Schönes etwas dunkleres rothes Glas.
100 Th. weißer Sand
60 Th. Mennige
30 Th. calcinirte Pottasche
5 Th. Salpeter
12 Th. Goldpurpur
3 Th. Braunstein
3 Th. Schwefelspießglanz.
Das Kupferoxydul wurde schon im Alterthume zum Rothfärben des Glases gebraucht,
denn Klaproth fand in einem rothen Glase, das in der Villa des Kaiser Tiberius auf der
Insel Capri gefunden worden:
71 Th. Kieselerde
14 Th. Bleioxyd
7 1 / 2 Th. Kupferoxydul
1 Th. Eisenoxyd
2 1 / 2 Th. Thonerde
1 V 2 Th. Kalk
Auch während des ganzen Mittelalters scheint das Kupferoxydul der einzige zum Rothfärben des Gla
ses angewendete Stoff gewesen zu sein, wenigstens hat der Dr. Engelhardt, der das dabei beobach
tete Verfahren vor einigen Jahren wieder entdeckt und dafür den von dem Vereine zur Beförderung
des Gewerbfleißes in Preußen ausgesetzten Preiß erhalten hat, bei vielfältigen chemischen Analysen
der verschiedenartigsten Stücke keinen andern Farbestoff auffinden können.
Das Kupferoxydul kommt in der Natur als Rothkupfererz vor, wird aber zu unserm Zweck durch Kunst
dargesteilt, nach Schubarth, indem man schwarzes Kupferoxyd mit 4 / 5 seines Gewichts sehr dünn
ausgewalzter Kupferblechstreifen in einem Schmelztiegel schichtet und wohl verschlossn ausglüht.
Das Oxyd tritt hier die Hälfte seines Sauerstoffs an das überschüssige Kupfer ab und wird in Oxydul
verwandelt, welche Oxydationsstufe auch das metallische Kupfer annimmt. Liebig und Wöhler emp
fehlen folgende einfache Methode. Man löst reines Kupfer in Salzsäure auf, indem man nach und nach
etwas Salpetersäure zugießt, dampft die Auflösung bis zur Trockne ab und erhitzt das so erhaltene
Chlorid in einem Tiegel bis zum Schmelzen, wodurch es zu Chlorür reducirt wird. Von diesem braunen
krystallisirten Kupferchlorür mengt man 5 Theile mit 3 Th. wasserfreiem kohlensaurem Natron und
schmilzt das Gemenge in einem bedeckten Tiegel bei gelinder Glühhitze. Die geschmolzene, aus
Kochsalz und Kupferoxydul bestehende Masse wird durch Wasser geschieden, welche das Letztere
als schönes rothes Pulver zurückläßt. Es ist jedoch zu bemerken, daß es schwierig ist, dieses Pulver
zu trocknen und vom Wasser zu befreien, ohne daß es sich dabei höher oxydirt, was von großem
Nachtheil sein würde, weil das Kupferoxyd dem Glase eine grüne, auch wohl blaue Farbe gibt.
Da die Farbe, welche das Kupferoxydul dem Glase ertheilt, so dunkel ist, daß Scheiben von der ge
wöhnlichen Stärke ganz schwarzbraun und kaum durchschimmernd sein würden, so mußte ein Ver
fahren erdacht werden, durch welches dieser Nachtheil gehoben wird, und das gelang dem Dr. Engel
hard dadurch, daß er das weiße Glas mit einer äußerst dünnen Lage von rothem Glas übezog. Wenn
die Alten rohen Weinstein, Ruß oder andere desoxydirendee Körper zugleich mit dem Kupferoxydul
anwendeten, so geshah dies blos, um die Verwandlung des Oxyduls in Oxyd zu verhindern und da
durch die rothe Farbe zu erhalten. Zu demselben Zweck dient auch das Eisenoxydui, besonders wenn
man eine ins Gelbliche ziehende feuerrothe Farbe erhalten will. Der beste Zusatz, um das Kupfer im
oxydulirten Zustande zu erhalten, ist jedoch, nach Engelhards Erfahrung, das Zinnoxydul, dessen Wir
kung dauernder ist als die der vegetabilischen Stoffe, welche nach dem bald statt findenden Verbren
nen nicht mehr wirken, und bei deren Anwendung man leicht einem doppelten Fehler ausgesetzt ist;
denn sind sie noch nicht hinlänglich verbrannt, so wird das Glas nicht lauter und die Farbe nicht hell,
und ist endlich der rechte Moment eingetreten, so muß man das Glas auf das schnellste verarbeiten,
weil die Farbe äußerst leicht wieder verschwindet. Engelhardt fand auch in allen alten Gläsern, welche
er untersuchte, stets Zinnoxyd und zwar meist in größerer Menge als das Kupferoxydul selbst.
Um das Ueberfangglas zu verfertigen, muß der Arbeiter zwei Tiegel haben, einen für das rothe und
einen für das weiße Glas; er taucht die Pfeife zuerst in die rothe Masse und hebt eine kleine Quantität
davon aus, dann nimmt er über dies Roth die gehörige Menge weißen Glases und bläst einen Cylinder,
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