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I. Schulen für Holzschnitzerei und Steinbear-
heitung-.
Bereits in der Vorbemerkung wurde derReiehthum an Holz,
welcher die Mehrzahl unserer Kronländer auszeiehnet, als Er
klärungsgrund für die vorwiegende Zahl solcher Schulen erwähnt,
deren Aufgabe in der Herstellung von Schnitzerei-, Tischler- und
Drechslerarbeiten besteht. Diesem positiven Anlass für ihre
Gründung gesellte sich ferner ein zweiter, negativer zu, denn noch
vor kurzem mangelte es allerorten an geeigneten Arbeitern in den
angeführten Fächern und musste dem grossen Bedarf nach Lei
stungen jener Handwerke vorwiegend durch fremde Waare Ge
nüge geschaffen werden, was in erster Linie von den Schnitzereien
gilt. Sowol in Tirol und den benachbarten Alpenprovinzen als in
Böhmen, den bisherigen Hauptschauplätzen der diessbezüglichen
Thätigkeit, bot vor allem die Beschäftigung der Bevölkerung mit
einer Hausindustrie dieses Faches den Anknüpfungspunkt. Wir
werden im folgenden an dem Beispiele der Grödner Schule
deutlich sehen, auf welche Weise eine Fachlehranstalt in
diesem Sinne auf einer Hausindustrie fussen kann, aber nicht
minder wie es an zahlreichen Punkten auch einzelne höher ste
hende Fachmänner gibt, welche in Ateliers die Schnitzerei halb
als Kunst, halb als Geschäft weiterpflanzen. Solcher Künstler
und Kunsthandwerker hat auf letzterem Gebiete kein Land so
viele aufzuweisen als Tirol, wo das Metier in Dorf und Stadt
vom Herrgottschnitzler und Grabkreuzmacher bis zum feineren
Plastiker in Holz in ziemlich bunter Nüancirung vertreten ist.
Ursache ist der uralte Trieb, den die Einwohnerschaft des
holzreichen Berglandes seit ältesten Zeiten bekundet, unter-
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