— 68 —
Es ist unbedingt nöthig, die mit solchem Lüster versehenen
Stücke im Reductionsfeuer zu brennen. Das Chlorsilber wird früher
mit einem mehr oder weniger leicht schmelzbaren, bleihaltigen Glase
zusammengeschmolzen, die zerriebene Schmelze mit dem Pinsel aufgetragen.
Man brennt dann, und wenn die Gegenstände noch rothglühend
sind, setzt man sie der reducircnden Wirkung des Ofenrauches aus.
Der Canthariden - Lüster (so genannt, weil er die brillanten
Farben der Canthariden zeigt) wird durch den gelben Lüster erzielt,
indem man diesen auf blau gefärbte Thonwaaren aufträgt. Das Gelb
auf Blau aufgetragen giebt eine sehr schöne grünliche Färbung. Es
ist leicht verständlich, dass dieser Lüster sehr mannigfaltige Resultate
geben kann, wenn man ihn auf verschieden gefärbtem Untergrund
anwendet.
Kupfer-Lüster. Der Kupfer-Lüster zeigt dasselbe Aussehen
und dasselbe gelblich-rothe Schillern, wie der Burgos-Lüster.
Er wird angewendet in Spanien zur Verzierung der gewöhnlichen
Fayencen, und man findet ihn häufig auf der viel verzierten Majolika.
Ueber die Zusammensetzung deren Glasur kann kein Zweifel herrschen,
das Kupfer ist das färbende Prinzip, die sehr dünne färbende Schichte
st wahrscheinlich durch eine kieselsaure Verbindung des Kupferoxyduls
gebildet.
Der Kupfer-Lüster ist noch nicht leicht herzustellen. Es sind
Versuche angestellt worden, um das alte Verfahren zu finden, welches
mit genügender Sicherheit erlaubte, auf Fayencen mit zinnhaltiger
Glasur die feinsten Zeichnungen in einem prachtvoll glänzenden
Rubinroth anzubringen. Solche Versuche haben gelehrt, dass man
ein so schönes Roth, wie auf der Majolika, erhalten könnte, wenn
man die Zeichnungen mit salpetersaurem Kupfer machen und während
des Brennens durch die Muffel einen Strom von Wasserstoff oder
Kohlenoxyd streichen lassen würde. Wenn man in einer Muffel,
,welche Fayence - Scherben mit zinnhaltiger Glasur enthält, einfach
kupferoxydhaltiges Papier anzündet, so wird so viel Kupferoxyd in
die Atmosphäre der Muffel gelangen, dass dasselbe hinreicht, um auf
den emaiHirten Partien einen kupferhaltigen Lüster zu erzeugen,
welcher an Glanz dem der Thonwaaren von Manasse (bei Valence)
gleichkommt.
Blei-Lüster. Den Namen Blei-Lüster giebt man einer glänzenden
irisirenden Färbung, welche gewisse Thonwaaren mit bleihaltiger
Glasur zeigen. Diese Thonwaaren müssen während des Brennens
der reducirenden Wirkung gewisser Gase ausgesetzt werden, welche
gleichzeitig auf das in der Glasur möglicherweise vorhandene Eisenoxyd
reagiren. Ausführlicheres darüber werden wir bei dem Perlmutter-Lüster
anführen.
Salvetat giebt an, er habe niemals bemerkt, dass z. B. die
Glasuren von hartem Porzellan, wenn sie vollkommen eisenfrei sind,