Hall in Tirol. Gesamtansicht mit Münzerturm.
Lichtbild von A. Stockhammer, Hall.
Stadt und Kurort hall in Tirol.
Hall am Inn, die schöne Stadt mit den mittelalter
lichen Bauten und Türmen, mit der einzig schö
nen Lage am Fuße der gigantischen Bettelwurf
wand, war im Mittelalter ein weit über die Grenzen
des Landes bekannter Handclspunkt. In der Stadt
wurden jährlich die acht Tage dauernden Messen
abgehalten, in denen die Kaufleute vom Norden mit
denen vom Süden die Waren austauschten.
Die Bewohner sind zum überwiegend größeren
Teil kleine Kaufleute und Handwerker. Die Industrie
hat mit Ausnahme der dem Bund gehörigen Saline
und einer wegen der Güte der Erzeugnisse über die
Grenzen des Landes hinaus bekannten Teigwaren
fabrik keine nennenswerte Bedeutung.
Hall hat aber auch den mittelalterlichen Charakter
bis zum heutigen Tag bewahrt. Bei der Durchwande
rung der anheimelnden und einen eigentümlichen
Eindruck hervorrufenden Gassen hat man das Gefühl,
daß sie die verflossenen ereignisreichen 200 Jahre
verschlafen habe, daß alle Stürme und weltbewegen
den Ereignisse ohne Hinterlassung von auffälligen
Spuren an ihr vorübergegangen sind.
Jeder von außen kommende Besucher ist von der
Anlage, den Baudenkmälern und der einzig herrli
chen Umgebung der Stadt entzückt. Sie sind aber
auch darüber verwundert, daß diese Stadt, die jähr-
1 i ch von vielen T ausenden, besonder s v on Künstlern, be
sucht wird, keine Gebäude und Einrichtungen be
sitzt, die diesen Menschen einen längeren Aufenthalt
ermöglichen. Es fehlt auch an den heutigen Verhält
nissen entsprechenden und für Fremde eingerichte
ten Gasthöfen.
Diese sonnige und schön gelegene Stadt würde
sich zu längerem Aufenthalt für Er
holung suchende Menschen wie keine zweite
eignen, wenn, wie schon bemerkt, entsprechende
Unterkunft vorhanden wäre. Dies um so mehr, als
Hall auch über eine heilkräftige Sole verfügt, die
schon im frühen Mittelalter gewonnen wurde. Die
Sole wird aus dem im Norden der Stadt befindlichen
Gebirgsstock in der Höhe von 1600 Meter gewonnen
und zum Sud nach Hall geleitet. Diese Salzsole ist
es, die schon seit dem Mittelalter die nie ver
siegende Einnahmsquelle der Landesfürsten war
und die auch jetzt nicht nur für den Staat, son
dern bei entsprechender Verwertung auch für
die Stadt, durch die Heranziehung von Fremden und
Heilbedürftigen, eine Einnahmsquelle sein kann. In
dieser Erkenntnis hat denn auch die Stadtverwal
tung schon seit Jahrzehnten sich mit dem Gedanken
getragen, die im Gebirgsmassiv des Bettelwurfs ge
wonnene Sole zu Heilzwecken auszunützen, ähnlich
wie dies in den anderen Salinenstädtcn, unter an
derem in Aussee, Ischl, Reichenhall, Berchtesgaden
usw. schon seit Menschenalter der Fall ist. Beson
ders der Chemieprofessor an der medizinischen Fa
kultät in Innsbruck, Dr. N e v i n y, hat durch seine
einwandfreien Untersuchungen festgestellt, daß sich
die in Hall gewonnene Sole wegen ihres überaus
großen radio-aktiven Gehaltes und wegen ihrer Kraft
zum Kurgebrauch und für Heilzwecke ganz beson
ders eignet.
Vor dem Krieg wurde seitens des Staates der
Lösung dieser Frage großes Interesse entgegenge
bracht, wobei er bei Zustandekommen dieses Planes
eine bedeutende Beihilfe und die unentgeltliche Bei
stellung der Sole zusicherte. Der Krieg selbst rückte
die Verwirklichung dieses wichtigsten Projektes
der Stadt wieder in die Ferne. Und erst der uner
müdlichen und geschickten Wirtschaftsführung des
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