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Full text : Das österreichische Bauwesen

Herzogbad  im  18.  Jahrhundert.

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Baden  bei  Wien.

Baden,  die  Perle  des  Wienerwaldes,  allbekannt
durch  seine  seit  Römerzeiten  benützten  Quellen  und
durch  seine  herrliche  Umgebung,  liegt  am  Ausgange  des
Schwechattales  in  .der  Ebene,  rund  27  Kilometer  in  südlicher ­
  Richtung  von  Wien  entfernt.  Die  Zahl  seiner  Bewohner ­
  nähert  sich  23.000,  welche  in  fast  2400  Häusern
wohnen,  die  Zahl  der  Kurgäste  erreicht  50.000,  die  Zahl
der  vorübergehend  sich  aufhaltenden  Besucher  und  der
Ausflügler  schätzt  man  auf  1,500.000  jährlich.
Baden  ist  Stadt  und  Land  zugleich  und  das  Stadtbild
vereinigt  Vergangenheit  und  Gegenwart.  Alte,  zum  Teil
noch  aus  dem  17.  Jahrhundert  stammende  Bürgerhäuser
mit  stillen  und  schönen  Höfen,  dann  einfache  Häuschen
der  weinbautreibenden  Bevölkerung  sind  vermischt  mit
anheimelnden  Bauten  aus  der  Biedermeierzeit  und  mit
Neubauten.  An  den  Berghängen  am  Nordrande  der  Stadt
und  in  der  südlichen  Ebene  sowie  im  Westen,  im
Schwechattale,  sind  zahlreiche  Villenbauten  in  einfachen
bis  überreichen  Formen,  alle  in  der  Mitte  von  Gärten.
Die  Straßen  werden  von  Alleen  eingesäumt.  Eine  Hauptbahn, ­
  die  Südbahn,  scheidet  das  eigentliche  Stadtgebiet
von  dem  mehr  ländlichen  Teile,  die  elektrische  Bahn
Wien—Baden  führt  von  der  Oper  in  Wien  bis  in  die
Mitte  von  Baden  und  erstreckt  sich  dann  weiterhin  bis
an  das  westliche  Ende  der  Stadt.  Ein  breiter  Bach,  die
Schwechat,  und  der  von  diesem  abzweigende  Mühlbach
durchfließt  die  Stadt  von  Westen  nach  Osten.  In
10  Minuten  kommt  man  vom  Hauptplatz  durch  den  Kurpark ­
  in  herrliche  Wälder  und  erreicht,  wenn  man  danach
Verlangen  trägt,  in  weiterer  kurzer  Zeit  auf  schön
angelegten  und  gut  erhaltenen  Waldwegen  eine  beschauliche ­
  Waldesstille  und  Waldeinsamkeit.
Die  ältesten  Baudenkmale,  die  Ruinen  Rauheneck
und  Rauhenstein,  stammen  aus  dem  12.  Jahrhundert ­
  und  waren  im  Mittelalter  der  Sitz  von  Raubrittern. ­
  Beide  liegen  hoch  über  dem  Tale,  die  erste  an
der  Südseite,  die  letztere  an  der  Nordseite,  auf  waldigen,
steil  abfallenden  Abhängen.  Rauheneck  hat  einen
bemerkenswerten  Turm  von  dreieckiger  Grundrißform
und  einen  Kapellenraum  mit  romanischen  Bauresten.

Matthias  Corvinus  nahm  in  den  Jahren  1477  und  1482  die
Feste  ein  und  zerstörte  sie,  worauf  sie  als  Ruine  bis  in
die  heutige  Zeit  verblieb.  Rauhenstein  spielte  ebenfalls
in  den  Kämpfen  Friedrichs  III.  mit  Corvinus  eine  Rolle,
blieb  aber  bis  gegen  1700  bewohnt  und  fiel  erst  dann
der  zeitlichen  Zerstörung  anheim.
Alt  sind  auch  die  3  Kirchen  Badens.  Die  Pfarrkirche ­
  St.  Stefan  am  Pfarrplatz  ist  ein  gotischer ­
  Bau  (Abb.  1).  Der  älteste  Teil  stammt  noch  aus
der  romanischen  Zeit.  Der  gotische  Umbau  wurde  am
Ende  des  15.  Jahrhunderts,  wahrscheinlich  nach  der  im
Jahre  1477  durch  Matthias  Corvinus  erfolgten  Zerstörung,
ausgeführt.  Nach  den  Türkenkriegen  wurden  die  großen
Beschädigungen  ausgebessert.  Eine  stilgerechte  Restaurierung ­
  erfolgte  in  der  zweiten  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts, ­
  wobei  die  barocke  Inneneinrichtung  bis
auf  einzelne  leile  beseitigt  wurde.  Die  Frauenkirche
stammt  aus  der  zweiten  Hälfte  des  13.  Jahrhunderts
und  wurde  wiederholt  umgebaut  (1683  nach  den  Türkenkriegen, ­
  1714  und  1819  nach  großen  Stadtbränden).  Von
früheren  gotischen  Teilen  ist  noch  der  Chor  im  Hofe  des
Hauses  Wassergasse  2  zu  seihen.  Die  Frauenkirche
gehörte  zu  einem  im  Jahre  1811  aufgehobenen  Augustinerkloster, ­
  von  welchem  noch  Teile  des  gotischen
Kreuzganges  erhalten  sind.  Die  Helenenkirche  ist
unterhalb  der  Ruine  Rauhenstein  gelegen  und  urkundlich
schon  1518  nachweisbar.  Bemerkenswert  ist  das  am  linken
Seitenaltar  in  Töpferarbeit  ausgeführte  Relief,  welches
die  Dreifaltigkeit  darstellt  und  welches  von  der  Wiener
Stephanskirche  im  Jahre  1750  nach  Baden  übertragen
wurde.
Zwei  von  den  alten  Schlössern,  die  Baden  aufweist,
sind  jetzt  noch  bewohnt.  Das  Schloß  Leesdorf  wurde
im  12.  Jahrhundert  als  Wasserburg  erbaut,  in  den  Jahren
1719  bis  1721  vom  Melker  Abt  Berthold  umgebaut
und  1909  von  dem  jetzigen  Besitzer  mit  vieler  Sorgfalt
restauriert.  Es  enthält  schöne  Deckengemälde  aus  dem
Jahre  1734.  Schloß  Weikersdorf  (Abb.  2)  wurde  im
späteren  Mittelalter  als  Wasserburg  erbaut,  1683  von  den
Türken  teilweise  zerstört  und  1859  an  der  Südseite  mit

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