Durchsichtig blaue Gläser sind schon in Aegypten mit Cobalt gefärbt, wie das zahlreiche si
chere Funde constatiren, und hat dann das Cobaltblau, seit seiner Wiederentdeckung (Cardanus t
1524 kennt es nach Merret, und führt es ausdrücklich auf) [Merret; zu Neri 1, 12.], das Kupfer
blau immer mehr und mehr aus dem Gebrauche verdrängt. Verwandt wurde auf den Glasfabriken des
XVI. Jahrhunderts von den Cobaltverbindungen das in Zusammensetzung und wirksamem Oxydge
halte großem Wechsel unterworfene geröstete rohe Erz, die „Zaffera“ Neri’s und Kunckel’s [Soz.
B. Ars vitraria 1, 12.], gelegentlich wohl auch die aus dieser hergestellte Smalte der Blaufarbwerke.
Weit sicherere Resultate sowohl in Betreff der Tiefe, als des Tones der zu erlangenden Färbung, giebt
das erst neuerdings zu solchem Zwecke benutzte reine Cobaltoxyd, das von fremden Beimengungen,
namentlich den Oxyden des Eisens frei, stets denselben Erfolg zu erreichen gestattet, und von dem
nur sehr geringe Quantitäten erforderlich sind, um eine intensive Färbung der Glasmasse hervorzuru
fen. Stricte Vorschriften über die Menge des Cobaltzusatzes lassen sich, da wir für die Bemessung der
Farbenintensität keinen Ausdruck besitzen, nicht wohl geben, als Anhaltspunkt in dieser Hinsicht
möge dienen, daß zu einer, bei der Glasstärke von 1 '5 bis 2 0 mm noch intensiv blauen Färbung ein
Cobaltoxydzusatz von 4 bis 5 g pr. 10 Kg Glas, entsprechend einem Smaltezusatz von annähernd 60
bis 70 g völlig genügt. Da das reine Cobaltoxyd, wie erwähnt, namentlich Natrongläsern einen ins vio
lette hinüberspielenden Stich ertheilt, wird, soll ein reineres Himmelblau in Natronglas hergestellt wer
den, dem Gemenge etwas Eisen= oder Kupferoxyd zugesetzt, und hierdurch diejenige Nüance nach
gebildet, welche in mittelalterlichen Gläsern die Verbindung des Cobaltblaues mit dem, in ihnen durch
den Eisengehalt der Materialien des Gemenges, wie den des gerösteten Cobaiterzes hervorgerufe
nen, grünen Stich der Grundmasse bewirkte. Was ein, namentlich von Flamm recommandirter, Zu
satz von Knochenasche zu den mit Cobalt zu färbenden Gläsern bezweckt, ist völlig unklar.
Das Cobaltblau ist, seiner geringen Empfindlichkeit gegen reducirende Agentien wegen, wohl die am
wenigsten delicate, daher kaum je mißglückende Glasfarbe; um trotz des geringen Zusatzes an Oxyd,
eine gleichmäßige Vertheilung desselben, und Gleichmäßigkeit der Färbung innerhalb des ganzen
Hafeninhaltes zu erlangen, ist es praktisch, nach S c h ü r ’s Vorschlag [Die Praxis der Hohlglasfabrika
tion, S. 55.] das Oxyd in Salpetersäure zu lösen, und mit der verdünnten Salzlösung den zum Ge
menge abgewogenen Sand zu besprengen. Benutzt man indeß die Vorsicht, das Cobaltoxyd erst mit
einem Theile des Gemenges, diesen dann mit dem Uebrigen durchzumischen, und das erschmolzene
Glas ein oder ein paar Male zu „blasen“, so fällt, bei genügender Sorgfalt und regelrecht geführter
Schmelze, das Product ebenfalls gleichmäßig aus.
Von bei Weitem beschränkterer Anwendung als das eben besprochene Blau ist für die Zwecke der
Hohlglasfabrikation das Violett in seinen verschiedenen Tönen, in der Tafelglasfabrikation dagegen
spielt es, als Bestandtheil der vielbenutzten Trias Orange, Grün, Violett, eine wichtige Rolle. Da nun
die Art der Färbung des Glases im Ganzen unabhängig von seiner späteren Verwendung, sei es ge
stattet, um Wiederholungen zu vermeiden, hiervorzugreifen, und die Färbungen, die überhaupt in Al
kalikalkgläsern üblich, schon hier gemeinschaftlich zu besprechen, wie solches auch bereits für das
Cobaltblau geschehen.
Als violett färbendes Oxyd findet im Glase ausschließlich der Braunstein seit den ältesten Zeiten
Verwendung. In den antiken Natrongläsern, wie in den mit Hilfe von aus Pflanzenasche gewonnener
Soda, erschmolzenen Tafelgläsern des XII. und XIII. Jahrhunderts, finden wir außer dem ebenfalls
durch Mangan hervorgerufenen leichten Braunviolett der Fleischpartieen, ausschließlich sich dem
Weinroth zuneigende rothviolette Töne, wie solche das Mangan den Natrongläsern ertheilt, im XIV.
und XV. Jahrh. dagegen, wo die Pottasche auf den Glashütten sich mehr und mehr einbürgert, tritt mit
dem Kaliglase dann auch das diesem eigenthümliche Blauviolett immer häufiger auf.
Welche Oxydationsstufe des Mangans die violettfärbende, ist bisher noch fraglich. Liebig sprach die
Vermuthung aus, es sei das Oxydul die coloristisch wirksame Verbindung, derselben Ansicht ist
Pelouze, wie bereits erwähnt. Bontemps, dessen chemische Auseinandersetzungen übrigens
mehrfach eigenthümliche, scheint das Hyperoxyd für die violettfärbende Substanz zu halten [Bon
temps: Guide du verrier, p. 90.]. Näher liegt es dann schon, nach Analogie der übereinstimmenden
Färbung der Salze, so wie der leichten Zerstörbarkeit derselben, an die Uebermangansäure zu den
ken.
Konnte das Kobaltblau als die am wenigsten empfindliche Glasfarbe bezeichnet werden, so zählt die
Herstellung guten Manganvioletts, werden vorher bestimmter Stich und Tiefe der Färbung verlangt, zu
den schwierigeren Aufgaben des Glasfabrikanten, da diese Farbe gegen die Einwirkung reducirender
Agentien, beständen diese auch nur in unvollständig verbrannten Ofengasen, äußerst empfindlich,
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