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benglas 1,1993, S. 10 ff.: Kapitel „Zur Blütezeit des Farbenglases im späten Biedermeier“;
zum roten Steinglas: s. Busson, Biedermeier-Steingläser, 1991, S. 20 ff.).
Seit jeher waren rote Perlen, Gürtelschnallen und andere „Quincaillerien“ (Glaskurzwaren)
in der Gablonzer Bijouterie beliebt. „Granatfarbne“ und „rosenrothe geschliffene Perlen“
zeigte Zenker/Josephsthal in Prag 1829 (Neuwirth, Farbenglas I, 1993, S. 11), tiefdunkel
rote Glasbrocken stellten Blaschka & Comp als „rohe Glas-Composition“ her (Neuwirth,
Farbenglas 1,1993, S. 33, Abb. 12), und die Firma Ferdinand Unger, Liebenau, zählte zahl
reiche Muster in Rot zu ihren „Ohrbirndeln“ (Ohrgehängen). Etwa hundert Jahre später zei
gen Art-Deco-Ketten aus hellem und dunklem, transparentem und opakem rotem Far
benglas die Anwendungsmöglichkeiten von geschliffenen, gepreßten und gewickelten Per
len. Rocailles und Stiften (S. 18,42). Auf die Musterkarten der Gebr. Redlhammer sind rote
oder rot marmorierte Perlen vieler Farbnuancen (manche als „Perles Orientales“, manche
als Cornelian Beads“ bezeichnet, wobei Granat- und Korallenfarben überwiegen) aufge
näht (Neuwirth, Perlen aus Gablonz, 1994, S. 24, 25, 290, 294, 311). Zwei Farbpaletten-Ta-
fein lassen die unglaubliche Vielfalt von Rottönen in Rocailles und Stiften erahnen (Neu
wirth, Perlen aus Gablonz, 1994, S. 52, 53).
REZEPTUREN, PRIVILEGIEN UND PATENTE
Wir kennen unzählige zeitgenössische Rezepturen für rotes Glas, die in chronologischer
Folge (S. 141 ff.) wiedergegeben werden. Einige wenige Privilegien seien ebenfalls ange
führt: die Firma Josef Riedel, Polaun, hatte im Jahre 1881 die „Verbesserung in der Erzeu
gung von Rubinglas“ als Privilegium registrieren lassen (Privilegien-Katalog 1896, Nr.
10011, S. 807, Priv. Nr. G. 32/802, Erteilung: 27.4.1882, Priorität: 8.10.1881). Die Rezep
tur für dieses Rubinglas (200 Teile Sand, 100 Teile Soda, 40 Teile Sand, 15 Teile Kirsch
baumholz und 7 Teile Antimonium vitrum) ist allerdings insoferne offensichtlich fehlerhaft,
als zweimal eine Mengenangabe für Sand aufscheint.
Riedel ließ auch ein „Verfahren zur Erzeugung von massiv rosa-Glas“ patentieren (Privile
gien-Katalog 1896, Nr. 10017, S. 808, Priv. Nr. G. 46/856, Erteilung: 7. 3. 1896, Priorität
6.5.1895):
„Um massiv rosa Glas, welches direct aus dem Hafen schon die rothe Farbe hat, zu erzeugen, muß
dasselbe willig anlaufen & erhält man diese Eigenschaft auf folgender Grundlage.
Die Erfindung besteht darin, das Färben des Goldes im Glassatze, durch Phosphorsäure oder durch
Phosphorsäure & Aluminium zu unterstützen.
Die Phosphorsäure kann als solche, oder auch in ihren Salzen zur Verwendung kommen, wie, phos
phorsaures Kali, phosphorsaures Natron, phosphorsaures Calcium, phosphorsaures Blei, phosphor
saures Zinn, phosphorsaures Zink, überhaupt in jenen Salzen, welche dem Glase keine Färbung ver
leihen. Das Aluminium kann als Metallpulver oder auch in seinen Salzen & Oxyden wie Mineralien als
schwefelsaures, essigsaures, kieselsaures, salpetersaures, Chloraluminium Fluoraluminium etc. ein
getragen werden. . , ,
Zum Gelingen ist erforderlich, daß entsprechend der Eigenschaft des Crystallsatzes, soviel Phosphor
säure oder Phosphorsäure und Aluminium beigemengt werde, als der Satz zuläßt, ohne eine Trübung
oder Sättigung zu erfahren, oder eine eventuell auftretende Sättigung noch durch Wiedererwarmung
verschwindet“.
GLASFÄRBUNG DURCH SELEN
Neben Kupfer und Gold wurde auch Selen zur Rotfärbung von Glas herangezogen.
Bereits Schubarth sah „die chamäleonähnliche Veränderung der Farbe“ beim Gold als
Analogie zu Selen (s. S. 188). J. Pelouze berichtete schon 1865 über seine Versuche, Glas
durch Selen zu färben (s. S. 192).
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren mehrere Firmen daran interessiert, die Färbung
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