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Full text: Volkswirthschaftliche Studien über Alexandrien und das untere Nil-Thal: ein Beitrag des k. u. k. General-Consulates und der österreichisch-ungarischen Colonie in Egypten zur additionellen Ausstellung des Welthandels

Aus dein Vorerwähnten erhellt, dass die Ländereien in 
Egypten in zwei Kategorien getheilt werden können, nämlich in 
solche, welche regelmässig vom Ueberschwemmungswasser er 
reicht werden, und in solche, welche einer künstlichen Bewässe 
rung bedürfen. 
Bei ersterem findet das Säen von zumeist Hltlsenfrüchteu 
beim Zunicki,reten des Wassers statt und erzielt man darauf in 
dei Hegel nui eine Ernte (Wintersaat), während bei letzteren 
keine feste Norm für den Anbau besteht. 
Gewöhnlich produciren sie zwei bis drei Ernten, je nachdem 
man entweder zuerst Baumwolle und dann Hülsenfrüchte oder 
aber verschiedene Sorten HülsenfrUchte nach einander darauf säet. 
Das Erdreich der höher gelegenen Landstriche soll viel pro 
ductiver als jenes der niedriger liegenden sein, bei welchen ein 
sieh vorfindender Salzgehalt hindernd auf die Entwicklung der 
Samen einwirken soll. 
Von rationeller agrarischer Bewirthschaftung hat der egyp- 
tische Bauer keinen Begriff; er sündigt auf die sprichwörtliche 
Fruchtbarkeit des Bodens und pflanzt, ohne Rücksicht auf regel 
mässigen Wechsel, in der Regel jene Artikel, welche ihm nach 
den jeweiligen Marktverhältnissen gerade den lohnendsten Er 
trag in Aussicht stellen. 
Um Düngung des Erdreiches kümmert er sich wenig, theils 
wegen factischen Mangels an Düngungsmitteln, theils in Folge 
einer angebornen V oreingenommenbeit. 
Nilschlamm und altes Gemäuer sind die einzigen im Ge 
brauche; animalischer Dünger wird bei der Seltenheit anderer 
Brennstoffe meist zur Feuerung benützt. 
Auch die egyptischen Grossen halten es auf ihren Besit 
zungen nicht viel anders als der gewöhnliche Fellah. Von modernen 
Aekcrbaugeräthen ist darauf nichts zu finden und das Düngen 
der Felder wird auch nicht nach besserem System vorgenommeu, 
obschon dafür, namentlich unter der Rubrik Taubenmist, bedeu 
tende Summen verrechnet werden sollen. Nur Dampfpumpen und 
Dampfpflüge wurden zur Zeit der letzten Viehseuche eingeführt, 
aber trotzdem, und obwol die hohen Herrschaften das Vorrecht 
der Wasserbenützung haben , daher im gegebenen Momente und 
zur G eniige bewässern können, geben ihre Ernten doch keine
	        
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