Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Das österreichische Bauwesen

wurden,  derartig  verschlechtert,  daß  mit  dem  Gesetze ­
  vom  5.  September  1905,  LGB1.  Nr.  109,  eine
umfangreichere  Regulierung  in  dieser  Strecke  und  die
weitere  Vervollständigung  der  Strecke  Espang  bis
Gesäuse-Eingang  vorgesehen  wurden.  In  diesem
II.  Bauabschnitt,  der  vom  Jahre  1905  bis  jetzt  noch
andauert,  wurde  außer  der  Vervollständigung  der
Strecke  Espang  bis  Gesäuse-Eingang  die  Strecke
Espang  aufwärts  soweit  reguliert,  daß  nunmehr  ein
Flußlauf  geschaffen  ist,  der  weitergehendere  Trassenverschiebungen
  nicht  mehr  notwendig  machen
dürfte.  Das  Gesetz  vom  Jahre  1905  hatte  nur  eine
zehnjährige  Laufzeit.  Seither  werden  vom  Bunde,
dem  Land  Steiermark,  der  Bundesbahnverwaltung
und  den  Bezirken  Gröbming,  Schladming,  I,rdning,
Liezen  und  Rottenmann  auf  Grund  von  Anträgen
der  jährlichen  Ennsregulierungskommission  die  Baumittel ­
  aufgebracht.  Eine  neuerliche  gesetzliche  Regelung ­
  des  Ennsregulierungs-Unternehmens  ist  in
Aussicht  genommen.  Diese  soll  den  weiteren  Ausbau ­
  der  Ufersicherungen  und  die  Erhaltung  der
bisher  ausgeführten  Bauwerke  sicherstellen.  Bis
zum  jetzigen  Zeitpunkte,  also  in  ungefähr  70  Jahren,
wurden  unter  Aufwendung  verhältnismäßig  geringer
Baumittel  ganz  bedeutende  Erfolge  erreicht.  Der
Flußlauf  hat  sich  in  seinem  neuen  Bette  durchwegs
eingetieft.  Dadurch  wurden  die  Vorfluten  für  die
teils  schon  ausgeführten,  teils  geplanten  und  noch
zur  Ausführung  kommenden  Talboden-Entwässerungen ­
  größeren  Stils  erzielt.  Nur  die  allergrößten
Hochwässer  treten  fallweise  und  ohne  verheerend
zu  wirken,  noch  aus.
Die  Regulierung  des  Ennsflusses  und  die  damit
zusammenhängende  Regelung  der  Abflußverhältnisse ­
  im  Ennstale  waren  eine  unerläßliche  Vorbedingung ­
  für  den  Ausbau  der  Eisenbahnlinie  Gesäuse-Eingang—Mandling. ­
  Auch  konnten  die  Verkehrsverhältnisse ­
  an  den  Straßenzügen  des  Ennstales, ­
  sowohl  in  der  Längs-  als  auch  Querrichtung
weitaus  verbessert  werden.
Neben  diesen  Regulierungsmaßnahmen  am  Murund
  Ennsflusse  werden  von  der  steiermärkischen
Landesregierung  unter  entgegenkommender  Förderung ­
  aus  Bundesmitteln  und  bei  entsprechender
Beitragsleistung  der  örtlichen  Interessenten  noch
eine  größere  Reihe  von  Fluß-  und  Bachregulierungen
und  wo  immer  angängig  auch  nach  einheitlichen
Entwürfen,  die  das  ganze  Fluß-Regime  berücksichtigen, ­
  fortlaufend  durchgeführt.  Es  sei  diesfalls
nur  kurz  auf  die  Regulierung  der  Mürz  und  der
Lamming,  der  Raab  mit  dem  Auersbach,  der
Feistritz,  der  Kainach  und  der  Palten  hingewiesen.
Besonders  dringend  wird  in  nächster  Zeit  die  Regulierung ­
  der  Sulm  und  des  Saggaubaches  mit  ihren
Zubringern  für  Weststeiermark,  für  die  allerdings
auch  ganz  bedeutende  Mittel  bereitgestellt  werden
müssen.
In  diesem  Zusammenhänge  sei  auch  der  Wildbachverbauungen ­
  gedacht.  Diese  werden  unmittelbar ­
  von  der  forsttechnischen  Abteilung  für  Wildbachverbauungen, ­
  Sektion  Graz,  durchgeführt.  Die
jährlichen  Bauprogramme  erstrecken  sich  etwa  auf

30  Bachgebiete  nach  allen  in  Betracht  kommenden
Baumethoden,  zum  Teil  mit  besonders  sehenswerten
Kunstbauten.  Seit  der  ungeheueren  Hochwasserkatastrophe ­
  vom  September  1920  wurde  auch  in
der  breiteren  Öffentlichkeit  erkannt,  welche  Bedeutung ­
  diesen  Maßnahmen  eigentlich  zukommt,  und
daß  sie  in  erster  Linie  auch  gefördert  werden
müssen,  um  im  weiteren  Verfolge  eine  Entlastung
bei  den  Fluß-  und  Bachregulierungen  zu  bieten.  Die
weitgehendste  Unterstützung  der  Landesverwaltung
finden  weiters  die  Bodenmeliorationen  und
ist  das  Bestreben  in  letzterer  Zeit  vornehmlich  dahin
gerichtet,  die  genossenschaftlichen  Unternehmungen ­
  in  den  Vordergrund  zu  bringen.
Als  besonderes  Beispiel  sei  die  Entwässerung  des
Paltentales  hervorgehoben,  für  welche  die  Regulierung ­
  des  Paltenflusses  mit  der  Absenkung  des
Gaishornsees  eine  grundlegende  Vorbedingung  war.
Im  größeren  Umfange  wurde  auch  schon  nach  der
Auswirkung  der  Ennsregulierung  mit  der  systematischen ­
  Entwässerung  des  Talbodens  eingesetzt.
Ausbau  der  Wasserkräfte.
Einen  besonderen  Aufschwung  hat  der  Ausbau
der  Wasserkräfte  genommen.
Das  Land  Steiermark  steht  mit  einem  Besitz
von  704.000  PS  Jahresmittelleistung  mit  Tirol,  welches ­
  nur  wenig  mehr  aufweist,  an  erster  Stelle  der
Bundesländer  Österreichs,  dessen  gesamter  Besitz ­
  an  Wasserkräften  mit  3,374.000  PS  Jahresmittelleistung ­
  angegeben  wird.
Abgesehen  von  den  überaus  zahlreichen  kleinen
und  kleinsten  Anlagen,  die  in  erster  Linie  der  Landwirtschaft, ­
  zum  Teil  auch  dem  Kleingewerbe  dienen,
gab  die  blühende  Eisen-,  Papier-  und  Holzstoffindustrie ­
  schon  frühzeitig  den  Anstoß  zur  Errichtung ­
  auch  größerer  Wasserkraftwerke  und  es  entstanden ­
  im  vorigen  Jahrhundert  zahlreiche  industrielle ­
  Eigenanlagen  mit  Leistungen  von  mehreren
hundert  bis  tausend  PS.  Aber  erst  die  Möglichkeit
der  elektrischen  Kraftübertragung  auf  weite  Entfernung, ­
  die  auf  der  internationalen  Ausstellung  in
Frankfurt  am  Main  im  Jahre  1891  von  Oskar  von
Miller  nachgewiesen  wurde,  führte  in  der  Folge
auch  in  Steiermark  zur  Errichtung  großer  und  ganz
großer  Wasserkraftanlagen  für  die  Erzeugung  elektrischer ­
  Energie.  So  entstanden  zu  Beginn  dieses
Jahrhunderts  in  rascher  Aufeinanderfolge,  um  nur
die  bedeutenderen  zu  nennen,  die  Wasserkraftanlagen ­
  der  steiermärkischen  Elektrizitäts-Gesellschaft ­
  in  Lebring  und  Peggau,  das  Elektrizitätswerk ­
  Pichler  in  der  Raabklamm  bei  Weiz,  die  Elektrizitätswerke ­
  der  Städte  Bruck,  Gleisdorf  und
Judenburg  und  eine  Reihe  von  industriellen  Eigenanlagen ­
  an  der  Mürz,  Mur  und  ihren  Zuflüssen,  so
daß  bis  zum  Jahre  1918  von  dem  vorhandenen  Besitz, ­
  ohne  Einrechnung  der  überaus  zahlreichen
kleinen  Anlagen,  deren  genaue  statistische  Erfassung ­
  noch  nicht  erfolgt  ist,  bereits  42.000  PS
Jahresmittelleistung  in  Großwasserkraftanlagen  ausgebaut ­
  waren,  während  die  eingebaute  Maschinen-138


            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.