheit
gehabt.
Einen äusserst ungünstigen Einfluss üben auch die hier
nicht seltenen Südstürme, wenn sie mit der Eierpupungs-Periode
der Raupe Zusammentreffen.
Es dürfte hier am Platze sein, noch auf zwei Puncte in
wenigen Worten aufmerksam zu machen, die vielleicht allein
verhütet haben, dass die Krankheitserscheinungen nicht zur
Epidemie, wie in Europa, ausarteten. Es ist diess die hier übliche
Cultur des Maulbeerbaumes und das hiesige Verfahren der
Raupenzucht, beide verschieden von den Gebräuchen in Europa.
Hiesige Cultur des Maulbeerbaumes.
Während in Europa der Maulbeerbaum hoch gepflanzt wird
und daher in ziemlichen Entfernungen aus einander gehalten ist,
wird er hier im Gegentheile nieder und klein, kaum mannshoch
und ein Meter im Geviert von einander entfernt, gezogen. Es