108
Gegenstände mit den blossen Händen zu berühren, und wirft sie in
Sägespäne.
Das angeriebene Email wird mittelst eines Spatels auf die betreffenden
Stellen aufgetragen; das Wasser, womit die Emailmassc
durchdrungen ist, erleichtert das gleichförmige Aufträgen. Die Feuchtigkeit
lässt man von einem lockeren Gewebe aufsaugen, das man an
einer Stelle mit dem aufgetragenen Email in Berührung bringt.
Hierauf ebnet man mit der flachen Seite des Spatels, trocknet an
der Luft und bringt in die Muffel zum Brennen. Da diese erste
Schichte sehr uneben erscheint, weil einzelne Stellen leer bleiben,
während an anderen sich die Masse anhäuft, so muss man eine zweite
Schichte auftragen, um die gansje Oberfläche auszugleichen.
Ein gut emaillirtes Stück darf weder Risse noch Blasen zeigen;
man muss sowohl vorhandene Fehler verbessern, als auch solchen
Vorbeugen, welche im Verlaufe der Arbeit entstehen können. Zu
diesem Zwecke ist der Emaillcur immer versehen mit Schabeisen,
Feilen, Grabsticheln und Pfriemen aus sehr hartem Stahl. Er sticht
die Blasen auf, entfernt die Körner, feilt die Erhöhungen ab, er
verstreicht die Risse und füllt alle Vertiefungen mit Emailpulver aus,
worauf das Ganze nochmals gebrannt werden muss, damit die ausgebesserten
Stellen mit den benachbarten verschmelzen.
Sollen grössere ebene Flächen emaillirt werden, so siebt man
das Emailpulver entweder auf den trockenen oder mit einer schwach
klebenden Flüssigkeit bestrichenen Gegenstand. Ein solches Klebemittel
(Beize) darf in der Muffel weder schmelzen, noch schäumen,
und muss sich vollständig verflüchtigen.
Vor dem Einsetzen in die Muffel muss der mit Email überzogene
Gegenstand vollkommen trocken sein. Die Muffel ist so
bekannt, dass ihre Beschreibung hier nicht nötliig erscheint, ihre Form
ändert sich, wenn sehr grosse Gegenstände gebrannt werden Rollen;
in diesem Falle sieht sie wie ein liegender, an beiden Enden offener
llalbeylinder aus, die vorn und hinten angebrachten Schuber sind
durch Hebel und Gegengewichte nach Bedürfniss zu öffnen oder zu
sebliossen; diese Anordnung erlaubt, die Gegenstände durch eine
Oeffnung einzuführen, durch die andere herauszuziehen.
Das Transportiren der schweren Gegenstände zu und von der
Muffel geschieht auf Karren, die sich auf einer auf Rädern befindlichen
Tafel von der Höhe der Muffel befinden. Der Karren wird in die
Muffel hineingeschoben, die aufgeladenen Gegenstände davon entfernt
und auf der andern Seite der Muffel läuft der leere Karren wieder
auf eine ähnliche Tafel heraus. Die Handhabung der Gegenstände
geschieht mittelst Zangen, die mit Ketten am Plafond des Ateliers
befestigt sind. Die Schuber werden während des Brennens niedergelassen,
die Temperatur wird dadurch durchaus gleichförmig.