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Full text: Das österreichische Bauwesen

bauen derzeit das Vermuntwerk bei Parthennen 
im Montafon, dessen Energie zum überwiegenden 
Teile für das Ausland bestimmt ist. Die Gruppe der pri 
vaten Wasserkraftanlagen ist vertreten durch das Al- 
v i e r w e r k der Firma Getzner, Mutter & Comp., Blu- 
denz, und das Alfenzwerk der Vorarlberger Ze 
mentwerke Lorüns A. G. in Bludenz. Diesen Bauten 
schlossen sich natürlich einige kleinere Werke an, welche 
hier jedoch nicht näher beschrieben werden sollen. 
Für die Allgemeinversorgung des Landes kommt in 
erster Linie das Ga mpad eiswerk (Abb. 8) mit der 
45.000 Volt-Sammelschiene in Betracht, welches mit 
seiner vollen Maschinenleistung am 1. Juni 1925 in Be 
trieb gesetzt wurde. Die Landessammelschiene 
reicht vom Gampadelswerke bis nach Hohenems und 
geht dort in die Leitung der Vorarlberger Kraftwerke 
über, über die sie dann weiter einen Anschluß nach 
Württemberg findet. Sie ist vorläufig als Einfach 
leitung gebaut, doch tragen die Schaltanlagen im Werk 
selbst, als auch in den Unterwerken, den Stempel der 
Ausbaumöglichkeit auf eine zweite Parallelleitung, um 
für die Zukunft gerüstet zu sein. 
Das Gampadelswerk bildet die erste Stufe der 
T i 1 i s u n a-A n 1 a g e (Nr. 8 in Abb. 2) und nutzt das 
Gefälle des Gampadelsbaches, einem Zubringer der 111 im 
Montafon, zwischen den Koten 1077.70 und 680.80, wie 
Abb. 3 zeigt. Der Gampadelsbach wird durch ein Wehr 
mit liegendem Grundrechen, über welches das grobe Ge 
schiebe hinweggeführt wird, gefaßt. Das durch den 
Grundrechen fallende Wasser passiert dann ein Klär 
becken nach dem System des Dipl.-Ing. Büchi, Zürich, 
wo es bei entsprechender Verminderung seiner Ge 
schwindigkeit Gelegenheit hat, seine Sinkstoffe abzu 
lagern. Neben dem Grundrechen ist noch durch einen 
Seitenrechen Vorsorge getroffen, daß auch bei Ver 
legung des Grundrechens die Wasserzufuhr nicht unter 
bunden ist (Abb. 4 u. 5).'Die Ledererquellen liefern im Win 
ter den größten Teil des Betriebswassers. Die Fassung 
der Quellen erfolgt obertags, da sie etwa 40 m oberhalb 
der Fassungsstelle als Bach zutage treten. Die Quell 
fassung tritt nicht über 'das Gelände vor, weil sie sich 
in einem Lawinenzuge befindet. Die Bauart hat sich bei 
einem Lawinengange, der im Winter 1926/27 auftrat, gut 
bewährt. 
In einem Stollen von 1135 m Länge und / /oo Ge 
fälle wird das Wasser des Gampadelsbaches und der 
Quellen zu einem Stauweiher geführt, dem der Tages 
ausgleich obliegt (Fassungsraum 34.000 m 3 ), und von hier 
durch eine rund 800 m lange Druckrohrleitung von 900 
bis 800 mm 1. W. zum Krafthaus, das eine Maschinen 
leistung von 6000 KW hat. Der Stollen hat eine lichte 
Höhe von 1.65 m und eine lichte Breite von 1.35 m. Er 
wurde mit zwei Seitenstollen angegangen, von denen 
der erste nach Beendigung der Bauarbeiten wieder zu 
gemauert wurde, der zweite hingegen mit einem Über 
laufe ausgestattet ist, welcher ein Überschreiten des zu 
lässigen Höchstwasserstandes im Stauweiher verhüten 
soll. Der Stauweiher in Bitschweil ist ein 
künstlich geschaffenes Becken (Abb. 9). Der Stollen mün 
det direkt in denselben ein. Bei leerem Weiher wird der 
Einfall des Stollenwassers auf die Stauweihersohle durch 
eine Kaskade abgeschwächt, von welcher ein Umlauf 
gerinne direkt zum Wasserschlosse führt. Dieses Um 
laufgerinne ist so bemessen, daß die Aufrechterhaltung 
des Vollbetriebes auch dann möglich ist, wenn im Stau 
weiher selbst Ausbesserungsarbeiten gemacht werden 
müssen und seine Auffüllung dadurch verhindert wäre. 
Das Becken ist so in die Berglehne eingelassen, daß auch 
die talseitige Staumauer auf gewachsenem Boden steht. 
Sie ist auf die ganze Länge mit dem gewonnenen Aushub 
material hinterfüllt, welches sorgfältig ausgestampft wor 
den ist, und wasserseitig mit einem Torkretverputz ver 
sehen. Die ganze Berglehne stützt sich auf Felsen, stellt 
aber eine Moräne dar, deren Mächtigkeit es nicht er 
möglichte, den Weiher direkt auf den Fels zu fundieren. 
Beim Aushub konnte festgestellt werden, daß dieser 
stark tonhaltige Moränenschutt sehr dicht ist und einen 
sehr festen inneren Zusammenhang hat. Sowohl die Stau 
mauer als auch die Sohle des Staubeckens wurden mit 
Rücksicht auf die Größen unterteilt. Der Einlauf in die 
Druckrohrleitung ist durch die Apparatekammer ge 
sichert, in die ein Rohrbruchventil eingebaut ist, das im 
Falle eines Rohrbruches automatisch schließt oder mit 
tels eines Druckknopfes von der Zentrale aus betätigt 
werden kann, um den Einlauf des Wassers bei Gefahr zu 
sperren. 
Im Krafthause gelangten vorläufig zwei Turbinen 
und ein Hilfsaggregat zur Aufstellung. Die Turbinen sind 
eindüsige Freistrahlturbinen. Sie wurden für ein Netto 
gefälle von 375 m, 1.1 m 3 /sek. und 500 Touren berechnet. 
Die Laufräder sind fliegend auf die Generatorwelle auf 
geflanscht. Die Generatoren sind für Drehstrom, 50 Pe 
rioden sekundlich, 4200 KVA bei 6000 Volt Maschinen 
spannung gebaut. Vorläufig beträgt die gesamte Ma 
schinenleistung 9000 PS. Sie wird beim Vollausbau auf 
13.500 PS steigen. Die ganze Anlage ist auf diesen Voll 
ausbau eingestellt und daher auch der Platz für eine dritte 
Einheit vorgesehen. Die Generatoren bilden mit den 
Transformatoren 6000/48.000 Volt eine Einheit. Das 
Gampadelswerk arbeitet mit den größten Anlagen im 
Lande parallel. So ist es auch mit den erwähnten zwei 
Werken an der Alfenz und am Alvierbache zusammen 
geschaltet, welche als Stromlieferanten in Frage 
kommen. 
Während das Gampadelswerk für die Allgemein 
versorgung des Landes Vorarlberg dient, sind die 
neuen in Angriff genommenen Anlagen 
derVorarlbergerlllwerkeA.G.aufStrom- 
a u s f u h r eingestellt. Diese Aktiengesellschaft hat ein 
großzügiges Bauprogramm für die Ausnützung 
sämtlicher wirtschaftlicher Gefällsstufen im Oberläufe 
der 111 (Montafon) und des Lünersees zusammen 
gestellt. Es sei dabei auf die mit Nr. 1 bis 7, 9 bis 12 
bezeichneten Anlagen auf der Übersichtskarte (Abb. 2) 
verwiesen. Das heute im Bau befindliche Vermunt 
werk (Nr. 2) liegt bei der Ortschaft Parthennen und 
nützt das Gefälle der 111 aus, die bei der „Hölle“ in großen 
Kaskaden zu Tale stürzt und oberhalb des „Kardatscha- 
rückens“ die Anbringung eines Staubeckens ermöglicht. 
Der nutzbare Stauraum wird bei einem Staumauerinhalte 
von rund 100.000 m 3 rund 5.4 Millionen m 3 betragen. 
Das Einzugsgebiet für diese Anlage ist die Silvretta m i t 
ihren Gletschern und umfaßt rund 57 km 2 . Die 
Anlage bildet die erste Stufe des Gesamtausbaues. 
Weiter oberhalb beim „Madlenerhaus“, schon gegen die 
Tiroler Landesgrenze zu, ist die Fassung eines weiteren 
Werkes geplant, welches eine Stauung von 20 Millionen 
m 3 Wasser ermöglicht und diesen Stauinhalt gleichzeitig 
der unteren Stufe zugute kommen läßt. Das im Ausbau 
befindliche Vermuntwerk staut das Wasser auf eine 
höchste Kote von 1743 m über dem Meere und sieht einen 
tiefsten Wasserspiegel von 1719 m über dem Meere vor. 
Der rund 300 m lange Umlaufstollen bei der Staumauer 
soll die Ableitung der 111 mit einer Kapazität von 35 m 3 
pro Sekunde während jener Zeit ermöglichen, während 
welcher die Staumauer aufgeführt wird. Er ist bereits 
fertiggestellt. 
Die Vorarbeiten für die Staumauer sind im Gange. 
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