Die Heraklith-Leichtbauplatte.
Vielleicht die interessanteste Erscheinung auf dem
österreichischen Baumarkt ist die in den Nachkriegsiahren
aufgetauchte Heraklithplatte. Die Erzeugung
dieser Bauplatte wurde von der Ö s t e r r.-Amerik.
Magnesit A. G., Radenthein (Kärnten),
vor sechs Jahren in größerem Stile aufgenommen,
nachdem das Material sich bereits durch Jahre hindurch
an eigenen Bauten glänzend bewährt
hatte. Interessant ist die Heraklithplatte sowohl der
Zusammensetzung und ihrem Äußeren nach, wie auch
durch die universale Anwendungsmöglichkeit,
die sie bietet. Ihr Erscheinen
ist insoferne auch von volkswirtschaftlicher
Bedeutung, als sie durch ihre verhältnismäßig
große Billigkeit regulierend auf die
Preise der übrigen bekannten Baustoffe
gewirkt und wahrscheinlich ein weiteres
Steigen des an und für sich übermäßig
hohen Index für Baustoffe
in Österreich verhindert hat.
Überall dort, wo heute in Österreich
gebaut wird, ist die Heraklithplatte wohlbekannt
und häufig verwendet. Zumal
in unserer Fremdenindustrie, die ja in
Österreich einen erfreulichen Aufschwung
nimmt und woraus sich Auf- und Ausbauten,
sowie Neubauten von Hotels und
Gasthöfen ergeben. Glänzende Beispiele
hiefür sind als Aufbau unter anderem der
Großgasthof „Zum weißen Ochsen“
in Mariazell, ausgeführt von der
Fa. Prokop, Lutz & Wallner, St. Pölten,
und als Neubau das viergeschossige
Hotel in Krumpendorf, ausgeführt
von den Firmen Schiffler & Eigner, Wien, und
F. Madile, Klagenfurt. Die verschiedenen neuen
Hallenbauten in Wien, zum Beispiel die Waggonhallen
in Hütteldorf (siehe Abbildung), Heiligenstadt,
Michelbeuern und die jetzt eben
in Bau befindliche Halle in Breitensee sind
gewiß ein glänzender Beweis, wie sehr sich Heraklithplatten
zur Verkleidung von Hallenkonstruktionen,
sei es im Holzriegelbau oder in Eisen,
eignen.
Daß Heraklithplatten auch für zahlreiche Wohnhausbauten
Verwendung gefunden haben, ist selbstverständlich.
Bei weit über 100.000 Objekten
wurden Heraklithplatten verbaut, viele
schmucke Häuschen sind in allen Bundesländern
zur Gänze aus Heraklith hergestellt
worden (siehe Abbildung). Die Bewohner
sind voll des Lobes über die Wohnlichkeit
von Heraklithbauten. Die Wohnlichkeit
liegt in erster Linie im unvergleichlichen
Wärmeschutz der Wände begründet.
In dieser Hinsicht bildet die Heraklithplatte
eine wohltuende Reaktion gegen die
vielen unterdimensionierten Ziegelwände, die
während des Krieges und in der Nachkriegszeit
entstanden sind und auch heute
dann und wann noch entstehen, sowie
gegen die wärmetechnisch immer unzulänglichen
Hohlsteinbauweisen verschiedener
Systeme. Man geht nun erfreulicherweise
dazu über, solche wärmetechnisch
mangelhafte Mauern durch Innenisolierung
mit H e r a k 1 i t h p 1 a 11 e n
zu verbessern und damit eine wichtige
Forderung der Hygiene und der Wärmeökonomie
zu erfüllen.
Zur Zeit wird bereits soviel Heraklith erzeugt und
verwendet, daß damit durchschnittlich jeden Tag 60 geräumige
Einfamilienhäuser mit allen Außen- und Innenwänden
gebaut werden könnten. Die zunehmende Bedeutung
dieses Baumaterials macht sich auch im steigenden
Export desselben bemerkbar. Naturgemäß
stehen hier in erster Linie die Nachfolge- und
Nachbarstaaten, doch finden auch regelmäßig
Lieferungen nach entfernteren
Ländern und Übersee statt, zum Beispiel wurden
zum Aufbau des bekannten Shepheards Hotels
in Kairo 10 Waggons Heraklithplatten geliefert. (Siehe
Abbildung Seite 233.)
Waggonhalle Hütteldorf.
Wohnhausbau des Ing. Lutz in St. Pölten.
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