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Full text: Das österreichische Bauwesen

Bauunternehmung Landthaler & Faulhammer, St. Pölten 
Josefstraße 9, 
Im Jahre 1910 gegründet, hat sich die Firma, 
trotzdem sie alle Ingenieurarbeiten ausführt, 
von allem Anfänge an spezialisiert, indem sie 
sich der Hauptsache nach mit Wasser-, Tie f- 
und Industriebauten beschäftigt. 
Im Laufe der Jahre führte sie eine erhebliche 
Anzahl größerer und kleinerer Wasserkraftanlagen, 
Turbinen-Einbauten, Wehr- und sonstiger Wasser 
bauten aus, deren Auftraggeber fast ausnahmslos 
der Industrie angehörten. Im Jahre 1912 ver 
wendete sie als erste Baufirma Österreichs beim 
Bau der Wasserkraftanlage W. Jungbauer 
in Schlaraffental, O.-Ö., das Eisenbeton 
druckrohr als Wasserzuführung für die Tur 
binen und schon im nächsten Jahre waren es zwei 
Anlagen, und zwar: das Elektrizitätswerk 
in K a p 1 i t z, Böhmen und das Elektrizität s- 
w er k für die Marktgemeinde Rohrbach in 
O.-Ö., für welche durch die Firma Eisenbeton 
druckrohre verschiedener Durchmesser ausgeführt 
wurden. Stets bestrebt, die Bauökonomie zu heben, 
war sie auch eine der ersten unter den österreichi 
schen Firmen, welche zu Abdämmungs- und Wasser 
haltungszwecken die eisernen Spundpfähle, System 
Larssen, verwendete. Beim Bau der ihr von der 
Stadtgemeinde Melk zur Ausführung übertragenen 
großen Wasserkraftanlage an der Erlauf, respektive 
bei der großen, 40 m breiten Wehranlage mit Dach 
wehr, nach System Pfletschinger-Lutz, wurden diese 
Larssenspundpfähle von ihr das erstemal verwendet 
und wurden hiedurch die Wasserhaltungskosten für 
dieses Objekt auf fast ein Drittel der bisher als 
normal anzunehmenden Kosten herabgedrückt. 
Die Firma führte aber auch wiederholt größere 
Kanalisierungsarbeiten durch und werden nebst der 
Herstellung großerKanalbauteninSt. Pöl- 
t e n, die Kanalisierungen der Stadt Bruck a. d. 
Leitha und des Badeortes Bad Hall in O.-Ö. 
hervorgehoben, bei welch letzterer sie durch prak 
tische Neuerungen der Marktgemeinde ganz bedeu 
tende Ersparnisse ermöglichte. Ihr Ruf war schon 
so weit gedrungen, daß ihr kurz vor dem Kriege auch 
die Stadt Krainburg die Ausführung der G e- 
samtkanalisierung übertragen hatte. Wäh 
rend des Krieges führte sie die Kanalisierungen des 
Kriegsspitales in Baumgarten und mehrerer Militär- 
Barackenanlagen in Wien und die des Kriegs 
gefangenenlagers in Spratzern bei St. Pölten durch. 
Aber auch den Bau von Wasserversor 
gungsanlagen nahm sie in ihr Programm auf. 
Sie hat für eine bedeutende Anzahl von Gemeinden 
Nieder- und Oberösterreichs solche Anlagen ausge 
führt und in allen Fällen dadurch glänzende Resul 
tate erzielt, daß sie auf die Quellfassungen stets das 
Hauptgewicht legte, wodurch es ihr gelang, das dem 
Projekte zugrundegelegte Wasserquantum meistens 
erheblich zu vermehren. 
Anläßlich des im Jahre 1927 durchgeführten 
Baues der Wasserversorgungsanlage für die Stadt 
Telephon 327. 
St. Pölten hat sie über 30 Kilometer der schwer 
sten Rohrstränge verlegt. 
Auch die Sohleleitung von Bad Ischl 
nach Ebensee führte sie im Jahre 1913 für die 
Salinenverwaltung durch. Diese Arbeit ist deshalb 
erwähnenswert, weil die gesamte Strecke (18 km 
lang) in 13 Wochen fertiggestellt wurde. 
In jüngster Zeit arbeitet sie viel mit Druckluft; 
ihr großer Rotationskompressor für 8 Hämmer setzt 
sie in die Lage, nicht nur alle Stollenarbeiten, 
sondern auch jedwede Abbauarbeit zur Durch 
führung zu bringen. Beim Bau der St. Pöltner 
Wasserleitung wurden ihre Abbauhämmer 
zum Aufreißen der Stampfasphaltpflaster-Beton 
unterlagen und zum Abbauen stark schotteriger 
Straßendecken mit Vorteil verwendet. Bei einem 
sehr schwierigen Doppelturbineneinbau für die Fa. 
Neufeldt-Schoeller in Neubruck bei 
Scheibbs wurden alte Granitquaderfundamente, 
welche sich in der Stärke von über 1 m vorfanden 
und die nicht gesprengt werden durften, in kürzester 
Zeit mit Druckluft abgebaut. 
Speziell pflegt sie auch den Eisenbeton- 
Hochbau und wird diesbezüglich auf die von ihr 
für die erste österreichische Glanzstoff- 
F a b r i k s A. G., St. Pölten, ausgeführten Shed- 
konstruktionen und auf den Wasserturm hinge 
wiesen, den sie noch vor dem Kriege für die Fa. 
Gebr. Böhler in Blumau ausführte. Auch im gewöhn 
lichen Hochbau hat sie schon Hervorragendes 
geleistet. Es wird in dieser Hinsicht auf verschie 
dene Siedlungsbauten, Arbeiter- und Wohn- 
h ä u s e r in St. Pölten, auf mehrere moderne 
W o h n h a u s b a u t e n für die Fa. S. M. Roth- 
schild in Waidhofen a. d. Ybbs, auf die beiden 
großen Hotelbauten für die Fa. S. G 1 e s i n- 
g e r in G ö s i n g a. d. Mariazellerbahn, sowie auf 
die vielen Turbinenhäuser hingewiesen, unter denen 
das in Erlauf besonders zu erwähnen ist. 
In neuester Zeit propagiert sie die Richte r- 
sche Ziegelhohlsteindecke, welche sich 
ganz besonders durch ihre Einfachheit, verhältnis 
mäßig große Billigkeit, ebene Untersicht und den 
Umstand auszeichnet, daß sie von jedem Baumeister 
ohneweiters ausgeführt werden kann. 
Selbst im B a h n b a u hat sie sich wiederholt 
betätigt; in St. Pölten und Umgebung ausgeführte 
Industriegeleise, sowie die für die Fa. S. M. Roth 
schild in Lunz a. See erbaute Waldbahn Weißen 
bach—Station Lunz beweisen, daß sie auch dieses 
Spezialfach beherrscht. Die Firma ist mit dem 
modernsten Bauinventar ausgestattet und sonach 
im Stande, jedwede Arbeit zur Durchführung zu 
übernehmen; ihre soliden Ausführungen haben ihr 
einen guten Ruf eingetragen und kann sie, wie die 
vorstehend erwähnten größeren Arbeiten bezeugen, 
auf viele von ihr ausgeführte Arbeiten zurück 
blicken, welche im öffentlichen und privaten Inter 
esse gelegen waren. 
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