Aus dein Vorerwähnten erhellt, dass die Ländereien in
Egypten in zwei Kategorien getheilt werden können, nämlich in
solche, welche regelmässig vom Ueberschwemmungswasser er
reicht werden, und in solche, welche einer künstlichen Bewässe
rung bedürfen.
Bei ersterem findet das Säen von zumeist Hltlsenfrüchteu
beim Zunicki,reten des Wassers statt und erzielt man darauf in
dei Hegel nui eine Ernte (Wintersaat), während bei letzteren
keine feste Norm für den Anbau besteht.
Gewöhnlich produciren sie zwei bis drei Ernten, je nachdem
man entweder zuerst Baumwolle und dann Hülsenfrüchte oder
aber verschiedene Sorten HülsenfrUchte nach einander darauf säet.
Das Erdreich der höher gelegenen Landstriche soll viel pro
ductiver als jenes der niedriger liegenden sein, bei welchen ein
sieh vorfindender Salzgehalt hindernd auf die Entwicklung der
Samen einwirken soll.
Von rationeller agrarischer Bewirthschaftung hat der egyp-
tische Bauer keinen Begriff; er sündigt auf die sprichwörtliche
Fruchtbarkeit des Bodens und pflanzt, ohne Rücksicht auf regel
mässigen Wechsel, in der Regel jene Artikel, welche ihm nach
den jeweiligen Marktverhältnissen gerade den lohnendsten Er
trag in Aussicht stellen.
Um Düngung des Erdreiches kümmert er sich wenig, theils
wegen factischen Mangels an Düngungsmitteln, theils in Folge
einer angebornen V oreingenommenbeit.
Nilschlamm und altes Gemäuer sind die einzigen im Ge
brauche; animalischer Dünger wird bei der Seltenheit anderer
Brennstoffe meist zur Feuerung benützt.
Auch die egyptischen Grossen halten es auf ihren Besit
zungen nicht viel anders als der gewöhnliche Fellah. Von modernen
Aekcrbaugeräthen ist darauf nichts zu finden und das Düngen
der Felder wird auch nicht nach besserem System vorgenommeu,
obschon dafür, namentlich unter der Rubrik Taubenmist, bedeu
tende Summen verrechnet werden sollen. Nur Dampfpumpen und
Dampfpflüge wurden zur Zeit der letzten Viehseuche eingeführt,
aber trotzdem, und obwol die hohen Herrschaften das Vorrecht
der Wasserbenützung haben , daher im gegebenen Momente und
zur G eniige bewässern können, geben ihre Ernten doch keine