Landeshauptmann, die Vorstände der Bundes
gendarmerie und des Bundespolizeikommissariates
und eine entsprechende Anzahl von Dienerwohnun
gen vorgesehen. Die Baukosten belaufen sich auf
3,200.000 S und werden in 3 Raten sichergestellt.
Ein wichtiges Moment bildet ferner die Beschaf
fung von Wohnungsmöglichkeiten für die
Beamten in Eisenstadt. Die Gemeinde
Eisenstadt hat durch die Errichtung von 20 Beamten
wohnungen, mit einem Kostenaufwand von 400.000 S,
einen Teil dieser Fürsorge auf sich genommen. Hie
durch ist aber nur ein Bruchteil des Bedarfes ge
deckt. Das Land und der Bund gehen nunmehr daran,
in den Jahren 1928 und 1929 in Eisenstadt 13 Gebäude
mit zusammen 180 Wohnungen zu errichten. Der
Kostenaufwand für diese Bauten beläuft sich auf
3,800.000 S, wovon auf das Land 2,200.000 S und auf
den Bund 1,600.000 S entfallen. Ein Gebäude für
20 Wohnungen ist bereits im Bau und wird im Früh
jahr 1929 fertiggestellt werden.
Vorgesehen ist ferner ein Z e n t r a 1 a m t s-
gebäude in Oberpullendorf und ein Lan
desgericht in Mattersburg.
So wie in den anderen Bundesländern wurden
auch im Burgenlande längs der Grenze Zollgebäude
zur Überwachung des Eisenbahn- und Straßen
verkehres errichtet. Infolge der langgestreckten
Grenze hat sich die Errichtung von 17 Zollgebäuden
als notwendig erwiesen. Die Kosten betrugen
3,400.000 S.
Die im Lande vorhandenen Spitäler genügen den
Bedürfnissen der Bevölkerung nicht, so daß ein
großer Teil im Bedarfsfälle gezwungen ist, die
Spitäler von Ungarn oder Altösterreich aufzusuchen.
Im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel
hat die Landesregierung helfend eingegriffen und
nachstehendeSpitalbauten bereits durch
geführt, deren Durchführung in Angriff genommen
oder subventioniert.
a) Spital Güssing: Das bestehende
Spital wurde durch den Zubau eines neuen
Traktes, Schaffung eines Isolierpavillons,
Einführung der Zentralheizung in alle Räume, Warm
wasserleitung, Kanalisierung, vergrößert und aus
gebaut. Die Kosten betragen 210.000 S. Der Bau ist
bereits fertiggestellt und seit 1926 in Benützung ge
nommen.
b) SpitalOberpullendorf: In der Ge
meinde Oberpullendorf ist derzeit ein neues
Krankenhaus mit allen modernen Einrichtungen
mit 60 Betten in Bau, dessen Fertigstellung im Laufe
des Sommers 1928 erfolgen wird. Die Kosten be
laufen sich auf 620.000 S.
Das Privatspital in Kittsee wurde i n
die Verwaltung des Landes übernommen
und mit einem Kostenaufwande von 40.000 S
adaptiert und vergrößert.
Für das Spital in Oberwart, welches
adaptiert und wesentlichvergrößert wurde,
hat das Land eine Subvention von 60.000 S gewährt.
Für die Errichtung der obenerwähnten Beamten
wohnhäuser in Oberwart, Oberpullendorf und Neu
siedl, für die Errichtung eines Fürsorgeheimes
in Neudörfl, für die Instandsetzung jener
Kirchen und Pfarren, deren Erhaltung dem
Religionsfonds obliegt, ferner für die Erhaltung jener
Amtsgebäude, die Bundes- oder Landeseigentum
sind, wurden bisher 1,300.000 S aufgewendet.
Zusammenstellung
aller Kosten der baulichen Aufwendungen, die aus
Bundes- oder Landesmitteln bis Ende 1927 durch
geführt wurden:
Schulen s 390.000
Amts- und Wohnhausbauten . . . . „ 2,800.000
Zollgebäude „ 3,400.000
Spitäler 850.000
Verschiedene Gebäude „ 1,300.000
Summe S 8,740.000
Straßenwesen.
Das burgenländische Straßennetz ist ein sehr
ausgedehntes und umfaßt nach dem Stande vom
L Jänner 1928 181 km Bundesstraßen, 424 km
Landesstraßen und 399 km Bezirksstraßen, von
welch letzteren noch zirka 72 km auszubauen sind.
Als zu Beginn des Jahres 1922 das Burgenland in
österreichische Verwaltung übernommen wurde,
befanden sich die burgenländischen Straßen, mit
Ausnahme weniger ehemaliger ungarischer Staats
straßenstrecken, in einem desolaten Zustande. Da
im Lande selbst Stein- und Schottermaterial nicht
überall gewonnen werden kann, hatten die Straßen
überhaupt keinen Unterbau und waren bei nasser
Witterung vollkommen aufgeweicht und für jeden
Verkehr unbenützbar. Die Straße wurde so zum
Morast, in dem Zugtiere und Wagen halbmetertief
einsanken und stecken blieben.
Es wurde daher im Frühjahr und Herbst nahezu
jeder Verkehr vom Lastfuhrwerk eingestellt und
beschränkte sich auf die Zeit der Trockenheit und
des Frostes. Bei Regenzeiten fuhr man auf den
angrenzenden Feldern und Wiesen, weil selbst auf
dem Ackergrund ein leichteres Vorwärtskommen
besser möglich war, als in dem tiefen Morast der
eigentlichen Fahrbahn. Da sich neben den Straßen
auch fast sämtliche Brücken und sonstige Straßen
objekte in einem außerordentlich schlechten, meist
baufälligen Zustande befanden, kann ruhig behauptet
werden, daß das Burgenland fast keine
Verkehrswege nach westlichen Be
griffen hatte und ein den Verkehrsanforderungen
entsprechendes Straßennetz erst neu geschaffen
werden mußte.
Dazu kommt, daß die Angliederung des Burgen
landes an Österreich die Verkehrsverhältnisse be
deutend geändert hat. Durch die Abtrennung Öden-
burgs, das das natürliche Zentrum des Handels
verkehres und des Straßen- und Eisenbahnnetzes
bildete, wurden außer den Eisenbahnlinien sieben
Straßenzüge an der Grenze von dem Ödenburger
Gebiet abgeschnitten und das Burgenland in zwei
Teile getrennt, die miteinander keine fahrbare Ver
bindung besitzen.
SA