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in den dortigen Ateliers Beschäftigung fanden. Dass die Heimat
einen solchen Verlust erleiden musste, war leider sehr natürlich.
Niemand that Etwas für die guten Grödner Schnitzler, nicht
einmal eine fahrbare Strasse hatte das Thal bis zum Jahre 1856,
nach diesem leider aber nicht viel mehr zu fahren.
Auf einem zweiten Gebiete der Holzschnitzerei gestalteten
sich die Verhältnisse für die heimische Industrie ebenso traurig.
Wir meinen das kunstgewerbliche, die Anfertigung von Möbeln,
Galanterieartikeln, Rahmen u. dgl. Demetz und der Gebrüder
Vinazer Bestrebungen waren erfolglos geblieben und so wie
München den Grüdnern die kirchliche Plastik weggenommen
hatte, so verloren sie das Primat auf dem Felde der genannten
Richtung an das rührige Berchtesgaden, wo bald eine, wenigstens
in commercieller Hinsicht, trefflich organisirte Schnitzereischule
eingerichtet wurde.
Aber es war an dem Unheile noch nicht genug. Sorglosig
keit der Bevölkerung decimirte rasch die Zirbelwälder, deren Holz
selbst als Brenn- und Bauholz gebraucht wurde, so schlecht es zu
diesem Zwecke zu brauchen ist. Von keiner Seite trug man für die
Hebung solcher Missverhältnisse Sorge. Die Verleger, welche in
erster Linie berufen gewesen wären, den Holzconsum zu regeln,
versäumten diess zu thun. Aus Mangel an allgemeinen Holzver-
st'hleissen musste jeder einzelne Arbeiter sich sein Holz kaufen,
er nahm’s wohl lieber im Walde draussen zu billigstem Preis, und
der Wald ging zu Grunde. Die Grödner müssen seitdem ihr
Material aus Enneberg, Villnösserthal, Flitzerwald, Tschamberg
und Schwarzwald theuer kaufen, und den Transport bezahlen,
nehmen auch schon schlechtere Holzgattungen, da die Zirbel
seltener zu werden anfing.
Die immer dräuender Uber die Grödner Industrie heraufzie
henden Gefahren führten endlich zur Gründung der ersten Schule
von Seiten der Regierung. Kaiser Franz selbst berief 1821 einen
talentvollen Schnitzer aus St. Ulrich, Joh. Jacob Sotriffer, zu
seiner Ausbildung nach Wien. Der im genannten Orte 1796 ge-