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MAK

Full text : Beschreibender Katalog einer Sammlung von Spitzen und Kanten

XXIII

Durch  den  Jacquard’schen  Stuhl  in  seiner  Anwendung  für
gewebte  Leinen-  und  Baumwollenspitzen,  besonders  in  seiner
Vervollkommnung,  die  er  auf  englischem  Boden  gefunden  hat,  ist
nun  in  neuester  Zeit  eine  vollständige  Revolution  auf  dem  Gebiete
der  Spitzenindustrie  eingetreten  Die  früher  so  hoch  geehrte
Kunst  der  Spitzenmanufaktur,  die,  wie  Eingangs  angedeutet  worden ­
  ist,  an  Königshöfen,  in  Burgen  und  Schlössern,  in  Patrizierwohnungen ­
  und  Klöstern,  nicht  weniger  aber  auch  in  den  letzten
Jahrhunderten  von  einer  fleissigen  Landbevölkerung  in  verschiedenen ­
  Distrikten  Frankreichs  und  Deutschlands  mit  Hingabe  und
Ausdauer  als  einträgliches  Kunsthandwerk  betrieben  wurde,  hat
in  den  letzten  Jahren  den  platten  und  geistlosen  Erzeugnissen
von  meistens  in  Baumwolle  gewebten  Spitzen  des  Jacquard’schen
Stuhls  weichen  müssen.  So  ist  es  gekommen,  dass  man  heute,
sowohl  für  kirchlichen  wie  profanen  Gebrauch  in  tändelnden,
nichtssagenden  Musterungen  prahlendes  Spitzenwerk  im  werthlosen ­
  Material  von  Baumwolle  überall  da  gewahrt,  wo  früher
die  kunstsinnige  Hand  in  den  schönsten  und  gewähltesten  Dessins, ­
  im  feinsten  Leinengespinnst  gediegene  Kunstwerke  anzubringen ­
  wusste,  die  heute  noch  nach  Jahrhunderten  als  Ueberbleibsel
  einer  untergegangenen  Kunstindustrie  bleibenden  Werth
haben,  und  die  von  Museen  und  Sammlungen  nicht  selten  für
hohen  Preis  gesucht  werden.
Erst  in  jüngster  Zeit  hat  sich  bei  dem  Bestreben,  das  sich
in  allen  Kreisen  geltend  macht,  die  Kunst  der  freien  Hand
wieder  zu  emanzipiren  von  dem  Druck  und  der  Concurrenz  der
x  mechanischen  Massenerzeugungeu,  die  Spitzen-Anfertigung  in
erfreulicher  Weise  als  Kunstindustrie  wieder  gehoben.  Dank  einer
geläuterten  besseren  Geschmacksrichtung,  die  sich  in  vielen
Kreisen  der  Gesellschaft  Bahn  gebrochen  hat,  ist  sowohl  für
Herstellung  von  kunstreich  geklöppelten  Spitzen,  als  auch  für
Spitzen  in  Nadelarbeiten  in  den  zwei  letzten  Jahrzehnten  von
Industriellen  in  Frankreich,  England  und  Deutschland  Anerkennungswerthes
  geleistet  worden.  Die  letzten  grossen  Weltausstellungen ­
  in  Paris,  London  und  Wien  lieferten  in  den  zahlreich
eingesendeten  Concurrenzarbeiten  den  schlagenden  Beweis,  dass
man  in  Frankreich,  Deutschland,  Belgien  und  sogar  in  Russ-
            
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