✓ —'
— 35 —
heissos Fett und Schwefelwasserstoff, der sich beim Kochen der Eier
entwickelt und in geringer Menge wohl auch in der atmosphärischen
Luft, enthalten sein kann.
Einer der wichtigsten Punkte bei den Farben scheint deren
Ausdehnbarkeit zu sein im Vergleiche mit der jener Körper, auf
welchen sie angebracht werden.
Man kann die Farben nach verschiedenen Gesichtspunkten
eintheilen. Am besten wird man denjenigen wählen, der die Unterschiede
am deutlichsten hervortreten lässt und in diesem Sinne
können wir zunächst auf den Hitzegrad reflectiren, bei dem sie gebrannt
werden müssen.
VY ir werden darnach die Farben eintheilen: in gewöhnliche
Muffel- oder weiche Farben, in Halb-Scharffeuer- oder harte Farben,
und in Scharffeuer-Farben. Die beiden ersten werden auf die Glasur
aufgetragen, die dritten werden zugleich mit der Glasur gebrannt
und müssen daher denselben Hitzegrad, wie diese, aushalten können.
Die Scharffeuer-Farben sind grösstentheils Emails, es gibt darunter
nur wenige Farben im eigentlichen Sinne des Wortes.
Während die Farben der beiden ersten genannten Gruppen in
ihrer Zusammensetzung wenig verschieden sind, erfordern die Farben
der dritten Gruppe eine ganz besondere Zusammensetzung.
Bevor wir die Farben dieser drei Gruppen und ihre Anwendung
bei verschiedenen Thonwaaren näher beschreiben, müssen wir auf
die Zubereitung ihrer Bestandtheile, nämlich der Metalloxyde und
Flussmittel, eingehen.
Die Brauchbarkeit einer Farbe erfordert, dass die dazu verwendeten
Oxyde vollkommen rein und die Flussmittel immer gleichmassig
zusammengesetzt sind.
Bei der Darstellung der Farben müssen stets dieselben Substanzen,
sowohl in Bezug auf chemische Zusammensetzung, als auf
Verkeilung zur Verwendung kommen; der letztere Umstand ist für
die Entwickelung der Farbe im Feuer von besonderer Bedeutung.
Nur ein genaues Studium der in der Thonwaaren-Malerei angewendeten
Oxyde und Flussmittel führt zum Ziele, macht empirisches
Probiren entbehrlich und liefert die Anhaltspunkte zur Aufstellung
brauchbarer Farben-Recepte.
Wir wollen demgemäss die von Dumas und Brogniart aufgestellte
Einteilung in Oxyde und Schmelzmittel beibehalten, auf der
auch unsere Einkeilung in Farben und Emails beruht.
Man wendet gewöhnlich, wiewohl unrichtig, den Namen Glasurfarbe
sowohl für die Farbe selbst, als ihr Flussmittel an, indem man
annimmt, dass die beiden beim Schmelzen sich zu einer homogenen
Masse vereinigen. Ich habe schon vor langer Zeit bewiesen, dass
dies nur für gewisse Fälle gilt. Kobaltoxyd und Kupferoxyd färben
nur als Silicate oder Salze überhaupt, bei den andern Farben dagegen
3*