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MAK

Full text : Beschreibender Katalog einer Sammlung von Spitzen und Kanten

XXIV

land,  wiederanknüpfend  an  die  Traditionen  der  alten  Industrie-Kreise,
  mit  Eifer  und  Entschiedenheit  abermals  bestrebt  ist,  der
Spitzenfabrikation  ihren  ehemaligen  Rang  unter  den  industriellen
Künsten  zu  vindiciren  und  der  leeren  und  unsoliden  Massenproduction
  von  meist  baumwollenen  Fabrikspitzen  erfolgreiche  Conkurrenz
  entgegen  zu  stellen.  In  Belgien  sind  es  besonders  die
Spitzen-Industrieschulen  von  Brüssel,  Mecbeln,  Gent,  Brügge  und
Ypern,  die  mit  grossem  Erfolge  die  schönsten  Productionen  der
Spitzenindustrie  früherer  Jahrhunderte  wieder  zu  Tage  fördern.
Auf  dem  grossen  Weltmarkt  finden  diese  belgischen  Erzeugnisse
der  freien  Hand  allgemeine  Anerkennung  und  zahlreiche  Käufer.
Auch  in  Frankreich  ist  man  in  den  alten  Industrie-Distrikten
mit  Aufbietung  aller  Kräfte  bestrebt,  den  ehemaligen  französischen
Vorrang  auf  dem  Gebiete  der  Spitzenfabrikation  den  Industriellen
Englands  und  Belgiens  gegenüber,  dauernd  wieder  zu  erringen.
Namentlich  werden  zu  Mirecourt,  Caen,  Bayeux,  Chantilly,  le  Puy
und  überhaupt  in  der  Auvergne,  welche  heute  mehr  als  100,000
Spitzenwirkerinnen  beschäftigt,  Kunstwerke  mit  der  Nadel  und
auf  dem  Kissen  neu  hervorgebracht,  welche  mit  den  schönsten
Leistungen  früherer  Jahrhunderte  von  Alencon,  Venedig  und
Genua  abermals  kühn  in  die  Schranken  treten  können. 1 )  Auch
England  und  Irland,  insbesondere  aber  Deutschland  ist  bei
dieser  allgemeinen  Conkurrenz,  die  Spitzenindustrie  von  dem
Druck  des  Webstuhls  zu  befreien  und  dieselbe  zu  ihrer  früheren
Bedeutung  wieder  zu  erheben,  nicht  zurückgeblieben.
Erfreulich  ist  es  wahrzunehmen,  wie  namentlich  auch  in
Sachsen  und  Böhmen  die  Spitzenindustrie  nach  tiefem  Verfall
in  den  letzten  Jahrzehnten,  neu  vergiingt,  zu  schönerem  Schaffen
sich  wieder  emporgerichtet  hat.  Zu  diesem  Aufschwung  der
Spitzenfabrikation  im  sächsischen  Erzgebirge  trugen  nicht  wenig
bei  die  vielen  daselbst  durch  Staatsmittel  in  jüngster  Zeit  gegründeten ­
  Klöppelschulen.  Einem  uns  in  Druck  vorliegenden  Berichte
des  Klöppelschul-Inspektors  Richter  in  Schwarzenberg  zufolge,
zählt  Sachsen  gegenwärtig  mehr  als  20,000  Spitzenklöpplerinnen

')  Vgl.  über  die  Entwickelung  der  ISpitzenfabrikation  in  Frankreich:
Rapport  du  Jury  international  1867.
            
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