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wägung sich das Ausstellungscomite und der Aufsichtsrath in erster
Linie bei Beurtheilung der Imster Schule zu beschäftigen hatten.
Während fast überall die Fachschulen neben den Ange
hörigen eines speciellen Gewerbes Vertreter der verschiedensten
Handwerke aufzunehmen bemüssigt sind, ist diess bei der in
Rede stehenden in noch erhöhterem Masse der Fall gewesen.
In ganz Tirol herrscht nämlich die Sitte, dass Knaben und Jüng
linge während des Sommers Uber die Landesgrenzen, besonders
nach Schwaben und Baiern ziehen, um dort als Maurer und sonst
als Bauhandwerker diejenige Nahrung zu verdienen, welche
ihnen die Armuth der Heimat nicht gewährt. Im Winter nach
Hause gekehrt, suchen diese Leute, deren Zahl in Tirol zwischen
20- und 30.000 zu beziffern ist, einen fachlichen Unterricht, so
dass in Folge dessen alle Schulen gewissermassen von selbst
sich, so gut oder so schlimm es gehen mag, zu allgemeinen
Gewerbe- oder Baugewerkschulen gestalten müssen.
Wir kommen also abermals auf jenen hauptsächlichen
wunden Punkt der bisherigen Schulverhältnisse auf dem gewerb
lichen Gebiete zu sprechen, die mangelhafte Bestellung des Vor
bereitungsunterrichtes für das Fachschulwesen in Österreich.
Es hängt sich dieser gewaltige Übelstand als hemmendes Blei
gewicht den meisten und auch den bestorganisirten Fach
schulen des Handelsministeriums an und verhindert das Gedeihen
für deren eigentlichen Zweck, ohne dass die Fachschule dem
allgemeinen Bedürfnisse der bunten Menge anderweitiger
Gewerbsgenossen vollkommene Befriedigung gewähren könnte,
die immerhin aber Aufnahme finden müssen, weil andere Lehr
anstalten, die ihnen nur halbwegs genügen möchten, gänzlich
abgehen. In diesem Sinne können die Bestrebungen des Han
delsministeriums immerdar in gewissen Beziehungen nicht völlig-
festen Fuss fassen, eben weil kein Boden vorbereitet, auf dem
Fuss gefasst werden könnte.
Indessen dürfte auch das Missliche solcher Umstände bald
einer günstigen Umgestaltung der Sachlage weichen. Die Grün-