hauptsächlich da an, wo man sich auf die Geschicklichkeit des Bläsers nicht verlassen kann. - Die
oben mitgetheilten Vorschriften können selbstverständlich auch zur Anfertigung von Trinkgläsern u. s.
w. benutzt werden, sowie man das Glaubersalz auch durch Potasche oder Soda ersetzen kann.
38) Massives rothes Glas zu Fensterscheiben.
60 Pfd. gemahlenes weißes Kaliglas mit 2 Proc. Mennige,
2 Loth fein geriebenes Blattgold; statt des zerriebenen Goldes kann man auch eine Auflösung von
3 Loth Gold in Königswasser anwenden und diese mit dem gemahlenen Glase mengen.
39) Rubinglas zu Krystall.
200 Pfd. weißer Sand,
6 Loth Gold in Königswasser gelöst, zur Verjagung der freien Säure
abgedampft, wieder mit
1 Pfd. Regenwasser verdünnt und dann mit dem Sande gemengt
und getrocknet,
170 Pfd. Mennige,
50 Pfd. Potasche,
32 Pfd. Salpeter.
40) Rubinrothes Ueberfangglas.
Man mengt die erst koncentrirte und dann wieder mit Wasser verdünnte Auflösung von 2 Loth Duka
tengold auf 10 Pfd. gemahlenes weißes Glas, welches eine kleine Menge Mennige enthält, und
schmelzt. Die Sätze 37 und 40 dürfen weder Eisen noch dessen Oxyde enthalten, die das Gold metal
lisch abscheiden würden, und man muß daher weißen Quarz oder mit Salzsäure behandelten weißen
Sand nehmen.
H. E. Benrath, Die Glasfabrikation, Braunschweig 1875, S. 313-332:
Für die Rothfärbung des Krystalls, wie des Glases überhaupt, wird bei lichten Tönen, wie solche bei in
der Masse gefärbtem Krystall hauptsächlich Vorkommen, so gut wie ausschließlich nur das Gold, ver
wandt, das je nach Quantität des Zusatzes die ganze Schattirung vom zartesten Rosa, bis zum tiefen
Purpurroth liefert. Für überfangenes Glas dagegen, bei dem es sich um tiefe Töne handelt, spielt,
schon der leuchtenderen blutrothen Farbe, wie der billigeren Flerstellung wegen, das Kupferroth die
wichtigere Rolle.
Wie den Alten, so ist, nach dem bisher bekannt Gewordenen, das Goldroth auch den Glasmachern
und Malern des Mittelalters unbekannt gewesen, und fällt, nach Knapp, die erste Anwendung des
selben in die Zeit des Erlöschens der kirchlichen Glasmalerei, das alchemistische Zeitalter der Che
mie. Näheres ist nicht bekannt. Libavius spricht (in seiner 1595 erschienenen „Alchemia”) die An
sicht aus, daß Rubine durch künstliche Färbung mit Goldlösung erhalten werden können [Knapp:
Chem. Technologie 2, 209.] Zu Anfang des XVII. Jahrhunderts erwähnt Neri die Rothfärbung
des Glases durch Gold 2 Mal und zwar im 5. Buche Cap. 90, wo er meint: „daß ein jeder fleißige und
sorgfältige Künstler wird aus dem Gold eine Verwunderungsschöne rothe Farbe extrahiren können;”
sodann im 7. Buch, Cap. 128, wo es heißt: „Man calciniretdas Gold mit Aqua Regis, und gießet eben
dieses Wasser zum fünften oder sechsten mal darüber. Solches Goldpulver wird in einen reinen Tiegel
gethan und so lang in den Reverberir=Oeffelein gehalten, bis es roth wird, welches innerhalb etlichen
Tagen geschiehet. Dieses rothe Pulver nun, so es einem gereinigten Krystall, welches zum öffteren in
das Wasser geworfen, behutsam und gemächlich zugesetzet wird, so wird es die Röthe eines warhaff-
tigen oder natürlichen und durchsichtigen Carbunckel=Steins erlangen.”
Genaueres wußte über die Flerstellung des goldrothen Glases, wie erwähnt, Kunckel, doch
schweigt seine „Ars vitraria” über die Art und Weise, in der er seine, damals berühmten, Rubingläser
herstellte. Wie erwähnt hat Metzger, Besitzer der Glashütte zu Zechlin, auf der Kunckel noch
selbst gearbeitet, und auf der sich seine Vorschriften als Fabrikgeheimniß erhalten, eine derselben,
die mit der Note „probatum est” versehen ist, publicirt [Hartmann: Thon= und Glaswaarenfa-
brikation (Berlin 1842), S. 782] Sie mag hier als Beispiel für die Goldverwendung in älteren Ru-
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