SERBISCHE TEPPICHE. 201
Darum hält sie auch fest an den wenigen hergebrachten Formen
und Ornamenten, die jeder Weberin beim Namen bekannt
sind und staunenswertherweise ohne jedwede Vorlage bei
der Arbeit unter ihren geschäftigen Fingern entstehen. Erst
in allerletzter Zeit — und zwar seitdem Pirot anlässlich des
Bahnbaues vielen Ingenieuren als zeitweiliger Aufenthalt
diente — trat in der alten Tradition eine Aenderung insofern
ein, als man sich gegen gute Bezahlung herbeiliess, auch
nach angegebenen Mustern in Zeichnung und Farbe zu
arbeiten. Sonst kann man aber wohl sagen, dass alle serbi¬
schen Teppiche nach einer Schablone gearbeitet sind, so wie
sie von den Müttern und Grossmüttern der jetzigen Genera¬
tion hergestellt wurden. Sie sind durchgehends auf schwarzem
oder rothem Grund gearbeitet. Der ältere Geschmack zieht
den schwarzen Grund vor, während der neuere den rothen
bevorzugt. Die Form ist jene eines gestreckten Viereckes,
auf dessen Grund Figuren aus geometrischen, fast in allen
(ziemlich grellen) Farben gemusterten Streifen und Ornamente
eingearbeitet sind, die in der Mitte des Teppichs durch die
sogenannte Tafel (Sofra) abgeschlossen werden. Die Ornamente
und Verzierungen sind meist dem Blumenreiche in fast un¬
erkennbarer Defiguration entnommen und umfassen heute
zehn traditionelle Muster. Diese finden sich in allen serbi¬
schen Teppichen, sei es vereinzelt, sei es in ihrer Gesammtheit
vor. Da die Kenntniss dieser Muster (dem Xamen nach
wenigstens) für den Handel von Interesse ist, will ich die
Beschreibung eines solchen Teppiches, in welchem alle
Muster vorkommen, geben. Ich beginne mit dem Randmuster,
welches «Plotscha» (der Huf) heisst, und nenne nach innen
zu die einander folgenden Muster: wir sehen da zuerst die
« Reschme* (Buntgold), dann die geometrisch geformten Muster
«DJennar», hierauf folgen die Verzierungen der 'I eppichmitte,
welche «Kubetja» (Kuppelornament), «Tschulovi* (Blumen¬
ornamente), «Ko/ena» (Kniestücke), « Ogledala* (Spiegelmuster),