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hergestellt werden. Die Studien und Vorarbeiten für die in gar
mancher Beziehung ausserordentlich wichtige Linie von Assuan
den Nil aufwärts gegen Chartum wurden unter der Leitung des
berühmten englischen Ingenieurs Fowler in Angriff genommen.
Sobald diese Vorstudien beendet sein werden, soll dann über den
Bau dieser Strecke ein definitiver Beschluss gefasst werden. Dabei
wird man in erster Linie auf den Kostenpunkt Rücksicht nehmen
— die technischen Schwierigkeiten der Herstellung der Sudan-
Bahn wären leichter zu überwinden. Es ist nicht zu verkennen,
dass eine Bahn geführt bis Chartum, dem Schlüssel von Central-
Afrika, von hoher, handelspolitischer Wichtigkeit wäre; sie gäbe
dem Handel mit den Sudan-Ländern einen neuen kräftigen
Impuls, wovon in erster Linie natürlich Egypten profitiren würde.
Da Egypten auch politische und strategische Interessen an dem
Zustandekommen dieser Eisenbahn hat, darf man sich wohl der
Hoffnung hingeben, in nicht zu ferner Zeit den Bau derselben in
Angriff genommen zu sehen.
Die gegenwärtig zwischen Cairo und Alexandrien bestehende
Bahn überschreitet beide Nilarme auf grossartigen Eisenbrücken.
Um diese Linie mit der oberegyptischen, vis-ä-vis von Cairo am
linken Ufer beginnende Bahn in Verbindung zu setzen, wäre
man gezwungen, eine noch grössere und kostspieligere Brücke,
als die beiden bereits existirenden sind, zu erbauen. Um nun
diesem auszuweichen, fasste man den Beschluss, die oberegyp-
tische Bahn mit Alexandrien nicht durch die schon dermalen
bestehende Cairiner-Balm in Verbindung zu bringen, sondern
durch eine neue Linie, welche, von Embabeh (vis-ä-vis von
Cairo) ausgehend, am linken Nilufer sich hinzöge, um schliesslich
hei Tell-Berud in die Cairo-Alexandria-Bahn einzumünden — für
welche Strecke keine theueren Brückenbauten erforderlich sind.
Im 0. und W. ist das von S. nach N. lang gestreckte Nil
thal von Wüstengrund begrenzt. Oestlich liegt zwischen dem
selben und dem rothen Meere die sogenannte arabische Wüste,
im W. dehnt sich die libysche Wüste aus. Der östliche Rand der
grossen Sahara, welche das Innere des afrikanischen Erdtheiles
einnimmt. In der libyschen Wüste finden sich in dem Sandmeere
mehrere grössere und kleinere Strecken, denen die Natur Wasser
geschenkt, und die in Folge dessen culturfähig sind. Seit den