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Volltext: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 3

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Auf dem Preßburger Reichstage, der im Jahre 1825 begann, erschien der sehnlich 
erwartete Mann. Fürst und Volk hatten sich die Friedenshand gereicht und die Verfassung 
war wieder gesichert. Allein die tiefer denkenden Männer hatten nicht nur die Befestigung, 
sondern auch die Entwicklung der Verfassung im Auge. Der Gedanke der Neuerung und 
Umgestaltung griff immer mehr um sich, und da die Schriftsteller, Franz Kazinczy und 
Karl Kisfaludy voran, die ungarische Sprache und Literatur zu einer hohen Stufe 
entwickelt hatten, war es unaufschiebbar geworden, die Ausbreitung und gründlichere 
Pflege der Sprache zu sichern. Paul Nagy von Felsöbük, der schon auf früheren Reichs 
tagen wiederholt für die Rechte der Sprache das Wort erhoben, zählte am 3. November 1825 
an der „unteren Tafel" des Reichstages eben die Hindernisse auf, welche dem erfolg 
reicheren Fortschreiten der ungarischen Sprache im Wege standen. „An Gesetzen über die 
ungarische Sprache" — sagte er — „fehlt es nicht, unser König ließ seine Söhne ungarisch 
lehren; wenn unsere Hochadeligen dieses Beispiel nicht befolgen, liegt die Schuld nur an 
ihnen. Sie haben die Mittel in Händen, ihnen gehört der Landbesitz, das Geld, und aus 
dem Ertrag des ungarischen Bodens sollte nichts übrig sein, die ungarische Literatur zu 
fördern? Sie mögen Opfer bringen für die ungarische Akademie, welche Schriftsteller 
anspornen und entwickeln und uns die Bücher schaffen soll, die unseren Bedürfnissen 
entsprechen." Er schloß mit den Worten: „Das beste Mittel zur Pflege der Sprache und 
zum Schutz gegen ihre Verkleinere! ist die Errichtung einer ungarischen gelehrten 
Gesellschaft. Diese aber kann nur durch unsere eigene Kraft aus Beiträgen entstehen: so 
mögen denn darin unsere hochgeborenen, reichen Herren mit edlen Opfern vorangehen!" 
Diese Rede war von außerordentlicher Wirkung. Ein junger Graf, Husarenrittmeister, 
der in der Nähe des Redners stand und mit seinen Freunden als Zuhörer im Stündehanse 
anwesend war, trat mit „sanfter Würde" an den Rednertisch heran und bat, sprechen zu 
dürfen. Obgleich es — sagte er — ihm nicht zustehe, hier das Wort zu erheben, stelle er 
doch, nachdem ihm die Erlanbniß zutheil geworden, als Grundbesitzer ein Anerbieten zu 
Gunsten einer Gesellschaft für Pflege der Sprache, falls eine solche zustande komme. 
Er biete keine in Ziffern ausgedrückte Summe an, sondern sein ganzes einjähriges 
Einkommen. (Die Summe wurde später mit 60.000 Gulden festgesetzt.) 
Der junge Graf, der durch diese Spende die Ungarische Akademie der Wissenschaften 
begründete, war Stefan Szöchenyi, der „größte Ungar". Seinem Beispiel folgten noch 
Andere und die Grafen Abraham Vay, Georg Andrassy und Georg Kärolyi spendeten 
zu Dreien ungefähr so viel wie Szechenyi für die Gründung der Gesellschaft. In kurzem 
kamen noch andere edle Beiträge hinzu, und bald waren 250.000 Gulden gesammelt, die 
bis 1848 auf 400.000 Gulden anwuchsen. Die vier ersten Stifter ersuchten nach einigen 
Tagen den Erzherzog-Palatin Josef, er möge das Protectorat der Gesellschaft annehmen,
	        
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