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Full text: Das österreichische Bauwesen

Bauweisen aufkamen, ergaben die Belastungsver- 
suche bedeutende Unterschiede in der Tragfähig 
keit der verschiedenen Mauerwerksarten. Die 
statische Erprobung der Bauweisen wurde als 
Grundlage für die behördliche Zulassung angeordnet, 
um die Bauindustrie vor argen Fehlschlägen zu be 
wahren. Auf der eigens für Mauerwerksversuche 
gebauten 500-Tonnen-Druckpresse wurden über 
50 Mauerpfeiler von 1 bis 6 Meter Höhe geprüft. 
Von den im Laufe der letzten Jahre durch 
geführten größeren Versuchen sind bemerkenswert: 
Prüfung von Auflagequadern und eines Stahlguß 
gelenkes für die neue Brigittabrücke, eines Eisen 
betongelenkes für die Murbrücke bei Puntigam, von 
Gußeisenbetonteilen für die Traunfallbrücke, Biege 
versuche an Eisenbetonbalken mit gewundenen 
Doppelrundeiseneinlagen und an verschieden be 
wehrten Hohlsteindecken zur Ermittlung von Rech 
nungsgrundlagen über die Verbundwirkung von 
Beton, Ziegel und Eisen, Versuche mit Gehweg 
bohlen für Brücken, Deckenbelastungsversuche, 
Druckversuche an Mauerpfeilern mit neuartigem 
Ziegelverband, Versuchsreihe zur Bestimmung der 
Eignung verschiedener Sande und Steine für 
Straßenbauten und als Betonzuschlag bei Wasser 
kraftanlagen, Prüfung von Kalksteinen, Graniten, 
Basalten, Porphyren und Schamottesteinen auf 
Druck und Abnützung, von Betonpflaster- und As 
bestzementschieferplatten auf Biegung, von Dach 
ziegeln und Torkretbetonplatten auf Biegung und 
Wasserdurchlässigkeit. Zur Ermittlung der zulässi 
gen Baugrundbelastung (bis 20 Tonnen Druck) wurde 
eine fahrbare Prüfvorrichtung zusammengestellt. 
Vollständige Drahtseiluntersuchungen wurden für die 
Drahtseilbahn auf die Zugspitze und die Rax durch 
geführt. 
Für den Eisenbetonausschuß des Österreichi 
schen Ingenieur- und Architektenvereines wurden 
ausgeführt: Die Bestimmung der Betonkonsistenz 
nach der amerikanischen Setzprobe, vergleichende 
Versuche mit kleinen und großen Betonwürfeln, 
Zylindern und verschiedenen Kontrollbalken, Säulen 
versuche mit 30 verschieden bewehrten Eisenbeton 
säulen, zum Teil auch aus Gußeisenbeton, von 1 Vè 
bis 4 Meter Höhe. 
Die Technische Hochschule Graz 
besitzt eine Mechanisch-T echnischeVer- 
s u c h s a n s t a 11 für die Materialprüfungen der 
Technik unter der Leitung des Professors Ing. Dok 
tor Alfons Leon. 
Die Österreichischen Bundesbah 
nen verfügen über zwei Materialprüfungslabora 
torien, eines bei der Bundesbahndirektion Wien- 
Nordost, eines bei der Direktion Innsbruck. Die 
Anstalt in Innsbruck wurde im Jahre 1907 errichtet 
und steht unter der Leitung des Oberbaurates In 
genieur Spindel. Die Wiener Anstalt wurde 
1909 gegründet und wird von Oberbaurat Alfred 
Pohl geleitet. Zweck beider Laboratorien ist die 
Erprobung der verschiedenen Materialien für den 
Bau, die Ausrüstung und den Betrieb der Bundes 
bahnen sowie die Untersuchung dieser Baustoffe, 
sofern sie sich bei ihrer Verwendung nicht bewährt 
haben. Die Versuchsanstalten sind demnach vor 
allem Betriebslaboratorien, in besonderen Fällen 
werden aber auch Forschungsarbeiten durchgeführt. 
Das Arbeitsgebiet umfaßt die mechanisch-tech 
nische, chemische und metallographische Unter 
suchung der Bau- und Werkstoffe. So wurden von 
Oberbaurat Spindel wichtige Untersuchungen über 
hochwertige Sonderportlandzemente sowie über 
Abnützungsversuche an Schienen und Radreifen 
veröffentlicht. Diese Abnützungsversuche führten 
zur Konstruktion einer besonderen Abnützungs 
maschine, Bauart Spindel, die von verschiedenen 
Materialprüfungsämtern übernommen wurde. 
In das Gebiet der Prüfung von Baumaterialien 
fällt die Untersuchung des Verhaltens dieser Mate 
rialien beim Durchgang von Wärme. Mit der fort 
schreitenden Entwicklung der Wärme- und Kälte 
technik haben Untersuchungen hinsichtlich Isolie 
rung, Wärmedurchgang und Wärmeleitung des 
Werkstoffes erhöhte Bedeutung gewonnen. In Wien 
befassen sich zwei Anstalten mit diesen Aufgaben: 
die seit 1909 bestehende Dampf- und Wärmetech 
nische Versuchsanstalt der Dampfkessel- 
Untersuchungs- und Versicherungs 
gesellschaft a. G. unter der Leitung von 
Direktor Baurat Ing. Z w i a u e r und die P h y- 
sikalisch-Technische Versuchsan 
stalt fürWärmeschutz am Technologischen 
Gewerbemuseum unter Leitung des Professors 
Dr. Hofbauer, gegründet im Jahre 1924. Die 
Untersuchung der Wärmeverluste von Mauern, 
Rohrleitungen, die Bestimmung der Wärmeleitzahl 
aller jener zahlreichen neueren wärmeisolierenden 
Materialien, die im Hochbau und Apparatebau in An 
wendung kommen, bildet Aufgabe dieser Versuchs 
anstalten, deren Bedeutung für das Bauwesen noch 
vielfach nicht entsprechend gewürdigt wird. 
Das Materialprüfungswesen, dessen 
Ergebnisse nur dann von Wert sind, wenn sie in 
vergleichbarer Weise gewonnen wurden, 
war immer darauf angewiesen, im Einvernehmen 
und in gegenseitiger Ergänzung der verschiedenen 
Länder miteinander zu arbeiten. Ich habe mich an 
den hierauf gerichteten Bestrebungen des Münch 
ner Materialforschers Bauschinger und nach 
seinem Tode mit Tetmajer an der Gründung 
des Internationalen Verbandes fürMa- 
terialprüfung lebhaft beteiligt, dessen Arbeiten 
leider durch den Krieg unterbrochen wurden. Nun 
mehr haben wir glücklicherweise wieder einen 
Internationalen Kongreß 1927 in Amsterdam gehabt 
und stehen bereits in den Vorbereitungen für den 
nächsten Kongreß in Zürich 1931. 
Um die Wiederaufnahme der internationalen 
Gemeinschaftsarbeit möglichst weitgehend für 
Österreich nutzbar zu machen, hat man es für drin 
gend gehalten, den Österreichischen Verband für 
Materialprüfung, welcher während des Krieges 
aufgelöst wurde, wieder ins Leben zu rufen, 
der einerseits die österreichischen Arbeiten auf dem 
Gebiete der Materialkenntnis, Materialprüfung und 
IS
	        
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