MAK

Full text: Die kunstgewerblichen Fachschulen des k.k. Handelsministerium

36 
wägung sich das Ausstellungscomite und der Aufsichtsrath in erster 
Linie bei Beurtheilung der Imster Schule zu beschäftigen hatten. 
Während fast überall die Fachschulen neben den Ange 
hörigen eines speciellen Gewerbes Vertreter der verschiedensten 
Handwerke aufzunehmen bemüssigt sind, ist diess bei der in 
Rede stehenden in noch erhöhterem Masse der Fall gewesen. 
In ganz Tirol herrscht nämlich die Sitte, dass Knaben und Jüng 
linge während des Sommers Uber die Landesgrenzen, besonders 
nach Schwaben und Baiern ziehen, um dort als Maurer und sonst 
als Bauhandwerker diejenige Nahrung zu verdienen, welche 
ihnen die Armuth der Heimat nicht gewährt. Im Winter nach 
Hause gekehrt, suchen diese Leute, deren Zahl in Tirol zwischen 
20- und 30.000 zu beziffern ist, einen fachlichen Unterricht, so 
dass in Folge dessen alle Schulen gewissermassen von selbst 
sich, so gut oder so schlimm es gehen mag, zu allgemeinen 
Gewerbe- oder Baugewerkschulen gestalten müssen. 
Wir kommen also abermals auf jenen hauptsächlichen 
wunden Punkt der bisherigen Schulverhältnisse auf dem gewerb 
lichen Gebiete zu sprechen, die mangelhafte Bestellung des Vor 
bereitungsunterrichtes für das Fachschulwesen in Österreich. 
Es hängt sich dieser gewaltige Übelstand als hemmendes Blei 
gewicht den meisten und auch den bestorganisirten Fach 
schulen des Handelsministeriums an und verhindert das Gedeihen 
für deren eigentlichen Zweck, ohne dass die Fachschule dem 
allgemeinen Bedürfnisse der bunten Menge anderweitiger 
Gewerbsgenossen vollkommene Befriedigung gewähren könnte, 
die immerhin aber Aufnahme finden müssen, weil andere Lehr 
anstalten, die ihnen nur halbwegs genügen möchten, gänzlich 
abgehen. In diesem Sinne können die Bestrebungen des Han 
delsministeriums immerdar in gewissen Beziehungen nicht völlig- 
festen Fuss fassen, eben weil kein Boden vorbereitet, auf dem 
Fuss gefasst werden könnte. 
Indessen dürfte auch das Missliche solcher Umstände bald 
einer günstigen Umgestaltung der Sachlage weichen. Die Grün-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.