MAK

Full text: Das österreichische Bauwesen

berufe. Hiezu wurde bis zum Ende des Jahres 1924 
ein Betrag von 470 Millionen Kronen und in den Jahren 
1925 und 1926 ein Betrag von rund 310.000 Schilling 
seitens der Stadtgemeinde aufgewandt. Gelegentlich des 
Umbaues für die neuen Schulzwecke wurde getrachtet, 
den baugeschichtlichen Wert des Hauses möglichst zu er 
halten und die gesamte Anlage möglichst in der früheren 
Form wieder in Erscheinung treten zu lassen; insbeson 
dere wurden die reichlich mit Stukko gezierten Decken 
der Säle im ersten Stocke vollkommen erhalten und 
Werkstätten für die im Stadtgebiete fortbildungsschulpflich 
tigen Meisterlehrlinge aller handwerksmäßigen Gewerbe 
in Aussicht genommen ist. Schließlich stehen seit Jahren 
schon Projekte in Erwägung, die einer weiteren bau 
lichen Ausgestaltung der infolge eines immer mehr an 
wachsenden Schülerandranges räumlich beengt ge 
wordenen Bundeslehranstalt für Hochbau, 
Elektrotechnik und Kunst gewerbe dienen 
sollen; auch die Frage einer zeitgemäßen Unterbringung 
der in veralteten Verhältnissen eingezwängten Bundes- 
Gemeinde-Wohnhausbau 1926—1927, Hofansicht mit Mütterberatungsstelle. 
renoviert. Gleichzeitig mit dem Umbau des Palais zur 
Schule wurde in dem rund 14.000 Quadratmeter mes 
senden Garten ein Gewächshaus mit Kalt- und Warm 
haus für die angegliederte Gartenbauschule, sowie beim 
Haupteingange in das Anwesen ein Pförtnergebäude mit 
der Wohnung für den Hausmeister und mit einem Ver 
kaufsraum für das im Garten gewonnene Gemüse zur 
Erbauung gebracht. Das gesamte Inventar zur Ausstat 
tung der Lehrsäle, Kanzleien, Werkstätten und Küchen 
wurde vom Bunde beigestellt. Der ausgezeichnete Ge 
samteindruck des Unterrichtsinstitutes erlaubt es, daß 
diese Schule vor allem im Hinblicke auf ihren vornehmen 
historischen Rahmen als die am schönsten unterge 
brachte frauengewerbliche Bundeslehranstalt Öster 
reichs bezeichnet werde. 
Von unmittelbar bevorstehenden Schulneubauten ist 
zu erwähnen, daß im Stadtteile Pradl im Jahre 1928 die 
Erbauung von zwei Hauptschulen für 
Knaben und Mädchen mit voraussichtlich gemein 
schaftlicher Furnsaalanlage, sowie die Errichtung eines 
zentralisierten Fortbildungsschulgcbäudes samt eigenen 
Oberrealschule dürfte in absehbarer Zeit ihrer Lösung 
zugeführt werden. Innsbruck und seine Gemeindever 
waltung hat seit jeher insbesondere den Notwendig 
keiten einer großzügigen Förderung des Schulwesens 
volles Verständnis entgegengebracht und es steht ge 
rade auf diesem Kulturgebiete mit Sicherheit zu er 
warten, daß die Stadt auch weiterhin ihre mustergültige 
Tendenz beibehalten werde. 
Und nun sei zu einem Abschnitte des städtischen 
Bauwesens übergegangen, der, wie in nahezu allen 
Städten der seinerzeit vom Weltkriege betroffenen Län 
der, so auch in Innsbruck, stark im Vordergründe des 
öffentlichen Interesses steht; es ist dies die W o h n- 
b a u t ä t i g k e i t der Gemeinde. Als Folge der Jahre 
hindurch gänzlich eingestellten Erbauung von Wohn 
häusern, weiters wegen der nach dem Kriege beträcht 
lich vermehrten Anzahl von Eheschließungen und der 
Zuwanderung von Familien aus verschiedenen Nach 
folgestaaten der ehemaligen Monarchie, schließlich zu 
folge des Umstandes, daß sich die Wohndichte auf Grund 
einer gesetzlichen Niedrighaltung des Mietzinses wesent- 
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