Das Bauwesen der Stadt Wr.-Neustadt
in der Nachkriegszeit.
Die Aufgaben der Bauverwaltung einer Stadt
sind stets der Spiegel jener wirtschaftlichen und so
zialen Kräfte, die dem gesamten öffentlichen Leben
dieser Gebietskörperschaft Richtung und Ziel
weisen. Die baulichen Aufgaben Wr. - Neustadts
nach Kriegsende waren neben den I n-
standsetzungsarbeiten an den bestehen
den Objekten vor allem Probleme sozialer
Natur, deren Lösung zu baulicher Gestaltung führ
ten. Unter diesen Aufgaben steht die der B e-
kämpfung der Wohnungsnot im Vorder
gründe.
Die Wohnbautätigkeit.
Der Stand des Wohnungswesens in Wr.-Neu
stadt war schon vor dem Kriege kein sehr glück
licher. Einer Einwohnerzahl von 30.838 stand im
Jahre 1914 eine Zahl von 2158 Häusern gegenüber.
Wenn auch eine genaue Anzahl der hiedurch ge
gebenen Wohnungen statistisch damals nicht erfaßt
wurde, kann doch die Tatsache einen Maßstab hie-
für abgeben, daß ein großer Teil dieser Häuser ein
geschossige Einfamilien-Wohnhäuser waren.
Der Zusammenbruch brachte wohl insoferne eine
Erleichterung, als die große Masse dieser Arbeitei
abwanderte. Doch blieben viele in der Stadt, wo die
damalige Konjunktur der Industrien Arbeitsgelegen
heit hoffen ließ. Dazu kam noch die Zuwanderung
deutscher Flüchtlinge aus den Nachfolgestaaten, wie
zum Beispiel von Eisenbahnern aus Jugoslawien und
Ungarn, endlich der Flüchtlingsstrom, welchen die
burgenländische Krise über die Grenzstadt Wi.-
Neustadt ergoß. .
So hatte das städtische Wohnungsamt im
Pernerstorfer-Hof.
Jahre 1920 einen Stand von 1800 Wohnungslosen
vorgemerkt. Um diesem gewaltigen Anstürme zu
steuern, mußte die Gemeinde daran denken, neue
Wohnungen in möglichst großer Zahl zu schaf-
Pernerstorfer-Hof.
fen. Die Erreichung dieses Zieles hat sie auf dreier
lei Wegen versucht:
a) durch Eigenbau-Tätigkeit;
b) „ Gewährung von Siedlerkrediten;
r '\ „ Baumeisterkrediten.
Vor allem wurde die noch während des letzten
Kriegsjahres begonnene Wohnungssiedlung
am Flugfelde an der Wöllersdorfer Straße
fertiggestellt. Hierauf wurden die vom Militärärar
übernommenen Kasernen und Baracken
lager für W ohnungen umgebaut, so daß sich
in den Jahren 1918 und 1919 ein Zuwachs von
560 Wohnungen für die dringendsten Bedürfnisse
ergab. Nach dem weiteren Ausbau der Wohnungs
siedlung am Flugfeld in den Jahren 1921 und 1922
und durch Schaffung von Wohnungen in anderen
Stadtteilen konnten wieder 386 Wohnungen dem
Wohnungsmarkte zugeführt werden. Im Jahre
1923 kann nur ein kleiner Fortschritt in der Wohn
bautätigkeit verzeichnet werden, während im Jahre
1924 die bisher brachliegende Stege rfabrik
von der Stadtgemeinde erworben und
für Wohnungszwecke adaptiert wurde. In
diesem Objekt konnten 40 kleine Wohnungen unter
gebracht werden. Im kommenden Jahre wurde das
zur Stegerfabrik gehörige Kesselhaus umge
baut und die Schelmerkolonie, eine gar
tenstadtartige Siedlung, sowie die
Wohnhausanlage in der Pottendorferstraße
geschaffen. Das Jahr 1925 konnte damit 112 Woh
nungen dem Wohnungsmarkte zuführen. Das fol
gende Jahr 1926 ist für die Wohnbautätigkeit
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