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Full text: Das österreichische Bauwesen

Das Böhler-Stahlhaus. 
System Ing. Alfred S c h m i d. 
Bei der immer breiter fußfassenden Siedlerbewegung 
und dem Bestreben auch jener Tausenden, die außerhalb 
solcher Kollektivaktionen stehen, der freudlosen Enge 
nüchterner Zinsburgen zu entfliehen, ist 
es erklärlich, daß die Einführung wirt 
schaftlicher Bauweisen eine Notwendig 
keit wurde. Daß die Ziegelbauweise 
weit davon entfernt ist, als wirtschaft 
lich angesprochen zu werden, darüber 
ist man sich schon seit langem im klaren. 
Im Stahl, jenem Werkstoff, dessen 
fast unerschöpfliche Verwendungsfähig 
keit auch hier zur Geltung kam, fand 
man, was man suchte. — Er ermöglichte 
es, den Hausbau zu industrialisieren. 
Der Firma Gebr. Böhler & Co., 
Aktiengesellschaft, Wien- 
Berlin, ist es gelungen, mit einem 
neuartigen Stahlbau System 
(österr. Patent), herauszukommen, 
welches durch weitgehende Normali 
sierung und Typisierung großflächiger 
Einheitselemente die Unwirtschaftlich 
keit der Ziegelbauweise nicht nur besei 
tigt, sondern auch eine Reihe anderer Vorteile von 
einschneidender Bedeutung gegenüber dieser aufweist. 
Zunächst erstreckt sich die Baumöglichkeit auf das 
ganze Jahr, ohne Rücksicht auf die Jahreszeit und Wit 
terung. Ferner ist durch 
die bereits erwähnte 
weitgehende Normali 
sierung der Einzelteile 
die serienweise, ver 
billigte Herstellung 
möglich. Dadurch ver 
ringert sich wieder die 
Arbeit an der unge 
schützten Baustelle und 
vereinfacht sich auch 
die oft sehr kompli 
zierte Zusammenarbeit 
der verschiedenen 
Handwerker. Schließ 
lich — und das sei hier 
besonders unterstri 
chen — kann bei An 
wendung der Böhler- 
Stahlbauweise die 
Bauzeit bis auf wenige 
Tage vom Zeitpunkt 
der Anlieferung des 
Materiales zur Baustelle herabgemindert werden. Das 
Stahlhaus stellt sich in Einzelausführung um 20 bis 22%, 
in Serienausführung bis zu 30% billiger als ein 
gleich großes Ziegelhaus mit normalen Wänden. Es 
kann aber auch infolge des geringen Eigengewichtes 
des Baues und der vollständigen Starrheit der Wände 
die Fundierung bedeutend einfacher als bei Ziegelbauten 
gestaltet werden. Bei größeren Stahlhäusern können 
die normalen Fundamente und Kellermauern in ihren 
Dimensionen stark herabgemindert werden. Bei kleine 
ren Stahlhäusern genügen aber sogar Betonpfeiler in 
den Eckpunkten des Baues. Auch der Bauweise der 
Decken ist eine neue Konstruktion zu Grunde gelegt 
(D. R. P. angemeldet), mit welcher unter Vermeidung 
der unwirtschaftlichen schweren Be 
schüttung trotzdem eine vorzügliche 
schall- und stoßdämpfende Wirkung er 
zielt wird. Der Gefahr der Verrostung 
wird dadurch begegnet, daß alle Kon 
struktionsteile aus gekupfertem Stahl 
blech hergestellt und mit einem gut halt 
baren Rostschutzanstrich an dieBaustelle 
geliefert werden. Da die Stahlkonstruk 
tion nach außen durch Isolierplatten und 
nach innen entweder durch Malerei auf 
getünchter Jute oder Tapete vor zerstö 
renden Einflüssen vollkommen geschützt 
ist, entspricht die Dauerhaftigkeit 
derselben jener der amerikanischen 
Hochhäuser. Die Kombination: 
Stahlwand — Luftraum — Verklei 
dung (Heraklith), beziehungsweise 
Stahlwand — poröses Füllmaterial 
— dichtere Verkleidung (Gas- oder 
Zellenbeton) ergibt eine von amt 
licher Seite überprüfte und bestätigte Wärmehaltig 
keit, die im ersteren Falle jener einer 58 cm, im letz 
teren Falle jener einer 111 cm starken Ziegelmauer 
entspricht. Die Böhler-Stahlbauweise kann sich demnach 
allen klimati 
schen Verhält 
nissen bei ganz 
gleichbleiben 
den Wandstärken 
leichthin anpas 
sen. Als ganz bedeu 
tender Vorteil der Böh 
ler-Stahlbauweise kann 
aber schließlich die 
Tatsache gewertet wer 
den, daß mit dieser 
nicht bloß ebenerdige 
und einstöckige Häu 
ser, sondern auch 
mehrstöckige 
Bauten, seien es nun 
Einfamilien-, Mehrfami 
lien- oder Reihenhäu 
ser, errichtet werden 
können; so zum Bei 
spiel Berghotels 
und Nutzbauten, wie 
Garagen, Magazine und ähnliche Bauten. Nicht un 
erwähnt sei gelassen, daß mit der Böhler-Stahlbauweise 
selbstverständlich auch zeitgemäßer Bauästhetik und 
architektonischer Entfaltung nichts hinderlich im 
Wege steht. Und so ließen sich noch viele andere Vor 
teile dieser Bauweise anführen; doch genügt wohl 
der Hinweis darauf, daß das Böhler-Stahlhaus, mit Rück 
sicht auf seine große Dauerhaftigkeit, die hervorragende 
Wärmehaltigkeit, die Feuer-, Blitz- und Erdbebensicher 
heit, und auch auf die ohne Materialverlust mögliche 
Aus- und Umbaufähigkeit, das Haus der Zukunft ist. 
Stahlhaus. Aus der Ausstellung 
„Wien und die Wiener.” 
Stahlhaus im Bau. 
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