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Im Jahre 1851 wurden die vom englischen Ingenieur Robert
Stephenson geleiteten ersten Vermessungen vorgenommen
und heute, also nach einem Zeiträume von nur 21 Jahren, besitzt
Egypten schon ein Eisenbahnnetz von gegen 1400 Kilometern in
voller Thätigkeit, zum grössten Theile das Nildelta durchkreu
zend. Ausserdem sind Linien von über 150 Kilometern im Bau
begriffen, und man hat die Vorstudien zur Anlage von über
1000 Kilometern in Oberegypten und Nubien gemacht. — In
diesem Netze sind gegen 85 Kilometer einer leichten Agricultur-
Eisenbahn nicht inbegriffen, welche der Khedive im vergangenen
Jahre zur Entwickelung seiner beträchtlichen Zuckerpflanzungen
in Oberegypten angelegt hat und auf welcher er ausschliesslich
den Transport ihrer Producte bewerkstelligt.
Die Eigenthümlichkeit des zu befahrenden Bodens, zum
grossen Theile lose oder aus sandiger Wüste bestehend, be
dingte besondere Stadien für die Construction des Oberbaues,
da einerseits hölzerne Schienenschwellen, wenn auch noch so
sorgfältig vorbereitet, in dem glühenden Sande nur von kurzer
Lebensdauer gewesen wären, abgesehen von ihrer verhältniss-
mässigen Kostspieligkeit in dem holzarmen Lande, und anderer
seits Steine nicht in hinreichender Menge und Güte vorgefunden
werden, um deren Anwendung als Schwellen zu empfehlen.
Der Ingenieur Stephenson, zu gleicher Zeit Unterneh
mer der Bahn, wandte desshalb seine Aufmerksamkeit auf das
Eisen und erdachte einen Oberbau, welcher allen an ihn ge
stellten Anforderungen aufs Trefflichste entsprach und folglich
noch heute mit grossem Vortheile angewendet wird.
Wir gehen nun im Folgenden zur näheren Beschreibung
desselben über und verweisen zur besseren Erklärung auf die
beiden Tafeln, welche den Oberbau im Ganzen und in seinen
einzelnen Theilen zeigen, als auch auf die wirklichen Stücke,
welche diesem Berichte durch die Gefälligkeit der egyptischen
Eisenbahn-Administration beigegeben sind.
Schiene.
Zur Oberschiene ist eine doppelköpfige Schiene gewählt
worden, aus Eisen, hart und körnig in den beiden Köpfen und
sehnig in der Rippe, von solchem Querschnitt (Taf. II, Fig. 6),