die Arbeitsöffnung, in welcher das Glas beim Verarbeiten anzuwärmen ist, ein Stück Holz zu legen, da
mit dessen Rauch das anzuwärmende Glasstück umgebe.
Um das Oxydul beständiger zu machen, setzt man daher der Glasmasse auch noch Zinnoxyd zu (auf
100 Theile Glasmasse 2 1 / 2 Theil Zinnoxyd und 2 V 2 Theil Kupferoxydul), wobei ersteres ohne Zweifel
die höhere Oxydation des letzteren hindert. Auf ähnliche Art wirkt zum Theil das Bleioxyd in dem
Krystallglase, in welchem diese Farbe beständiger ist, als in dem gemeinen Glase. Das Krystallglas
hat zu dieser Färbung auch darin einen Vorzug, daß es wegen seines langsamen Festwerdens bei der
Verarbeitung die Vollendung der daraus anzufertigenden Gegenstände ohne neue Anwärmung an der
heißen Luft des Glasofens erlaubt. Soll die Färbung mehr ins Scharlach= oder Feuerrothe gehen, so
vermengt man den Glassatz mit 3 Prozent seines Gewichtes Zinnoxyd und 1 / 5 Prozent Eisenoxydul,
und setzt nach dem Schmelzen das Kupferoxydul ( 1 / 5 Prozent) zu. Statt des Kupferoxyduls wendet
man zur Darstellung dieses Purpurglases, und zwar sicherer und leichter, zumahl für das Krystallglas,
auch das Schwefelkupfer an, welches man erhält, indem man auf 8 Theile Kupferfeile oder Dreh
späne, die man in einem Tiegel zum Glühen bringt, 3 Theile Schwefel trägt, und die geschmolzene
Masse ausgießt und pülvert. Man nimmt dasselbe zu dem Glassatze in derselben Menge, wie das
Kupferoxydul, mit der gleichen Menge Eisenoxyd. Es bildet sich dann während des Schmelzens
Schwefeleisen und Kupferoxydul.
Das mit Kupferoxydul geschmolzene Purpurglas ist, wie oben bemerkt worden, von so intensiver
Farbe, daß es in etwas dickem Stücken dunkel und undurchsichtig wird, und selbst in der Dicke der
Fensterscheiben und Glasbecher noch nicht hell oder durchsichtig genug ist. Es wird daher gewöhn
lich durch das Überfangen mit weißem Glase verbunden. Zu diesem Behufe wird, wenn Glastafeln
hergestellt werden sollen (die man jedoch nur in kleineren Dimensionen verfertigt), zuerst weißes Glas
auf die Pfeife genommen, dann dieses in den Tiegel mit dem Purpurglase getaucht, um die erste
Masse mit einer Schichte von diesem Glase zu überziehen, dann wie gewöhnlich ein kleiner Zylinder
geblasen, und dieser auf dem Streckherde bei möglichst gelinder Wärme zur Tafel gestreckt. Diese
besteht dann aus zwei Glasschichten, der weißen und rothen, und die Nüanze der Farbe beim durch
fallenden Lichte hängt von der Dicke der rothen Schicht ab. Auf dieselbe Art stellt man auch Glasge
fäße, Schalen oder Becher etc. her, die dann von außen mit der rothen Glasschichte überzogen sind.
Ist letztere hinreichend dick, so können in dieselbe beliebig Verzierungen eingeschnitten weden, die
dann dunklere und lichtere rothe Farbetöne haben, je nachdem von der rothen Schichte mehr oder we
niger weggenommen wird. Gehen die Schnitte bis auf das innere weiße Glas, so erhält man rothe Ver
zierungen auf dem weißen Glasgrunde, z. B. bei den sich durchkreuzenden Schnitten rothe fazettirte
Erhabenheiten oder Steine u. dgl.
Mehr ins Feuer= und Scharlachrothe fallend wird auf dieselbe Art die Farbe des Purpurglases, wenn
man statt des gemeinen Glases, welches man mit dem rothen überfängt, ein durch Zinnoxyd oder
Knochenerde (s. unten) weiß gefärbtes Glas anwendet. Diese Gefäße sind dann zwar nicht durchsich
tig, das umfangende Purpurglas hat jedoch mittelst des zurückgeworfenen Lichtes eine schöne hoch-
rothe Farbe.
2) Eine durchsichtige Purpurfarbe, die in das Karmesin= oder Rubinrothe spielt, gibt dem Glase das
Goldoxyd (das sogenannte Rubinglas). Man wendet dazu den Goldpurpur (eine chemische
Verbindung von Zinn= und Goldoxyd) an. Wegen der Kostspieligkeit des Zusatzes wird dieses Glas
nur in kleinern Quantitäten und so bereitet, daß das schon fertige Glas gepulvert mit dem Goldpurpur
gemengt und umgeschmolzen wird. Die sichere Herstellung dieses Glases ist noch mit besonderen
Schwierigkeiten verbunden. Das Goldoxyd hat eine starke färbende Kraft, und ein Theil färbt
2000 Theile Glas und darüber noch merklich roth. Der Zustand, in welchem das Gold sich im Gold
purpur oder in dem durch dasselbe gefärbten Rubinglase befindet, ist noch nicht hinreichend er
forscht; wahrscheinlich ist dieses purpurfärbende Oxyd eine Zwischenstufe zwischen dem Oxydul und
Oxyd (mit 1 At. Gold auf 1 At. Sauerstoff), das in seiner Verbindung mit Zinnsäure oder Kieselsäure in
hoher Temperatur beständig ist; wenigstens erklären sich unter dieser Annahme die Erscheinungen
am besten. Versetzt man den Goldpurpur, wie bei der Emailmahlerei, mit einem leichtflüssigen Glase
oder Flusse, so verbindet er sich, bevor noch die Hitze eine Zersetzung des Purpurs bewirken kann,
mit dem Glase, färbt dasselbe und widersteht dann in dieser Verbindung einer weit höheren Tempera
tur. Versetzt man dagegen eine schmelzende Glasmasse von gemeinem oder Krystallglas mit Gold
purpur, so wird dieser in der Schmelzhitze des Goldes zersetzt, indem sich das Gold in seiner Zerthei-
lung zum Theil metallisch in erkennbaren Kügelchen, zum Theil als Oxydul oder als Oxyd in der Masse
vertheilt, und diese mehr oder weniger gelb färbt. Diese gelb gefärbte Glasmasse geht nur dann all-
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