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Full text: XXVII. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Österreichs, Secession Wien, Nov. - Dez. 1906

St.-Quentin einige achtzig Arbeiten besitzt, nur ganz vorüber 
gehend gewesen. Der Pastellist des achtzehnten Jahrhunderts 
war zwar ein Meister seiner Kunst, aber Carriere hat kaum 
einen einzigen Berührungspunkt mit ihm. Quentin de la Tour 
setzt seine Modelle fast immer, wie es heute der Photograph 
tut, alle seine Bildnisse posieren, und so frisch und lebendig 
sie auch aufgefaßt und wiedergegeben sind, innerlich und see 
lisch sagen sie uns gar nichts. Bei Carriere finden wir das di 
rekte Gegenteil: niemals eine Spur von studierter Pose, nicht 
das geringste Bestreben, rein äußerlich dem Auge des Be 
schauers oder des Bestellers zu gefallen, stets die Durchfor 
schung und Wiedergabe des geheimsten Seelenlebens als erste 
und einzige Aufgabe. 
Nein, man kann keinen Meister nennen, in dessen Fuß 
stapfen Carriere getreten wäre. Obgleich er, wie gesagt, eini 
gen Kunstunterricht in St.-Quentin erhielt und später die Pa 
riser Kunstschule besuchte, wo er sich als Schüler Cabanels (!) 
mehrere Male ohne Erfolg an der Konkurrenz um den Rompreis 
beteiligte, ist er doch schließlich im besten Sinne des Wortes 
ein self-taught man, der fast alles, was er uns gegeben, sich 
selbst verdankt. Wie er den seelischen Inhalt seiner Gemälde 
in sich selbst fand, so gab ihm seine nächste Umgebung, der 
enge Kreis seiner Häuslichkeit, nicht nur seine Modelle, son 
dern auch seine technische Eigenart, deren graue Schleier seine 
Bilder schon von weitem kenntlich machen. 
Schon in der Zeit der Not und des Kampfes hatte er seine 
Lebensgefährtin heimgeführt, hatte er seine ersten Vaterfreu 
den erlebt. Daß er dann immer wieder seine Frau und seine 
Kinder malte, hatte seinen Grund anfänglich nicht nur in der 
Liebe des Gatten und des Vaters, sondern viel prosaischer in
	        
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