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Full text : Ueber Decoration von Thonwaaren und Emaillage

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vor  dem  Einsetzen  der  Thongegenstände  zweckmässig  die  Muffel,  um
das  Springen  und  Rissigwerden  zu  verhindern.
Mehrere  der  beschriebenen  Muffeln  sind  in  Frankreich  gewöhnlich ­
  mit  einander  in  Verbindung;  sie  sind  unter  einem  gemeinschaftlichen ­
  Kamine  in  einer  Reihe  angebracht  und  durch  Anker  befestigt.
in  Deutschland  ist  diese  Anordnung  nicht  überall  in  Aufnahme
gekommen,  häufig  sind  die  Feuerungen  seitlich  angebracht.
In  Sevres  bezeichnet  man  mit  dem  Namen  Uhr  (montre)  kleine
Porzellan  platten,  auf  welche  man  etwas  Gold  und  Carmin  aufgetragen
hat.  Wenn  das  Gold  anfängt  zu  adhäriren,  so  beweist  dies,  dass
man  einer  Temperatur  sich  nähert,  bei  der  die  Farbe  verändert  werden
könnte,  und  der  Carmin  gestattet,  die  verschiedenen  Temperaturen
zu  schätzen.  Kleine  Einkerbungen  an  diesen  Uhren  dienen  dazu,
dass  man  sie  mit  eisernen  Haken  bequem  in  die  Muffel  hineinhalten ­
  kann.
Sind  die  Gegenstände  in  der  Muffel  eingesetzt,  so  feuert  man
behutsam  an,  um  besonders  bei  dicken  Stücken  das  Springen  zu
vermeiden;  die  Temperatur  wird  allmälig  gesteigert  bis  zu  lebhafter
Gluth.  Man  muss  im  Stande  sein,  das  Feuer  rasch  zu  unterbrechen,
damit  man  den  erforderlichen  Hitzegrad  nicht  übersteige;  dies  ist  bei
der  Porzellanmalerei  von  der  grössten  Wichtigkeit.
Um  das  Feuer  zu  reguliren,  wenn  die  Temperatur  zu  hoch
steigen  sollte,  zieht  man  2  oder  3  Ziegel  aus  der  Vorderwand  heraus;
sie  sind  zu  diesem  Zweck  mit  Handhaben  versehen  und  bewegen  sich
in  einer  Art  viereckiger  Zuglöcher.  Das  Feuer  muss  verschieden
lang  unterhalten  werden,  je  nach  der  Grösse  der  Muffel  und  der
Dicke  der  zu  brennenden  Gegenstände.  Man  lässt  langsam  erkalten,
öffnet  die  Muffel  und  nimmt  die  gebrannten  Gegenstände  erst  dann
heraus,  wenn  man  die  Hand  in  die  Muffel  halten  kann,  ohne  zu
grosse  Hitze  zu  empfinden,  man  vermeidet  dadurch  das  Loslösen  der
Farben.  Bei  Vergoldungen  ist  der  letztere  Umstand  nicht  zu  besorgen.
Die  mit  Gold  verzierten  Gegenstände  werden  polirt,  wenn  sie
aus  der  Muffel  kommen.  Sollen  noch  Malereien  angebracht  werden,
so  kommen  sie  in  die  speciellen  Ateliers,  werden  dort  gemalt,'  im
Versuchsfeuer  gebrannt,  retouchirt  und  dann,  je  nach  der  Zahl  der
Retouchen,  noch  ein-  oder  zweimal  gebrannt.  Die  Retouchirfeuer
werden  gewöhnlich  schwächer  und  schwächer.
Man  unterscheidet  in  Sevres  folgende  Abstufungen.
1.  Feuer  für  Mattgold,  den  Schmelzpunkt  des  Silbers

übersteigend  1000
2.  Feuer  für  harte  Farben  950
3.  Feuer  für  Goldränder  900
4  Erstes  Feuer  für  Malerei  oder  Versuchsfeuer  .  800
            
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