MAK

Full text: Das österreichische Bauwesen

stellende und ausführende Behörde, und sind Bund, 
Land und Gemeinden beitragspflichtig. Nur für die 
rechtsufrige Grenzstrecke gegen Bayern von der 
Sparchenbachmündung unter Kufstein bis Wind 
hausen ist der Bund auf Grund eines Staatsvertrages 
allein bau- und erhaltungspflichtig. 
An und für sich muß der Inn, soweit er das 
Land Tirol durchfließt, als ein verhältnismäßig 
zahmes Gewässer bezeichnet werden, ist doch das 
Verhältnis des kleinsten Niederwassers bei Inns 
bruck (65 Kubiksekundenmeter) zum höchsten direkt 
beobachteten Hochwasser (20. Juni 1871 mit 1310 
Kubiksekundenmeter) nur ein Zwanzigstel, und be 
trägt die sekundliche Abflußmenge bei Hochwasser 
auf das von 1871 bezogen in Innsbruck nur 236, in 
Kufstein 200 Liter per Quadratkilometer Einzugsge 
biet. Zieht man auch das nach den Chroniken bisher 
als höchstes bezeichnete Hochwasser vom Jahre 1789 
in Betracht, das nach alten Marken zu urteilen etwa 
50 Zentimeter höher als 1871 stand, so erhöht sich 
dieser Koeffizient für Innsbruck nur auf etwa 250 
Sekundenliter, während er zum Beispiel für den 
Rhein bei Oberriet an der vorarlbergisch-schwei- 
zerischen Grenze mit etwas größerem Einzugs 
gebiet wie bei Innsbruck (5800 gegen 5970 Quadrat 
kilometer) mit 368 Sekundenliter angegeben wird 
und wahrscheinlich beim Hochwasser 1927 noch be 
deutend überschritten wurde. Das Gefälle des 
Flusses ermäßigt sich in der flößbaren Strecke, das 
ist von Telfs bis zur bayrischen Grenze von etwa 
zwei Promille ziemlich stetig auf rund ein Promille 
und treten nur die naturgemäßen Abweichungen in 
den schärferen Kurven und an den Steinbarren bei 
den erwähnten Seitenbachmündungen auf. Im all 
gemeinen kann daher bei Feststellung der 
Linienführung eine Streckung des Flußlaufes ver 
mieden werden und genügt schon die Durch 
schlitzung einiger solcher Barren und die Her 
stellung eines gleichmäßigen, den örtlichen Wasser 
mengen und Gefällen angepaßten Gerinnes, um den 
Hochwässern einen unschädlichen Abfluß zu sichern. 
Die Normalbreite dieses Gerinnes beträgt in Nieder 
wasserhöhe in Tclfs 62 Meter und wächst bis zur 
Landesgrenze bei Kufstein auf 90 Meter; in der 
Grenzstrecke gegen Bayern ist sie mit 105 Meter 
festgesetzt. Diese Ausmaße wurden aus den in der 
Natur vorhandenen Musterprofilen ermittelt und 
sind auch bereits in den noch bestehenden alten 
rustikalen Verbauungen annähernd eingehalten. Die 
Seitenböschungen der Regulierungswerke wurden 
mit 1 : 3 angenommen, die Kronenhöhe über den 
Niederwasserspiegel bei Telfs mit 3.20 Meter und 
wächst bis Kufstein auf 4.50 Meter; sie ist einem 
angenommenen Hochwasserstand von + 4.20 Meter 
Innsbrucker Pegel angepaßt. 
Mit der Eröffnung der Südbahnstrecke Kuf 
stein—Innsbruck ging die Schiffahrt allmählich ein 
und erforderte die Erhaltung der für sie hergestell 
ten Bauten bedeutend geringere Mittel, während 
Neuanlagen überhaupt unterblieben. 
Hingegen setzt seit den Vierzigerjahren des 
vorigen Jahrhunderts der Ausbau der 14 Kilometer 
langen Grenzstrecke von Kufstein abwärts in er 
höhtem Maße ein und wurde gegen Ende der Sieb 
zigerjahre im großen ganzen abgeschlossen, so daß 
für spätere Jahre nur mehr Ausgestaltungsarbeiten 
verblieben, die auch bereits vor dem Weltkriege 
vollendet wurden. Etwas später wurde auch vom 
Staate die Strecke Kufstein—Kirchbichl in Angriff 
genommen und größtenteils vollendet. 
Bereits in den Jahren 1906/7 hatte der damalige 
Landesbaudirektor und spätere Vorstand des Statt 
halterei-Baudepartements Dr. Ing. e. h. Ph. Krapf 
ein generelles Regulierungsprojekt für die gesamte 
Tiroler Innstrecke, insbesondere aber für den flöß 
baren Teil derselben von Rietz ober Telfs bis zur 
Landesgrenze bei Kufstein im Vereine mit seinen 
Ingenieuren ausgearbeitet; die Finanzierung auch 
nur eines kleinen Teiles desselben zog sich jedoch 
bis in die Zeit des Weltkrieges hinein, und ein groß 
zügiger Baubeginn unterblieb neuerdings; auch für 
die allerdringlichsten Schutzmaßnahmen wurden 
nur unzulängliche Geldmittel bewilligt. 
Erst als nach Überwindung der Inflationszeit 
stabile finanzielle Verhältnisse eintraten und sich 
bereits vielerorts bedeutende Schäden zeigten, die 
beim Weitergreifen nur unter außerordentlichen 
Opfern behoben werden konnten, kam die Bau 
aktion neuerlich in Fluß, und darf hier nicht uner 
wähnt gelassen werden, daß sich für die Belebung 
derselben seitens der Politiker besonders der ver 
storbene Nationalrat Niedrist und Landeshauptmann 
Abb. 13. Zillerbrücke bei Brixlegg. 
■ - 
151
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.