205
Wäschezuschneiden und Initialiensticken (26 Stunden), end
lich im dritten Jahre: Kleidermachen und Schnittzeichnen
(24 Stunden).
Während dieser Unterricht keine kunstgewerblichen Ziele
anstrebt, ist jedoch seit dem verflossenen Jahre in dem Lehrcurs für
Spitzenarbeiten und Kunstweissnähereien eine derartige Branche
geschaffen worden. Hier wurden von 22 Schülerinnen Poinfs
d’aiguille und Filetarbeiten, Reticella, Points-lace und Imitationen
von venetianischen Dentelli, dann durchbrochene Leinwand
nähereien und Punti tirati gefertigt. Der Unterricht wird gegen
Entrichtung von 3 fl. per Monat, zum Theil aber auch unentgelt
lich ertheilt, auch werden Einzellectionen gegen Ilonorirung
gegeben. In dem auf 4 Monate ausgedehnten Curs arbeiten die
zahlenden Schülerinnen für sich, die Producte der Uebrigen
bleiben Eigenthum des Vereines. In der Woche sind an drei
Unterrichtstagen die Stunden von 9—12 Uhr hiefttr festgesetzt.
Die Muster zu den hieher gehörigen Versuchen wurden
grösstentheils der reichen und über seltene Proben verfügenden
Spitzensammlung des Österreichischen Museums entlehnt, welche
unter Leitung des Herrn Professors Sodoma musterhaft copiit
wurden. Die technische Ausführung der Nadelarbeiten leitete
bisher aus Gefälligkeit Frau Amalie Koppel, auch hat das sehr
talentirte Fräulein Leopoldine Uhl um die exacte und geschmack
volle Vollendung dieser Arbeiten Verdienste. Sowohl die farbigen
Copien von Geweben und Stickereien aus der Zeichnenschule,
als diese fertigen Spitzen- und Filetarbeiten lieferten ein
empfehlendes Bild von der Art des Unterrichtes und zeugen von
dem Ernste und dem gründlichen Eifer, womit der wohlthätig
wirkende Verein seine kunstgewerbliche Aufgabe nicht minder
gewissenhaft verfolgt als die sonstigen Ziele seiner für die
Erwerbsfrage des weiblichen Geschlechtes so wichtigen Mission.
Nach der Natur ihrer Aufgabe bestimmt, der Uebenvachung
des Handelsministeriums und des artistischen Aufsichtsrathes
unterstellt zu werden, dürften die betreffenden Vereinsabthei-