der Tatsache, daß professionelle Modelle bezahlt sein wollen
und daß der schmale Beutel Carri&res solche Ausgaben nicht
gestattete. Und daß die Dunstschleier seine Bilder bedeckten,
hatte wiederum seine Ursache nicht nur darin, daß die zarten,
leisen, unaussprechlich feinen Gefühle des Künstlers keine
irgendwie laute oder bunte Vertonung vertrugen und gleichsam
diese Begleitung en sourdine verlangten, sondern der Maler,
der keine Ateliermiete zahlen konnte und in der dämmerigen,
schlecht beleuchteten Stube arbeitete, gab einfach wieder, was
er tatsächlich vor sich hatte. Eines kam zum andern, aus der
Not machte er eine Tugend, die äußerlichen Bedingungen ver
schmolzen mit den innerlichen Neigungen und so entstand die
unhörbar hinschwebende, in leisesten Schwingungen unsere
Seele zur Begleitung einladende Kunst Carrieres, eine Kunst,
die in dem lauten Marktgetümmel der Gegenwart liegt, wie
ein der Welt entrückter Beginenhof, den nur eine Torhalle
trennt von dem weltlichen Straßenlärm.
Dabei aber war Carriere keineswegs ein Einsiedler, der
sich von dem Treiben der Welt abgesondert hätte. Ganz im
Gegenteil gehörte er zu den bedeutendsten Befürwortern der
Volkskunst. Am liebsten hätte er nur für die Allgemeinheit,
für das Volk gearbeitet und er benutzte jede Gelegenheit, die
ihn dem arbeitenden Volke näherbringen konnte. So aristokra
tisch apart und abgeschlossen seine Kunst ist, so demokratisch
und sozialistisch dachte und fühlte Carriere. Bei allen Be
strebungen, die Kunst ins Volk zu tragen oder das Volk zur
Kunst zu führen, stand er an der Spitze, hielt Vorträge, führte
mit erläuternder Rede Arbeitergruppen durch die Museen
und suchte endlich auch durch seine Kunst auf das Volk zu
wirken.