mählich in die purpurrothe über, wenn das Schmelzen bei hoher Temperatur sehr lange fortgesetzt,
oder die partielle Oxydation des Metalls und des Oxyduls, oder die partielle Reduktion des Oxyds (um
das oben erwähnte mittlere Goldoxyd herzustellen) durch andere Mittel befördert wird. Das letztere,
nämlich die partielle Reduktion des Oxyds (der Goldsäure), scheint hauptsächlich statt zu finden, und
der Übergang des mit dem Goldpurpur geschmolzenen gelben oder wenig gefärbten Glases, in wel
chem sich wahrscheinlich das Goldoxyd als goldsaures Kali, Zinn= oder Bleioxyd befindet, in Purpur
durch die Zersetzung dieser Verbindung zu erfolgen, indem solches Glas vor der Löthrohrflamme oder
im glühenden Zustande über einer rauchigen Flamme leicht, wenigstens an der Oberfläche, die Pur
purfarbe annimmt. Es dürfte demnach bei der Bereitung dieses Glases hauptsächlich darauf ankom
men, daß das Gold beim ersten Schmelzen in der Glasmasse hinreichend oxydirt werde, so daß ein
gleichförmig gelblich gefärbtes oder wenig gefärbtes Glas entsteht, um dann in dieser Masse durch
höhere Temperatur oder durch andere Mittel wieder eine partielle Desoxydation zu bewirken.
Gewöhnlich verfährt man auf folgende Weise. Man vermengt das fein gestoßene Glas mit dem Gold
purpur ( 1 / 2 bis 4 Prozent); nach dem Schmelzen gießt man das Glas, das nun gelblich gefärbt ist, in
Wasser aus, schmelzt neuerdings, und wiederhohlt dieselbe Operation vier bis sechs Mahl, oder so
lange, bis die Glasmasse die schöne purpurrothe Färbung erlangt hat. Die rothe Färbung tritt bei dem
Umschmelzen um so leichter ein, je mehr die gelbe Farbe, die das Glas beim ersten Schmelzen ange
nommen hat, ein schieferiges und trübes Ansehen hat, weil hier das feine Gold oder Goldoxyd um so
gleichförmiger in der Masse vertheilt ist. Man muß dabei einen Zusatz von Arsenik vermeiden. Mit dem
Goldpurpur kann zugleich reiner Braunstein von einem Viertel bis zur Hälfte seines Gewichtes, auch
zur Nüanzirung der Farbe Antimonglas (wie zu gelb) zugesetzt werden. Der Zusatz des letzteren
scheint auch zur besseren Vertheilung des Goldes in der Masse mitzuwirken.
Es ergibt sich hieraus, daß der Goldpurpur bei dem Färben des Glases nur durch seinen Goldgehalt
wirksam, und es daher wohlfeiler sey, unmittelbar ein Goldsalz oder irgend eine Verbindung, in wel
cher das Gold in sehr feiner Zertheilung sich befindet, anzuwenden. Hierzu dient das Goldchlorid
(salzsaures Goldoxyd) gepülvert mit dem Glase gemengt. Man kann auch dieses Salz in Wasser auf-
lösen, oder unmittelbar die Auflösung des Goldes in Königswasser nehmen, das Glaspulver damit be
feuchten, trocknen und zum Schmelzen einsetzen. Wahrscheinlich ist das aus Goldchlorid und Chlor
kalium (salzsaurem Gold und salzsaurem Kali) bestehende Doppelsalz, welches man erhält, indem
man eine Goldauflösung mit einer Auflösung von salzsaurem Kali (1 Atom Chlorkalium auf 2 Atome
Goldchlorid) versetzt und zusammen krystallisiren läßt, für diesen Zweck am tauglichsten.
3) Mit Braunstein (Mangansuperoxyd) erhält das Glas eine rothe, ins Violette gehende Farbe,
nach der Menge des Zusatzes (V 2 bis 4 Prozent) in verschiedener Intensität. Die Farbe wird um so
besser, je eisenfreier der Braunstein; daher man diesen hierzu in ausgelesenen krystallisirten Stücken
anzuwenden hat. Das Krystallglas verdient für diese Färbung den Vorzug vor dem gemeinen Glase.
Durch Zusatz von Spießglanzglas (wie beim gelben Glase) wird die rothe Farbe erhöht; durch Zusatz
von etwas Kobaltoxyd mehr violett. Amethystfarbe entsteht, wenn das Gemenge auf Krystallglas
mit Zusatz von 6 Prozent eines Pulvers geschmolzen wird, das aus Braunstein mit 1 / 10 Zaffer gemengt
worden ist. . .
Braun, ins Granatfarbene, erhält man das Glas, wenn dem Braunstein etwa der sechste Theil seines
Gewichtes Zaffer zugesetzt wird.
Glaspasten
Rubin: Man versetzt den Straß mit Goldpurpur, wie oben bei der Bereitung des rubinrothen Glases
angegeben worden, und verfährt damit auf dieselbe Art, durch wiederhohltes Ausgießen und Schmel
zen. Oder, da es hier nicht darauf ankommt, größere Massen zu erhalten, so nimmt man das Glas aus
dem Feuer, wenn es vollkommen geschmolzen ist und die gelbe Farbe erhalten hat, oder auch farben
los geworden ist, und schmelzt die einzelnen kleinen Stücke vor der Flamme des Löthrohrs und bis es
die Purpurfarbe angenommen hat. Beim Schmelzen des mit Zusatz von Goldpurpur gefärbten Topas
glases kommt die Masse öfters undurchsichtig und nur an den Kanten röthlich durchscheinend aus
dem Feuer. Man schmelzt diese Rubinglasmasse (S. 41) mit 8 Mahl so viel Straß zusammen, erhält sie
eine hinreichend lange Zeit im Flusse, und schmelzt dann das entstandene farbenlose Glas vor dem
Löthrohre, wo es eine schöne Rubinfarbe annimmt. Oder: Straß 100 Th., reiner Braunstein 2 1 / 2 Th.
Amethyst: Straß 1000 Th., Braunstein 8. Th., Kobaldoxyd 5 Th., Goldpurpur 0.2 Th ...
Granat (oriental.): Straß 1000 Th., Spießglanzglas 500 Th., Goldpurpur 4Th., Braunstein 4 Th...
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