Materialforschung zusammenfassen und fördern,
anderseits den österreichischen Interessenten die
Kenntnis der anderwärts geleisteten Arbeiten vermitteln
und durch Vertiefung der Materialkenntnis
zur Rationalisierung der österreichischen Wirtschaft
in einer der wichtigsten Richtungen beitragen soll.
Seine Arbeiten erfolgen in enger Gemeinschaftsarbeit
mit dem Deutschen Verband für Materialprüfung
und werden zur Kenntnis der technischen
Öffentlichkeit gebracht. Der Verband ist
durch sein geschäftsführendes Vorstandsmitglied
Herrn Zivilingenieur Hönigsberg im Ständigen
Ausschuß des Neuen Internationalen Verbandes
für Materialprüfung vertreten und ist dadurch in
Kenntnis sowohl der internationalen Gemeinschaftsarbeit
wie der Arbeiten in den einzelnen Ländern.
Von den vorangehend besprochenen Instituten sind
folgende auf Grund der lex Exner vom 9. September
1910, RGBl. Nr. 185, betreffend das technische
Untersuchungs-, Erprobungs- und Materialprüfungswesen
staatlich autorisiert, so daß ihre Zeugnisse
den Charakter öffentlicher Urkunden besitzen, und
genießen die Vorteile dieses Gesetzes, die ihnen und
den betreffenden industriellen und Ingenieurkreisen
zugute kommen. Es sind dies die Materialprüfungsanstalten
an den Technischen Hochschulen in Wien
und Graz, jene am Technologischen Gewerbemuseum
in Wien, die Städtische Prüfungsanstalt der
Gemeinde Wien und die Dampf- und Wärmetechnische
Versuchsanstalt der Dampfkessel-Untcrsuchungs-
und Versicherungsgesellschaft a. G. in
Wien.
Rationalisierung im Bauwesen.
Von Zivilingenieur Maximilian Soeser, Ges. der Bauunternehmung H. R e 11 a & C o. und Honorardozent
für „B a u b e t r i e b s 1 e h r e“ an der
Auf allen Gebieten wirtschaftlicher Tätigkeit ist das
Wort „Rationalisierung” zum Ausdruck für ein
neues Regime geworden, dem sich niemand mehr entziehen
kann. Amerika, das uns in vielen Gebieten um ein
halbes bis ganzes Menschenalter voraus ist, hat auch hier
schon lange vor dem Kriege den Anfang gemacht. Wenn
man die Rationalisierung definiert als „Die Gesamtheit
der Maßnahmen, welche bezwecken,
die notwendigen wirtschaftlichen Leistungen
in der bestmöglichen Weise mit
dem geringsten Aufwand an Rohstoff, Arbeit,
Maschinenkraft, Hilfsmitteln aller
Art, Geld und Zeit zu vollbringe n”, so sieht
man, daß diese Ziele auch uns Europäern als wünschenswert
mehr oder minder deutlich vorschwebten. Den
Amerikanern aber mit ihrem durch Tradition unbeschwerten
Rationalismus blieb es Vorbehalten, die hiezu
erforderlichen Maßnahmen schlechtweg als notwendig
zu erkennen, soll ihrer Nation vorläufig die Hegemonie
und in ferneren Zeiten überhaupt der Bestand
gesichert erscheinen. Trotz der uns beinahe unerschöpflich
dünkenden Mittel an Rohstoffen und Menschenkraft
oder vielleicht wegen der hieraus entspringenden spekulativen
Sorglosigkeit hat der überlegende Verstand
dieser Nation bald erkannt, daß sein „Wirtschaften”
mit diesen Dingen eher einem „Verschwenden” gleichkommt;
systematische Studien auf diesem Gebiete,
unterstützt durch die Größe des Versuchsfeldes und
durch staatliche Mittel, förderten unanfechtbare Ziffern
zutage und in ihrem eigentlichen Ergebnisse auch schon
die Wege zu ihrer Verbesserung. „Tragödie der
Verschwendung” ist der aufwühlende Titel eines
über diese Dinge populär und doch exakt geschriebenen
Buches"). In ihm wird auch hingewiesen, was die regelnd
geleitete und zusammengefaßte Wirtschaft im Weltkriege
mehr geleistet hat als je bisher, eine Erfahrung,
die neben Blut und Elend als wertvolles Nebenprodukt
sozusagen gewonnen wurde. Die der europäischen in
nichts nachgebende, sie vielmehr an Umfang weitgehend
übertreffende Wirtschaftskrise vom Jahre 1921 und deren
Überwindung bildete die Probe aufs Exempel und der
*) Stuart Chase: „Tragödie der Verschwendung”,
Verlag Oldenburg, München.
Technischen Hochschule in Wien.
Name ihres Besiegers bezeichnete bald den populärsten
Mann Amerikas, ja der ganzen Welt. Sein Name ist die
Elagge der Rationalisierung und die Nominierung H o ov
e r s zum Präsidentschaftskandidaten die vorläufige
letzte Ehrung dieses Gedankens.
Das zerfleischte, aus tausend Wunden blutende, in
die Ketten sinnloser Verträge gelegte Europa erhob nur
schwer und langsam seinen erdgebeugten Nacken und
mit ihm seinen endbefangenen Blick von den furchtbar
deutlichen Ergebnissen zu den minder klaren Ursachen.
Mochte in politicis das Wort „Nichts gelernt und nichts
vergessen” leider noch immer seine Geltung haben, auf
dem realeren Boden von Technik und Wirtschaft stießen
sich die Sachen härter als dort die „Gedanken”, und
Männer der Technik und Wirtschaft erhoben ihre Stimme,
nicht bloß klagend ob der Vergangenheit, hinweisend auf
die Gegenwart, in sonders wie sie in Amerika uns in
Erscheinung tritt, sondern auch prophezeiend und beweisend,
wie die Zukunft sich gestalten muß, wenn wir
sie nicht ändern wollten. „Das amerikanische
Wirtschaftstempo — eine Bedrohung
Europas” ist hier der nicht minder aufwühlende dräuende
Buchtitel"), der als Ergebnis einer amerikanischen
Studienreise das der gedankenfaulen Menge sagt, was
Gelehrte, Techniker, Wirtschaftsführer und Staatsmänner
in erschreckender Klarheit wissen.
Außer- und innerpolitische Probleme, Krieg und
Frieden, Kapitalismus und Kommunismus und in der
Ferne die düstere Frage der farbigen Völker, mit einem
Wort, die Befriedung derMenschheit liegt letzten
Endes in dem Problem beschlossen, ob wir die Bedürfnisse
dieser Menschheit rascher, leichter und billiger
stillen können als bisher. Und das Schlagwort hiefür heißt
„Rationalisierun g”, und wenn wir der Wurzel
- ratio = Vernunft — dieses Wortes uns besinnend,
nicht bloß die Befriedigung der Bedürfnisse „rationalisieren”,
sondern auch deren Herabsetzung auf ein „vernünftiges”
Maß als einen Teil der Rationalisierung er-;
kennen, dann haben wir auch die metatechnische, philo-I
sophische, ethische Seite des Problems erfaßt. „Eine neue
Art des Lebens und der Arbeit zu finden für die einzel-*)
Theodor L ü d e ck e : „Das amerikanische Wirtschafts-;empo
— eine Bedrohung Europas”, Verlag List, Leipzig.
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