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Full text: Volkswirthschaftliche Studien über Alexandrien und das untere Nil-Thal: ein Beitrag des k. u. k. General-Consulates und der österreichisch-ungarischen Colonie in Egypten zur additionellen Ausstellung des Welthandels

Stadt gespielt hat; ebenso ist bekannt, wie diese Stadt in späte 
ren Jahrhunderten ihre Wichtigkeit gänzlich verloren hat und zu 
einem ganz bedeutungslosen Orte herabgesunken ist. Die Gründe 
der einstigen Blitthe und des Verfalles Alexandriens, sowie der 
gegenwärtig wieder so einflussreichen Stellung dieser Stadt 
sind insbesondere in den Communicationen zu suchen, und zwar 
einestheils in der Verbindung Alexandriens mit dem Delta und 
andererseits in der jeweiligen Richtung, welche der Handel 
Europa’s nach Indien im Verlaufe der Jahrhunderte eingeschla 
gen hat. 
Die Stadt Alexandrien liegt unmittelbar am Meere und 
wird vom bebauten Delta durch Sandstrecken, den Mariut-See 
und Sumpfland getrennt. In alten Zeiten war der Mariut-See 
schiffbar und stand in Verbindung mit dem Canalnetze Unter- 
Egyptens, so dass es also damals leicht anging, die Bodeupro- 
ducte zu Schiff bis in den Hafen Alexandriens zu schaffen, um 
sie hier in die bereitstehenden Seeschiffe zu verladen. In späte- 
teren Jahrhunderten, namentlich während der Türkenherrschaft, 
wurde diese Verbindung Alexandriens mit dem Hinterlande 
immer schwieriger; der Mariut-See versumpfte von Jahr zu Jahr 
mehr, die Canäle wurden verstopft. Zur Instandhaltung des 
früheren bequemen Wasserweges geschah nichts — und die 
natürliche Folge davon war, dass der Handel Alexandriens mit 
den egyptischen Landesproducten schliesslich gänzlich aufhörte, 
dass die einst so blühende Seestadt capituliren musste vor den 
beiden anderen egyptischen Seestädten Rosette und Damiette, 
welche wegen der bequemen Communication mit dem Innern 
nach und nach den ganzen Exporthandel Egyptens an sich 
gerissen hatten. 
Was nun den Transithandel anbelangt, welcher über Egyp 
ten von und nach Indien betrieben worden und dem Alexandrien 
grossen Reichthum verdankte, so ist bekannt, wie derselbe in 
Folge der Entdeckung Vasco da Gama’s plötzlich den Venetia- 
nern, die ihn lange Zeit ausschliesslich in Händen hatten, ent 
rissen und von Alexandrien und dem rothen Meere weg in 
neue Bahnen gelenkt worden ist. 
In diesem Jahrhunderte sind in beiden Beziehungen in 
Betreff der Verbindung Alexandriens mit dem Innern, wie in
	        
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