trisierung unserer Bundesbahnen — zu verzeichnen,
wobei bemerkt werden muß, daß die Ende 1918 als
bestehend angeführten Bahnkraftwerke nicht ausschließ
lich der Bahnversorgung dienten und daß das Achensee
werk, welches in der obigen Tabelle bei den Strom
lieferungsunternehmungen angeführt ist, auch zum Teile
der Bahnstromversorgung dient.
Wird in Erwägung gezogen, daß die Gesamtleistung
der ausbauwürdigen Wasserkräfte Österreichs auf
Grund amtlicher Schätzungen mit rund 3.5 Millionen PS
Jahresmittelleistung, also rund 20 Milliarden KWh
Jahresarbeitsvermögen anzunehmen ist und daß die
bestehenden und im Baue begriffenen Wasserkraft
anlagen erst ein Jahresarbeitsvermögen von rund 4 Mil
liarden KWh aufweisen (2800 Millionen haben die in
der obigen Tabelle enthaltenen größeren Anlagen und
etwa 1000 Millionen die überaus zahlreichen Anlagen
unter 500 PS), so ist ersichtlich, daß erst 20% unserer
Wasserkräfte ausgebaut und im Bau begriffen sind, daß
also der größte Teil der in unseren Gewässern schlum
mernden Kräfte noch nicht geweckt ist und für die
zukünftige Entwicklung der Energiewirtschaft zur Ver
fügung steht.
Während Eigenanlagen naturgemäß ihr Entstehen
der Initiative der Industrie, der sie dienen, verdanken
und die kleineren und mittleren Elektrizitätswerke viel
fach aus Gemeindemitteln errichtet wurden, ist das
Zustandekommen der der öffentlichen Versorgung
dienenden, in den letzten acht Jahren errichteten oder
in Bau genommenen Großkraftwerke zum überwiegen
den Teile der Tatkraft und Ausdauer von Wasserkraft
gesellschaften zuzuschreiben, die in den einzelnen
Bundesländern unter wesentlicher Beteiligung der Länder
selbst gegründet wurden und an deren Finanzierung —
der Aufwand für die in den letzten acht Jahren fertig
gestellten Wasserkraftwerke kann allein mit 300 Mil
lionen Schilling bewertet werden — unsere Großbanken,
zum Teile auch ausländische Finanzgruppen beteiligt
sind. Diese Wasserkraftgesellschaften seien im folgenden
unter Nennung der von ihnen in der letzten Zeit
errichteten Werke in der Reihenfolge ihrer Gründung
angeführt:
Die Oberösterreichische Wasserkraft-Akt. Ges. in
Linz mit dem Großkraftwerke Partenstein von 45.000 PS,
die Salzburger Akt. Gesellschaft für Elektrizitätswirt
schaft mit dem Bärenkraftwerke an der Fuscherache,
11.000 PS; die Steirische Wasserkraft- und Elektrizitäts-
Akt. Gesellschaft mit dem Speicherwerke an der
Teigitsch, 30.000 PS, und unserem jüngsten Großkraft
werk bei Pernegg an der Mur, 27.000 PS; die Wiener
Wasserkraftwerke Akt. Ges. mit den Kraftwerken
Opponitz und Gaming von zusammen 27.000 PS; die
Niederösterreichische Elektrizitätswirtschafts-A. G., die
mit den aus früherer Zeit stammenden und den neu
errichteten Werken über 18.000 PS Wasserkraftleistung
verfügt, die Vorarlberger Landes-Elektrizitäts-A. G. mit
dem Gampadelzwerk von rund 10.000 PS, die Kärntner
Wasserkraft-A. G. mit dem Speicherwerk am Forstsee,
vorläufig 3500 PS, die Tiroler Wasserkraftwerke-A. G.,
die den besten Speicher Österreichs, den Achensee, mit
55.000 PS ausgebaut hat und dessen Vollausbau auf
120.000 PS bald fertiggestellt sein wird; die Energie
dieses unseres größten Wasserkraftwerkes wird be
kanntlich zum größten Teil nach Bayern abgegeben.
Endlich ist die Illwerke-A. G. in Bregenz zu nennen,
die — ebenfalls hauptsächlich zur Lieferung nach Süd
deutschland — die großen Speicherwerke am Lünersee,
120.000 PS und bei Parthennen, 110.000 PS, ausbaut.
Von Unternehmungen, die schon von früher her
bestanden und die nach dem Kriege größere Werke
errichtet haben, wären zu nennen: Die Stern und Hafferl
A. G., Linz, die in den letzten Jahren ihre Werke am
Traunfall und bei Steeg wesentlich vergrößert und das
Rannawerk mit 8000 PS und das Liechtensteinklamm
werk mit 5000 PS neu errichtet hat. Ferner die Stadt
Salzburg, die ein zweites großes Speicherwerk am
Almbach, das sogenannte Strubklammwerk, mit 10.000
PS installierter Leistung ausgebaut hat.
Den Bau der Kraftwerke für den elektrischen
Betrieb der Bundesbahnen führen diese selbst durch ihr
Elektrisierungsamt durch, und zwar sind die Kraftwerke
am Spullersee mit vorläufig 24.000 PS und das erweiterte
Rutzbaohwerk mit 16.000 PS bereits in Betrieb, während
das Mallnitzwerk mit 20.000 PS und das Stubachwerk
mit 48.000 PS noch in Bau stehen.
Wenn in Österreich der Staat die öffentliche Strom
versorgung nicht selbst in die Hand genommen hat, wie
dies in anderen Ländern, beispielsweise in England, in
Kanada und auch in Deutschland zum großen Teil der
Fall ist, so hat er sein großes Interesse an diesem
Wirtschaftszweige in anderer Weise bekundet, und zwar
hauptsächlich durch Erlassung von Spezialgesetzen, die
den Wasserkraftausbau zu fördern bestimmt sind. Die
Wasserkraftförderungsgesetze, aus denen das eben in
Novellierung begriffene Elektrizitätsförderungsgesetz
hervorgegangen ist, bezwecken, die Errichtung von
Großkraftwerken dadurch zu erleichtern, daß den Unter
nehmungen außer der Gebührenfreiheit für die drei
ersten Geschäftsjahre die volle Steuerfreiheit für die
ersten Betriebsjahre (bis zu 20 Jahren) eingeräumt wird,
wodurch sie in die Lage versetzt werden, während
dieser Zeit den größten Teil ihrer Betriebsüberschüsse
zur Tilgung des Leihkapitales zu verwenden; die
Anlagen sind ja meist zum Großteil mit Leihkapital und
nur zum geringeren Teile mit eigenem Kapitale der
Gesellschaften errichtet. Die Förderungsgesetze haben
sich als außerordentlich belebend für den Ausbau der
österreichischen Wasserkräfte erwiesen. Eine Förderung
hat diesem Ausbau auch die aus der Kriegszeit her
rührende Kaiserl. Verordnung über begünstigte Bauten
gebracht, durch welche das Verfahren bei Verleihung
von Konzessionen wesentlich vereinfacht und weit
gehende Enteignungsrechte eingeräumt wurden.
Was die Ausführung der Bauten anlangt, ist hervor
zuheben, daß unsere neuen Wasserkraftwerke aus
schließlich von österreichischen Bauunternehmungen
ausgeführt wurden und daß auch die maschinellen und
elektrotechnischen Einrichtungen, die ganz außerordent
liche Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der
Firmen stellen, fast ausnahmslos von der heimischen
Industrie hergestellt sind.
Die Mehrzahl unserer neu errichteten und im Baue
begriffenen Großwasserkraftanlagen sind Hochdruck
werke, die eine verhältnismäßig geringe Wassermenge
bei einem großen Gefälle ausnützen, zum Beispiel die
nachstehenden Werke über 10.000 PS Leistung:
Lünerseewerk 1.5 m 3 /sek.
Spullerseewerk .... 3.0 „
Vermuntwerk 8.0 „
Stubachwerk 8.0 „
Gampadelzwerk .... 2.4 „
Achenseewerk 25.0 „
Mallnitzwerk 5.0 „
Bärenwerk 4.5 „
Teigitschwerk 11.0 „
Partenstein 22.5 „
Strubklammwerk ... 9.3 „
. 1300 m Gefälle
. 800 „
. 680 „
. 522 „
. 380 „
. 380 „
. 320 „
. 280 „
• 240 „
• 170 „
. 105 „
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