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Full text: XXVII. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Österreichs, Secession Wien, Nov. - Dez. 1906

der Tatsache, daß professionelle Modelle bezahlt sein wollen 
und daß der schmale Beutel Carri&res solche Ausgaben nicht 
gestattete. Und daß die Dunstschleier seine Bilder bedeckten, 
hatte wiederum seine Ursache nicht nur darin, daß die zarten, 
leisen, unaussprechlich feinen Gefühle des Künstlers keine 
irgendwie laute oder bunte Vertonung vertrugen und gleichsam 
diese Begleitung en sourdine verlangten, sondern der Maler, 
der keine Ateliermiete zahlen konnte und in der dämmerigen, 
schlecht beleuchteten Stube arbeitete, gab einfach wieder, was 
er tatsächlich vor sich hatte. Eines kam zum andern, aus der 
Not machte er eine Tugend, die äußerlichen Bedingungen ver 
schmolzen mit den innerlichen Neigungen und so entstand die 
unhörbar hinschwebende, in leisesten Schwingungen unsere 
Seele zur Begleitung einladende Kunst Carrieres, eine Kunst, 
die in dem lauten Marktgetümmel der Gegenwart liegt, wie 
ein der Welt entrückter Beginenhof, den nur eine Torhalle 
trennt von dem weltlichen Straßenlärm. 
Dabei aber war Carriere keineswegs ein Einsiedler, der 
sich von dem Treiben der Welt abgesondert hätte. Ganz im 
Gegenteil gehörte er zu den bedeutendsten Befürwortern der 
Volkskunst. Am liebsten hätte er nur für die Allgemeinheit, 
für das Volk gearbeitet und er benutzte jede Gelegenheit, die 
ihn dem arbeitenden Volke näherbringen konnte. So aristokra 
tisch apart und abgeschlossen seine Kunst ist, so demokratisch 
und sozialistisch dachte und fühlte Carriere. Bei allen Be 
strebungen, die Kunst ins Volk zu tragen oder das Volk zur 
Kunst zu führen, stand er an der Spitze, hielt Vorträge, führte 
mit erläuternder Rede Arbeitergruppen durch die Museen 
und suchte endlich auch durch seine Kunst auf das Volk zu 
wirken.
	        
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