Gefärbtes bleihaltiges Glas.
Blaufärbung. Diese wird, wie bei den bleifreien Gläsern, durch Kobaltoxyd erzielt, welches eine
schöne, gesättigte Farbe liefert. Nach der gewünschten Intensität der Färbung richtet sich der Zusatz.
Für Tafelglas rechnet man auf 100 Theile Sand 0'25 bis 0'33 Theile, für sogenanntes Ueberfangglas
auf 100 Theile Sand circa 6 Theile Kobaltoxyd. Auch mit Kupferoxyd wird die blaue Färbung hervorge
rufen. Auf 100 Theile Sand rechnet man 1 bis 1 '5 Theile Kupferoxyd. Beim Schmelzen muß jede Re-
duction des Oxyds sorgsam vermieden werden, da man sonst statt der blauen die rothe Farbe erhalten
würde; man kann dem ausweichen, indem man etwas Salpeter als Oxydationsmittel zusetzt...
Violettfärbung. Violett wird das Glas ausnahmslos durch Manganoxyd, das zur Erzielung schöner,
reiner Töne vollkommen rein sein muß, gefärbt. Nach der Höhe des Zusatzes lassen sich alle Far-
ben=Nuancen, vom hellen Rosa bis zur gesättigten Amethystfarbe, dem Glase ertheilen. Die Farben
werden beim Erkalten der Glasmasse etwas blasserund hellerund muß diesem Umstande bei der Be
messung des Farbenzuschlages Rechnung getragen werden. Während der Schmelze müssen alle re-
ducirenden Einflüsse vermieden werden, da sonst die Färbung leidet...
Paul Randau, Die farbigen, bunten und verzierten Gläser, Wien-Leipzig 1905, S. 59,
60,73,74,179-182:
Blaue Gläser.
Die Blaufärbung des Glases kann ebenfalls auf mehrfache Weise bewirkt werden, und zwar sowohl
durch Kobaltoxyd als auch durch Kupferoxyd. Das Kobaltoxyd ergibt eine rein blaue Farbe, welche je
nach der Menge des angewendeten Kobaltoxydes zwischen dem hellsten Wasserblau und dem dun
kelsten Ultramarinblau liegen kann. Die Färbung des Glases durch Kobaltoxyd ist eine der intensiv
sten, welche wir überhaupt kennen; schon eine Menge von Kobaltoxyd, welche nur ein Viertel Prozent
vom Gewichte der in dem Glassatze enthaltenen Kieselsäuremenge ausmacht, ergibt ein sehr satt ge
färbtes Glas.
Früher wurde zum Blaufärben des Glases immer nur der sogenannte „Zaffer“ angewendet; man stellt
dieses Präparat dar, indem man Kobalterz röstet. Je nach dem Grade der Reinheit des verarbeiteten
Kobalterzes enthält der Zaffer mehr oder weniger Kobaltoxyd, neben diesem aber auch noch
Nickeloxyd, Eisenoxyd usw., welche, da sie ebenfalls das Glas zu färben vermögen, einen ungünsti
gen Einfluß auf die Schönheit der Färbung nehmen. Wenn man daher ein rein blau gefärbtes Kobalt
glas erzielen will, muß man unbedingt reines Kobaltoxyd anwenden.
Seiner intensiven Färbung wegen wird das Kobaltglas vielfach nur als Überfangglas benützt; um das
hierfür erforderliche Glas zu erhalten, wendet man Glassätze an, die auf je hundert Teile Kieselsäure
im Glassatze fünf bis sechs Prozent Kobaltoxyd haben. In dickeren Schichten ist ein solches Kobalt
oxydglas schon für das Licht ganz undurchlässig, und ersheint nur in der dünnen Schichte, in welcher
es auf einem anderen Glase lagert, rein blau.
Das Kupferoxyd besitzt ebenfalls die Eigenschaft, dem Glase eine blaue Färbung zu erteilen, welche
aber in ihrem Tone von jener, die das Kobaltoxyd liefert, ganz verschieden ist. Man wendet auf je hun
dert Teile Kieselsäure im Glassatze einen bis einen und einen halben Teil Kupferoxyd an. Wenn
während des Niederschmelzens des Glassatzes reduzierend wirkende Gase zu der Glasmasse treten
würden, so wäre es unmöglich, ein rein blau gefärbtes Glas zu erhalten; man muß daher die Vorsicht
gebrauchen, diese Gase fernzuhalten, und erzielt dies am leichtesten, indem man in der Glasmasse
selbst Sauerstoff entwickelt. Man setzt dem Satze zu diesem Behufe eine kleine Menge von Salpeter
zu; dieses Salz gibt zwar schon in geringer Hitze eine gewisse Menge von Sauerstoff ab, es ist jedoch
eine hohe Temperatur erforderlich um den Salpeter ganz zu zersetzen. Durch Zusatz von Eisenoxyd
läßt sich das durch Kupfer hervorgebrachte Blau leicht in ein angenehmes Grün abtönen ...
Die Nachahmungen von Saphiren.
Der echte Saphir verdankt seine Färbung einem Gehalte von Kobaltoxyd; je nachdem derselbe größer
oder geringer ist, erscheint der Stein mehr oder weniger dunkelblau und durchsichtig; man kennt Sa
phire, deren Farbe jener des sattesten Ultramarin gleicht, und solche, welche eine ganz helle (meer
blaue) Farbe zeigen und deshalb auch als „Aquamarin“ bezeichnet werden.
Man stellt die Nachahmung von Saphiren gewöhnlich in der Weise dar, daß man Straßglas mit 1,5 bis
2 % an feinster Smalte mischt und die Mischung niederschmilzt. Man muß hierbei die Vorsicht beob-
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