leistung dieser Werke über 53.000 PS betrug. Erwähnt
sei, daß die größte in Steiermark von der
steiermärkischen Elektrizitäts-Gesellschaft errichtete
Wasserkraftanlage, die knapp vor Beginn des
Krieges in Angriff genommene und während des
Krieges beendete Wasserkraftanlage an der Drau
bei Faal mit einer Jahresmittelleistung von über
40.000 PS durch den Friedensvertrag dem Lande
Steiermark verloren gegangen ist.
Der Energiemangel während des Krieges und
die Erkenntnis, daß nur eine rationelle Energiewirtschaft
imstande sein wird, die Schäden des Krieges
zu beheben und den Neuaufbau der Wirtschaft zu
ermöglichen, haben, wie in anderen Bundesländern,
auch in Steiermark Bestrebungen nach einem
rascheren und intensiveren Ausbau des Besitzes an
Wasserkräften ausgclöst und wurde in Steiermark
unter Führung des Landes die steirische Wasserkraft-
und Elektrizitäts-A.-G. gegründet, welche zunächst
ein umfangreiches Programm für den Ausbau
nahezu aller vorhandenen Groß-Wasserkraft-Darbictungen
entwickelte und in der Folge in den
Jahren 1922—1927 auch zwei große Wasserkraftanlagen
errichtete. Es sind dies das Speicherkraftwerk
an der Teigitsch (siehe Bildtafel) mit einer
Jahresmittelleistung von rund 9000 PS und einer
eingebauten Maschinenleistung von heute 30.000,
später 45.000 PS, und das Laufkraftwerk bei Pernegg
an der Mur (siehe Bildtafel) mit einer Jahresmittelleistung
von rund 16.000 PS und einer eingebauten
Maschinenleistung von 27.000 PS. Von den nach dem
Jahre 1918 zur Errichtung gekommenen Großwasserkraftanlagen
in Steiermark wären noch zu
erwähnen: der Umbau des Elektrizitätswerkes
Lebring der steiermärkischen Elektrizitäts-Gesellschaft
mit einer Jahresmittelleistung von 4820 PS,
die Wasserkraftanlage der Pölser Zellulose und
Papierfabrik G. m. b. H. bei Katzling am Pöls mit
1600 PS Jahresmittelleistung, das Kraftwerk
„Winkl“ der Gebrüder Böhler & Co. A. G. am Thörlbache
mit 1100 PS Jahresmittelleistung, das Kraftwerk
der Leykam-Josefstal A. G. in Gratwein an
der Mur mit 4300 PS Jahresmittelleistung und noch
eine Reihe von größeren Kraftwerken zwischen
500 und 1000 PS. Die Jahresmittelleistung der nach
Kriegsende bis heute in Steiermark errichteten
Groß-Kraftwerke beträgt 40.800 PS, die eingebaute
Maschinenleistung 81.000 PS, eine mit Rücksicht
auf den Zusammenbruch der Währung nach dem
Kriege, den Kapitalsmangel und die außerordentlich
erschwerten wirtschaftlichen Verhältnisse gewiß
anerkennenswerte Leistung.
Heute besitzt Steiermark ausgebaute
Wasserkräfte von insgesamt 118.000 PS
Jahresmittelleistung, 6000 PS sind noch im Ausbau
begriffen, so daß von dem vorhandenen Besitze
noch 580.000 PS zur Verfügung stehen. Von diesen
verfügbaren Wasserkräften wäre in erster Linie
die größte Wasserkraft Österreichs, ja sogar
Mitteleuropas besonders hervorzuheben, das ist
jenes an der Enns im Gesäuse, deren Ausbau rund
200.000 PS ergeben würde. Gerade in letzter Zeit
hat sich für diese ausgezeichnete Wasserkraft ein
erhöhtes Interesse in Verbindung mit Bestrebungen
nach einer Ausfuhr elektrischer Energie nach
Deutschland geltend gemacht und stehen die Projekte
mehrerer ernster Bewerber in Verhandlung.
Was nun die Energieerzeugung der Wasserkraftanlagen
in Steiermark anbelangt, so stehen für
die Anlagen von über 500 PS eingebauter Maschinenleistung
für das Jahr 1927 die nachstehenden Angaben
zur Verfügung: und zwar beträgt die
Jahresarbeit der mit Wasserkraft betriebenen
Stromlieferungsunternehmen 150 Millionen Kwh,
jene der industriellen Anlagen 135 Millionen Kwh,
zusammen 285 Millionen Kwh, das ist auf den Kopf
der Bevölkerung von 292 Kwh im Jahre. Als Folge
des im letzten Jahrzehnt erfolgten raschen Ausbaues
der Wasserkräfte hat sich gegenwärtig eine
gewisse Sättigung des Energiemarktes im Lande
eingestellt und überwiegt heute noch das Anbot
den Bedarf, insbesondere auch deshalb, weil infolge
des Kapitalmangels die Abnehmer nicht in der Lage
sind, die für die ausgiebigere Verwendung des
elektrischen Stromes notwendigen Einrichtungen
dem Energieangebot entsprechend rasch zu beschaffen.
Es ist daher, falls ein Absatz außer Landes,
und hiefür kommt in erster Linie die Stadt Wien mit
ihrem großen Bedarfe in Betracht, nicht gefunden
wird, für die nächste Zeit mit einer Pause in dem
Ausbau von Großwasserkräften zu rechnen, welche
zweckmäßig für die Ausgestaltung der bestehenden
Netze und die Intensivierung des Stromabsatzes
benützt wird. Auch ist zu hoffen, daß in nicht allzuferner
Zeit ein für die Wasserkraftwirtschaft der
Steiermark notwendiger Speicher bald zum Ausbau
kommt und ist hiefür ein verhältnismäßig leicht zu
errichtender Speicher im Teigitschgebiete mit einem
nutzbaren Inhalt von 6 Mill. m 3 in Aussicht genommen.
Hochbau.
Auf dem Gebiete des Hochbaues besteht ein
reiches Betätigungsfeld sowohl in bezug auf Gebäudeerhaltung
als auch hinsichtlich der Neubauten.
Außer den laufenden Gebäudeerhaltungsarbeiten gelangten
für Bundeszwecke in den letzten Jahren an
größeren Herstellungen zur Ausführung:
Graz: Universität: Zubau zum Ghemiegebäude
und Aufbau der Zahnklinik.
Graz: Umbau des ehemaligen Paulustorspitales
zu einem Polizeidirektionsgebäude und Neubau eines
modernen Arrestgebäudes.
Leoben: Aufbau auf das Chemiegebäude der
Montan. Hochschule und Einführung der Zentralheizungsanlage;
Wohnungseinbauten im Hauptgebäude.
Liebenau: Bundeserziehungsanstalt; Errichtung
eines Schwimmbades.
Graz: Strafanstalt: Kanalisierung und Einführung
der elektrischen Beleuchtung.
Graz: Ehemaliges Hengstenstallamt: Ausgestaltung
für Polizeistallungen.
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