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MAK

Full text : Raum und Mode

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künstlerischen  Wirkung  in  der  Stickerei  zu  bringen,  der  Posamentierergilde  an.
Einen  mächtigen  Antrieb  zur  Aufwärtsbewegung  erhielt  die  gesamte  Goldposamenterie
  durch  die  in  Österreich  heimische  Neigung,  die  Uniformen  des  Militärs,  der  Beamtenschaft ­
  und  der  anderen  uniformierten  Kreise  besonders  prunkvoll  auszustatten.
Der  gute  Geschmack,  der  seit  jeher  in  Österreich  heimisch  ist,  betätigt  sich  nicht
minder  wirkungsvoll  in  allen  Zweigen  der  Möbelposamenterie.  In  derselben  vereinigte
sich  stets  gediegenstes  Material  mit  ungewöhnlichem  Können.  Beides  verschaffte
der  österreichischen  Möbeiposamenterie  Weltgeitung.
Unter  diesen  günstigen  Voraussetzungen  rückte  die  prachtliebende  Markartperiode
heran.  In  dieser  gelangte  in  gleicher  Weise  die  Aufputzposamenterie  für  Damenkonfektion ­
  wie  die  dekorative  Ausstattung  der  Möbel  und  Vorhänge  mit  Posamenten
zu  einer  für  unsere  heutigen  Begriffe  außerordentlich  umfangreichen  Anwendung.
Die  darauf  einsetzende  künstlerische  Rückwirkung  tat  allerdings  der  gesamten  Posamentenindustrie ­
  schrittweise  Abbruch.  Die  zunehmende  Vereinfachung  im  Möbelstil,
die  Abkehr  von  allem  Dekorativen,  unter  dem  Schlagwort  „Zweckmäßigkeit“  gepredigt,
verdrängte  die  Posamenterie  immer  mehr  aus  dem  bis  dahin  behaupteten  Felde  ihrer
Wirksamkeit.  Auch  der  mit  dem  staatlichen  Zusammenbruch  eingetretene  Zerfall  der
Armee  und  Marine  sowie  das  Verschwinden  der  Hofhaltung  raubte  der  Posamenterie
und  ihren  verschiedenen  Zweigen  den  größten  Teil  ihrer  Betätigungsmöglichkeiten.
Aber  die  Tüchtigkeit  und  Ausdauer  der  in  unserer  Genossenschaft  vereinigten
Gewerbezweige,  zu  welchen  seit  einigen  Jahrzehnten  auch  die  Bandmacher  und  die
Gummibandweber  und  in  jüngster  Zeit  die  Lampenschirmerzeuger  gekommen  sind,
konnten  durch  diese  Heimsuchungen  nicht  gebrochen  werden.  Im  Kampfe  um  die
Existenz  rangen  sich  die  Angehörigen  der  Branche  zur  Erkenntnis  durch,  daß  nur
eine  künstlerisch  belebte  Qualitätsproduktion  an  Stelle  der  verlorenen  Gebiete  Neuland ­
  für  eine  zukunftverheißende  Entwicklung  unserer  aiteingelebten  Gewerbe  erobern ­
  könne.  Viele  Unternehmer  haben  sich  in  dieser  Erwägung  auf  die  Erzeugung
kunstgewerblicher  Handarbeiten  aus  textilen  Stoffen  aller  Art  in  der  Technik  und
Arbeitsweise  altheimischer  Posamenterie  eingestellt.  Zweifelsohne  ergeben  sich  daraus ­
  bei  Erfüllung  künstlerischer  Ansprüche  der  Mode  in  Form  und  Material  vielseitige ­
  Anwendungs-  und  damit  auch  neue  Verdienstmöglichkeiten.
            
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