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Full text: Farbenglas vom Biedermeier zum Art Déco, 2: Farbenpaletten blau, rot, Index

Prof. Schubarth, Einige Notizen über rothes und blaues Glas (Aus den Verhandlun 
gen des Vereins für Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, 1844,3te Lieferung, 
S. 130), in: Dr. Emil Maximilian Dingler, Polytechnisches Journal, 94. Bd., Stuttgart 
1844,S.282-293: 
I. Daß die Alten die Kunst verstanden. Glas durch Kupferoxydul roth zu färben, ist bekannt. Pli- 
n i u s in seiner historia naturalis, 36. Buch Cap. 66 u. f. erzählt vom Glase Folgendes: 
Man begnügte sich bald nicht mehr, zur Bereitung des Glases das Nitrum (kohlensaure Natron) anzu 
wenden, sondern sezte auch Magnetstein hinzu. Eben so wurden vielerlei glänzende Steine, Muschel 
schalen und Sand gebrannt. Man erzählt sogar, daß in Indien Glas aus Krystall (Bergkrystall) gefertigt 
werde. Man schmelzt das Glas mit leichtem und gedörrtem Holz, sezt auch Kupfer (Cyprium) und ophi- 
risches Nitrum hinzu. Es wird, gleich dem Erz, in mehreren Oefen geschmolzen; daraus entstehen 
Massen von diker (d. i. undurchsichtiger), schwärzlicher Farbe. Dieselben werden dann von Neuem 
geschmolzen und gefärbt. Einiges Glas wird geblasen, anderes geschliffen (torno teritur), auch nach 
Art des Silbers mit dem Grabstichel verziert (geschnitten), besonders zu Sidon, welches früher durch 
seine Glashütten berühmt war. 
Jezt wird aber auch an der Mündung des Flusses Vulturnus, zwischen Cumae und Liternum, der weiße 
Meeressand zerstampft und gemahlen, mit 3 Theilen Nitrum (kohlensaurem Natron) dem Gewicht 
oder Gemäß nach vermischt, geschmolzen, und sodann in andere Oefen gebracht. Hier bildet sich 
Fritte (ammonitrum, d. h. eine Verbindung von Sand und Nitrum), welche umgeschmolzen reines Glas 
gibt. 
Zu den Glassorten zählt man auch die Obsidiane, welche dem Steine sehr ähnlich sind, den Obsi- 
dius in Aethiopien entdekte, von ganz schwarzer Farbe, zuweilen auch durchscheinend. Obsidian 
wird durch eine künstliche Färbung gefertigt, zu Speisegeräthen verwendet, eben so durch und durch 
rothes Glas, was undurchsichtig ist, und haematinon heißt (blutroth); deßgleichen weißes, gelbes 
auch Nachahmungen von Hyacinth und Sapphir und in andern Farben. Keine andere Substanz ist bild 
samer und eignet sich mehr zum Gefärbtwerden als Glas. - An zwei andern Stellen sagt Plinius 
(Buch 37, Cap. 26, 75 und 76), daß auch die Carbunkelsteine, Smaragde u.a.m. durch gefärbte Glas 
flüsse nachgeahmt würden; man könne aber diese, so wie andere Nachahmungen von Edelsteinen, 
durch Weichheit und Brüchigkeit, so wie durch geringeres Gewicht von den ächten unterscheiden. 
Auch enthielten sie oft Bläschen, die wie Silber glänzen. 
Daß antikes rothes Glas Kupferoxydul enthält, hat Klaproth [Beiträge zur chemischen Kenntniß 
der Mineralkörper, Bd. VI S. 136.] durch die Analyse einer Glaspaste bewiesen, welche in der Villa des 
Ti b e r i u s auf der Insel Capri gefunden worden war. Dieselbe enthielt in 200 Theilen 15 Theile Kup 
feroxyd, 15 Bleioxyd, 7 Eisenoxyd, 11 Thonerde, 13 Kalk, 130 Kieselerde. Die Bestimmung der Menge 
des Kupferoxyds geschah dadurch, daß die kupferhaitende Lösung mittelst Eisen gefällt und 12 Gran 
metallisches Kupfer erhalten wurden; diese entsprechen aber nur 13,46 Kupferoxydul oder 6,73 Proc. 
Die Undurchsichtigkeit des Glases rührte jedenfalls von der bedeutenden Menge des Kupferoxyduls in 
Verbindung mit Thonerde her. Das mit Kupferoxydul gefärbte Glas ist meist undurchsichtig, weßhalb 
man, um ein durchsichtiges rothes Glas zu erhalten, farbloses mit rothem überfängt, wodurch das lez- 
tere ungemein dünn ausgestrekt wird. - Klaproth glaubt, die Alten hätten das vorn erwähnte un 
durchsichtige blutrothe Glas (haematinon) nicht aus den Bestandtheilen zusammengesezt, sondern 
wahrscheinlich Kupferschlake geschmolzen und in Tafeln gegossen. Dem sey nun wie ihm wolle, so 
bleibt doch immer die Bemerkung des Plinius interessant, daß beim Glasschmelzen Kupfer (cy 
prium) zugesezt werde. 
Es fragt sich: kann metallisches Kupfer Glas färben? Allerdings, denn erstens enthält das Kupfer nicht 
selten Oxydul in sich (es kann bis 2 Proc. enthalten, und noch die Hammergahre besizen, ja unter Um 
ständen an 13 Proc. davon enthalten); zweitens kann sich Kupfer durch den Glassaz in der Hize auch 
oxydiren, namentlich wenn Salpeter, Braunstein, Mennige sich in demselben befinden. Einen Beleg 
dazu gibt dervon Guyton de Morveau erzählte Fall, daß zu St. Gobin ein kupferner Löffel in einen 
Glashafen fiel und das Glas roth färbte [Annales de chimie I. Serie T. 73. p. 120.]. Dieser Hafen wird im 
Conservatoire des arts et metiers in Paris aufbewahrt. 
Cooper [Annales of philosophy Vol. 7, p. 105. - Polytechnisches Journal Bd. XIV S. 122.] analysirte 
ein altes Rubinglas, welches Ueberfangglas war; er entdekte darin Kupferoxydul, Eisenoxyd, Sil 
beroxyd, Kalk, Kieselerde (Natron). Also auch in diesem rothen Glase befand sich neben dem Kup 
feroxydul Eisenoxyd, worauf wir später zurükkommen werden. 
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