MAK

Full text: Die kunstgewerblichen Fachschulen des k.k. Handelsministerium

2 
stützt von einer Lebens- und Beschäftigungsweise, welche den 
Menschen im Schoosse der Einsamkeit seiner gewaltigen Berg- 
scenerie mit besonderer Vorliebe mit dergleichen zeitverkürzen 
den, kleinen Arbeiten sich abgeben lässt. Dieselben erschei 
nen als Geschäfte des Hirtenjungen bereits während der Aufsicht 
Uber die ihm anvertraute Heerde — halb Arbeit, halb Vergnü 
gen. Sie sind schon in den Vorzeiten der Cultur vorhanden und 
uöthig zur Herstellung des primitivsten Geräthes, und später, mit 
genommen vom Strome der wachsenden Civilisation, eine geleh 
rige Tochter der bildenden Kunst im Allgemeinen. 
So sehen w T ir im Mittelalter die Geräthe der Kirche, Altar, 
Gestühl und anderen gottesdienstlichen Bedarf in diesem Lande 
besonders zierlich von der Hand des Schnitzlers decorirt, die 
Architektur der hölzernen Wohnstätten bekömmt durch diese 
Technik ihren Zierrat, und das Mobiliar, so einfach bäuerlicher 
Geschmack es erheischt, erscheint von der Wiege bis zum Sarge 
im Kleide der damit zusammenhängenden Ornamentation. Die 
auch für Tirol unter dem Gestirn eines Erzherzogs Ferdinand 
glanzvollen Tage der Renaissance blieben auf das nationale 
Kunstindustriefach nicht ohne Einfluss, seine Technik war so 
zusagen die landesübliche Münze, in welcher seit dem 16. Jahr 
hunderte alle grossen Kunstschöpfungen des Landes umgesetzt 
und populär gemacht wurden. Was Alexander Colin und schon 
die Meister der Erzfiguren am Maxgrabe in Innsbruck in grossen 
monumentalen Werken liiiigestellt hatten, fand eine beispiellose 
Reproduction durch die Hand der Schnitzler, deren derartige 
Miniaturarbeiten vom höchsten Fleisse und unglaublicher Sauber 
keit der Ausführung zeugend, in den Kabineten nicht selten 
unter stolzen Namen des 16. Jahrhunderts figuriren. 
Als zu Ende des 17. und im folgenden Saeculum durch den 
Vorgang Brustolone’s in den Tirol südlich benachbarten Pro 
vinzen von Belluno und Venedig die decorative und figurale Holz 
plastik einen so bedeutenden Aufschwung erfahren hatte, sehen 
wir eine nicht geringe Zahl tirolischer Kräfte dahinziehen und
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.